EZB-Analyse Griechischen Banken fehlen bis zu 14,4 Milliarden Euro

  • Die vier größten Kreditinstitute Griechenlands benötigen frisches Kapital, im schlimmsten Fall 14,4 Milliarden.
  • Damit das Geld fließen kann, müssen Reformen umgesetzt und in dem konkreten Fall der Banken-Rettung ein Gesetz zur Rekapitalisierung der Institute verabschiedet werden.
  • Experten erwarten, dass die Kapitalverkehrskontrollen im Land mindestens bis ins zweite Halbjahr 2016 bestehen bleiben werden.
Von Markus Zydra, Frankfurt

Griechenlands Banken brauchen milliardenschwere Finanzhilfen. Das teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Samstag mit. Die Bankenaufsicht der EZB untersuchte in den letzten Monaten die Bilanzen der vier größten Institute des Landes: National Bank of Greece, Piraeus, die Alpha Bank und die Eurobank. Dabei führten die Kontrolleure auch einen Stresstest durch. Im schlimmsten Fall, etwa wenn die griechische Wirtschaft kollabieren sollte, bräuchten die vier Institute insgesamt 14,4 Milliarden Euro. Im besten Fall seien es nur 4,4 Milliarden Euro. Entscheidend ist die höhere Zahl. Piraeus und die National Bank of Greece benötigen mit jeweils über vier Milliarden Euro am meisten Geld.

Bis zum 6. November müssen die Banken mitteilen, wie sie das frische Kapital beibringen wollen. Die Rekapitalisierung, so der Plan, soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Ein "signifikanter Teil" des fehlenden Kapitals, so die Erwartung der EZB, könne von den privaten Finanzmärkten kommen. Der Restbedarf wird dann aus dem Hilfspaket für Griechenland gedeckt. Das dritte Griechenland-Hilfsprogramm vom Sommer umfasst 86 Milliarden Euro. Davon stehen bis zu 25 Milliarden Euro für die Banken zur Verfügung. Damit das Geld fließen kann, muss Griechenland Reformen umsetzen und in dem konkreten Fall der Banken-Rettung ein Gesetz zur Rekapitalisierung der Institute verabschieden. Dies soll noch am Samstag geschehen. Eine Zustimmung des Parlaments gilt dabei als sicher.

Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen Anfang 2016 "zu optimistisch"

Griechenland stand im Frühjahr kurz vor der Pleite. Die griechische Finanzbranche hat im Zuge der daraus resultierenden Wirtschaftskrise zahlreiche faule Kredite angehäuft. Die griechische Regierung hatte im Sommer Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, um einen noch stärkeren Ansturm auf die Institute zu verhindern. Weil befürchtet wurde, dass Griechenland aus der Euro-Zone ausscheidet, räumten viele Bürger ihre Konten leer.

Die meisten Experten erwarten, dass die Kapitalverkehrskontrollen mindestens bis in zweite Halbjahr 2016 bestehen bleiben werden. Die Regierung in Athen und Bankenvertreter hatten argumentiert, dass die Kapitalverkehrskontrollen Anfang 2016 aufgehoben werden können - nach der Rekapitalisierung der griechischen Banken. "Das ist zu optimistisch" sagt Achilleas Chrysostomou, Ökonom bei Standard Chartered Bank in London, "ich denke, dass die europäischen Partner, die Gläubiger, mehr Beweise für die Umsetzung des Programms sehen wollen, bevor sie ein gutes Gefühl dabei haben, die Kapitalverkehrskontrollen aufzuheben."

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