Expansion des Internet-Händlers Amazon eröffnet Versandzentren in Polen

Gleich drei neue Standorte will Amazon in Polen schaffen. Deutsche Mitarbeiter fürchten, dass Jobs verloren gehen. Schließlich verdienen die polnischen Angestellten nur etwa 600 Euro im Monat.

Von Klaus Brill, Warschau
  • Amazon will drei neue Versandlager in Polen eröffnen, von denen aus auch deutsche Kunde beliefert werden sollen. Der Händler will Tausende Mitarbeiter anstellen.
  • In Deutschland wächst die Sorge, dass hierzulande Arbeitsplätze gestrichen werden.

12 000 Jobs in Polen

Der weltgrößte Internet-Versand Amazon will schon in den kommenden Wochen drei neue Verteilerzentren in Polen eröffnen und von dort aus auch Kunden in Deutschland beliefern. Wie der Betriebsleiter der Firma für Mittel- und Osteuropa, Kerry Person, sagte, sollen an den neuen Standorten bei Posen und Breslau binnen drei Monaten rund 8 500 Beschäftigte eingestellt werden. Später könnte die Zahl der Arbeitsplätze auf 12 000 erhöht werden, einschließlich Saisonarbeitskräfte.

Als erstes der drei polnischen Logistik-Zentren, die jeweils um die 100 000 Quadratmeter Fläche umfassen, soll am 15. September die neue Filiale in Sady bei Posen den Betrieb aufnehmen. Für den 29. September ist die Eröffnung des Versandlagers in Bielany Wrocławskie südlich von Breslau geplant, und am 6. Oktober soll schließlich an einem zweiten Standort bei Breslau die Arbeit aufgenommen werden.

Nach Angaben von Betriebsdirektor Person entstehen in jeder der drei Filialen zwischen 500 und 2000 Dauerarbeitsplätze. Hinzu kommen unter Umständen jeweils bis zu 3500 temporäre Stellen während der Hochsaison des Versandgeschäfts vor Weihnachten, von Anfang Oktober bis Ende Dezember. Die Beschäftigten erhalten ein durchschnittliches Einkommen von etwa 2400 Złoty, das entspricht etwa 600 Euro - wesentlich weniger, als in Deutschland gezahlt wird.

Werden nun Arbeitsplätze verlagert?

Der Vorgang wirft in Deutschland die Frage auf, ob unter dem Eindruck der Streiks in den Amazon-Betrieben in Bad Hersfeld und Leipzig sowie der Auseinandersetzungen um die Geschäftspraktiken der Firma nun Arbeitsplätze verlagert werden sollen. Ein Amazon-Sprecher erklärte dazu auf SZ-Anfrage, es gebe keine Pläne, eines der bisher bereits bestehenden 25 Logistikzentren in der EU zu schließen. Zugleich bestätigte er Zeitungsberichte, denen zufolge deutsche Lieferanten von Amazon bereits gebeten wurden, einen Teil ihrer Lieferungen für den Versand an deutsche Empfänger künftig nach Posen oder Breslau bringen zu lassen.

Bald neues Versandzentrum in Tschechien

Die Lieferung über Grenzen hinweg wird nach Worten von Stefan Rupp, Public Relations Manager von Amazon Deutschland, im europäischen Logistiknetz "schon seit langem" praktiziert. Dieses Netz soll auch um ein neues Versandzentrum in Tschechien erweitert werden, mit dessen Bau in Dobroviz bei Prag bald begonnen werden soll. Eine weitere Filiale war auf einem Industriegelände in Brünn geplant, doch wehrten sich die Anlieger dagegen heftig, weil sie zunehmenden Lkw-Verkehr befürchteten. Auch die kommunalen Gremien sperrten sich, die Regierung in Prag sich schaltete sich ein.

Am Ende entschied Amazon im Juni, das Projekt in Brünn aufzugeben und einen neuen Standort in Mittel- und Osteuropa zu suchen. In Brünn sollten mit Investitionen von etwa 120 Millionen Euro 1500 Dauerarbeitsplätze geschaffen werden. In Tschechien und Polen gibt es bisher keine eigenen Verkaufsplattformen wie Amazon.de, allerdings werden Waren, die bei Amazon in Deutschland oder USA bestellt werden, auch in diese Länder geliefert.