Ex-Ministerpräsident in der Privatwirtschaft Der vielbeschäftigte Dr. Stoiber

Gerhard Schröder arbeitet für Gazprom, Joschka Fischer als Berater für BMW - und was macht Edmund Stoiber? Weitgehend unbeachtet ist auch Bayerns früherer Ministerpräsident ein gefragter Mann der Privatwirtschaft. Sein neuestes Engagement birgt Brisanz.

Von Malte Conradi

Zuletzt hatte man seinen Namen in der Öffentlichkeit gehört, als über angebliche Plagiate in der Doktorarbeit seiner Tochter diskutiert wurde. Am Freitag ging es dann endlich mal wieder um ihn selbst: Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, 69, übernimmt den Vorsitz eines neu gegründeten Beirats der Pro Sieben Sat1 Media AG. Das gab der Vorstandschef Thomas Ebeling auf der Hauptversammlung des Fernsehkonzerns bekannt. Der langjährige CSU-Politiker soll das Gremium aufbauen und fünf bis sechs weitere Mitglieder auswählen.

Die Berufung ist nicht ganz ohne Brisanz - Stoiber saß noch bis vor wenigen Monaten im Verwaltungsrat des ZDF. Und ausgerechnet die öffentlich-rechtliche Konkurrenz aus Mainz griff Ebeling am Freitag direkt an, als er über den "asymmetrischen Wettbewerb mit den öffentlich-rechtlichen Sendern" wetterte.

Der Privat-TV-Chef warf dem ZDF vor, dem eigenen Sender Sat1 mit öffentlichen Geldern die Champions-League-Rechte abgejagt zu haben - zu einem Preis, den kommerzielle Sender nicht aufbringen könnten. Mit dem Jugendkanal ZDF Neo greife das ZDF die privaten Sender direkt an, klagte der Manager.

Edmund Stoiber kann da womöglich helfen. Zwar soll der von ihm geführte Beirat die Pro-Sieben-Gruppe ausdrücklich in allen Bereichen der Unternehmenspolitik beraten - die Vermutung liegt indes nahe, dass der langjährige Ministerpräsident geholt wurde, um in der Auseinandersetzung mit den Öffentlich-Rechtlichen auf die Politik einzuwirken und um Stimmung für die Privatsender zu machen. Dabei dürften nicht nur Stoibers politische Kontakte, sondern auch sein Wissen aus 17 Jahren im Verwaltungsrat des ZDF von Vorteil sein.

Als Freund des Privatfunks galt Stoiber schon immer. Schließlich hat er sich schon als Staatskanzleichef unter Franz Josef Strauß selig mit dem Thema beschäftigt. Auch Pro Sieben hat er immer gestützt. Unvergessen, wie er 1999 mit dem damaligen Senderchef Georg Kofler und Ex-Eigentümer Leo Kirch den zehnten Geburtstag des Senders zelebrierte.

Als er im Herbst 2010 seinen Rückzug aus dem ZDF-Verwaltungsrat ankündigte, gab er den Öffentlich-Rechtlichen ein paar Unfreundlichkeiten mit auf dem Weg: Um das duale System aus privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern "lebensfähig" zu halten, dürften ARD und ZDF nicht weiter im Werbe-Reich der privaten Sender wildern, sagte Stoiber.

Stoiber ist gut beschäftigt in der Privatwirtschaft

Mit seiner Aufgabe als ehrenamtlicher Leiter einer EU-Arbeitsgruppe zum Bürokratieabbau erschien Stoiber lange Zeit als Ausnahme unter ehemaligen Spitzenpolitikern. Die Kollegen dagegen nahmen nach Ende ihrer Amtszeit oft lukrative Beratungs- und Aufsichtsratsposten an. Doch weitgehend unbeachtet ist auch Stoiber in der Privatwirtschaft inzwischen gut beschäftigt.

Nur wenige Wochen nach Übernahme seines EU-Amts im November 2007 wurde der CSU-Ehrenvorsitzende in den Aufsichtsrat der Nürnberger Versicherungsgruppe gewählt. Seit Ende 2009 ist Stoiber zudem Beiratsvorsitzender der Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte. Hinzu kommt ein Sitz im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München. Und nun der Posten bei Pro Sieben Sat1, dessen Vergütung der Medienkonzern nicht offen legte.

Edmund Stoiber, der rüstige Rentner, zeigt's allen - ganz nach dem Slogan des Senders, den er jetzt mitberät: "Sat1 zeigt's allen."

Von Ende September an muss Stoiber all diesen Aufgaben von einem neuen Büro aus nachgehen. Denn vier Jahre nach seinem Rückzug als Ministerpräsident endet sein Recht auf eine vom Freistaat gestellte Arbeitsstätte samt Mitarbeitern, Dienstwagen und Chauffeur. Seine Doppelhaushälfte in Wolfratshausen nutzt Stoiber offenbar ebenfalls für die Arbeit: Seit dem Winter ist das Anwesen bei der Rechtsanwaltskammer München als Kanzlei-Adresse angegeben.

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