Die Modekette Zara tat sich hierzulande lange schwer. Der spanische Mutterkonzern Inditex ist jetzt auf Expansionskurs in Deutschland - und könnte dem Konkurrenten H&M gefährlich werden.
Vor ein paar Tagen hat die Modekette Zara im Hamburger Elbe-Einkaufszentrum ein neues Geschäft eröffnet. Es ist die 65. Filiale in Deutschland und die erste Neueröffnung seit eineinhalb Jahren. Über 77 Länder erstreckt sich das Netz der Zara-Boutiquen, die zum spanischen Konzern Inditex gehören. Insgesamt unterhält das Unternehmen, das mit acht Marken präsent ist, fast 4800 Zweigstellen. In Deutschland ist Inditex neben Zara mit acht Filialen der Marke Massimo Dutti vertreten. Damit spielt das Unternehmen bislang eine vergleichsweise kleine Rolle. Aber das soll sich ändern.
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Mehr Zara-Geschäfte und neue Marken: Der spanische Textilkonzern Inditex verstärkt sein Engagement auf dem deutschen Markt. (© Reuters)
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Noch immer kennt nicht einmal jeder zweite Deutsche die spanische Modekette. Das hat im Frühjahr eine Umfrage der Fachzeitschrift Textilwirtschaft ergeben. Gerade mal 42 Prozent der Befragten sagte der Name Zara etwas. H&M, der große schwedische Konkurrent, der ebenfalls trendige Mode zu günstigen Preisen anbietet, war fast jedem ein Begriff.
Dabei ist Inditex die weltweit größte Textilkette, mit einem Jahresumsatz von fast elf Milliarden Euro, wovon zwei Drittel auf Zara entfallen. Erst vor wenigen Tagen hat Inditex Zahlen für das erste Halbjahr 2010 veröffentlicht. Das Unternehmen steigerte seinen Nettogewinn trotz Krise um gut zwei Drittel auf 628 Millionen Euro. Der Halbjahresumsatz lag bei 5,53 Milliarden Euro und war damit 14 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: H&M steigerte den Umsatz ebenfalls, aber nicht so stark, kam nur auf 2,9 Milliarden Euro und enttäuschte die Börse. H&M macht vor allem der Kostendruck zu schaffen.
In Deutschland erzielte Inditex in den vergangenen Jahren stetig wachsende Umsätze, 2008 lagen die Verkaufserlöse geschätzt bei mehr als 320 Millionen Euro. Arndt Brockmann, Geschäftsführer der Zara Deutschland GmbH, spricht von "großen Schritten nach vorne". Trotzdem war das Unternehmen in den vergangenen vier Jahren beim Expansionstempo vorsichtig. Der deutsche Markt galt Inditex offenbar als nicht sehr profitabel. Warum sonst waren die Spanier hier nur mit zwei ihrer acht Ketten präsent, während sie in anderen europäischen Ländern weiter expandierten?
Augenscheinlich erfüllte der deutsche Markt nicht die Anforderungen des Mutterkonzerns. Statt kontinuierlich neue Boutiquen zu eröffnen, wurde die deutsche Geschäftsführung unstrukturiert. Nach der Expansionspause sollen jetzt nicht nur die Gewinne weiter steigen, sondern auch neue Filialen von Zara und Massimo Dutti eröffnen. "Wir wollen weiter aufholen", sagt Brockmann der Süddeutschen Zeitung. Potential gebe es dabei nicht nur für Zara und Massimo Dutti, sondern für alle Inditex-Marken: "Inditex setzt mehr Vertrauen in Deutschland."
Neue Konzepte für den deutschen Markt
Wie wichtig der deutsche Markt konkret für Inditex geworden ist, lässt sich nur erahnen, dem Unternehmen gefällt wie vielen anderen spanischen Unternehmen die Geheimniskrämerei. Auf Anfrage heißt es lediglich, dass das Unternehmen sein Hauptaugenmerk auf den europäischen und den asiatischen Markt lege und dass es in Deutschland weiter wachsen wolle. Pablo Isla, der Vizepräsident von Inditex, erklärte vergangene Woche vor Analysten: "Wir sehen weiterhin viele Wachstumschancen in Europa, sowohl in West- wie auch in Osteuropa."
In Deutschland sollen zunächst zwei neue Marken auf den Markt kommen. Es ist das erste Mal seit acht Jahren, dass sich Inditex mit einem neuen Konzept ins Land wagt. Dabei geht es um das junge Modelabel Bershka und die Heimtextilienkette Zara Home. Letztere, so ist aus Branchenkreisen zu erfahren, will Anfang 2011 ein erstes Geschäft in Frankfurt eröffnen. Der Vertrag mit dem Immobilienmakler sei bereits unterzeichnet. Für Bershka wird derzeit noch nach geeigneten Verkaufsräumen gesucht. Wann mit weiteren Inditex-Marken in Deutschland zu rechnen ist, war nicht zu erfahren. Das Unternehmen plane "auf Sicht", erklärt Brockmann dazu.
Beim Online-Shop, den Zara Anfang September in sechs Ländern gestartet hat, zählt Deutschland schon jetzt zu den Vorreitern. Im kommenden Jahr soll das Angebot auf weitere Länder ausgeweitet werden. Konkrete Zahlen, wie Kunden das Einkaufen im Internet annehmen, kommuniziert Zara nicht. Brockmann verrät nur so viel: Das Geschäft sei für den Konzern insgesamt "über Erwartung" angelaufen und auch in Deutschland "sehr gut angenommen" worden.
Inzwischen hat Zara Deutschland auch eine wichtige Position wieder besetzt. Etwa ein Jahr lang war in der Hamburger Zentrale der Job des Expansionsleiters vakant. Seit Februar gibt es wieder einen Mitarbeiter, der damit betraut ist. Eine zweite Stelle soll in Kürze geschaffen werden.
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(SZ vom 05.10.2010/sop/hgn)