Ex-Manager von Goldman Sachs Gericht verurteilt "Fabulous Fab"

Er gilt als Symbolfigur für die Überheblichkeit an der Wall Street, soll Investoren um Milliarden betrogen haben: Nun hat ein Gericht den ehemaligen Goldman-Sachs-Manager Fabrice Tourre für schuldig befunden. Bisher mussten sich kaum einzelne Banker für ihr Verhalten während der Finanzkrise verantworten.

Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise hat ein US-Gericht den ehemaligen Goldman-Sachs-Manager Fabrice Tourre für schuldig befunden. Die Geschworenen sahen es am Donnerstag als erwiesen an, dass der auch unter seinem Spitznamen "Fabulous Fab" bekannte Ex-Banker einen milliardenschweren Betrug begangen hat.

Tourre hat demnach Investoren irreführende Informationen über ein bestimmtes Anlageprodukt gegeben: Die Papiere verloren in der Folgezeit rasant an Wert, von einem Betrug in Höhe von einer Milliarde Dollar war die Rede. Das Strafmaß wird erst noch verkündet, dem ehemaligen Manager drohen eine Geldstrafe und ein Berufsverbot. Tourre wurde kurz nach der Finanzkrise zur Symbolfigur für die Überheblichkeit der Wall Street. In einer später veröffentlichten E-Mail an seine Freundin scherzte er, dass er Schrottpapiere auch an "Witwen und Waisen" verkauft habe. Im Verfahren bedauerte er diese Aussage.

Die Entscheidung des Gerichts stellt einen entscheidenden Sieg für die US-Börsenaufsicht SEC dar, die das Verfahren gegen den 34-Jährigen auf den Weg gebracht hatte. Zwar mussten sich bereits zahlreiche Banken für ihr Verhalten zu Zeiten der Finanzkrise verantworten, doch kaum einzelne Banker.

Exemplarisches Fehlverhalten

Tourre stand im Zentrum eines Falls, den Wall-Street-Kritiker als exemplarisch für Fehlverhalten der Bankenbranche im Vorfeld der Krise betrachten. Der Ex-Banker, der heute an einer US-Universität in Wirtschaft promoviert, hatte die Vorwürfe zum Prozessauftakt vor gut zwei Wochen zurückgewiesen.

Bei dem Prozess ging es konkret um den "Abacus"-Fall, in den Tourre verwickelt war: Der Hedgefonds Paulson & Co hatte für das Produkt zusammen mit Goldman Sachs zweitklassige Hypothekenpapiere ausgewählt und zugleich auf den Zusammenbruch des Marktes gewettet. Die Anleger widerum rechneten damit, dass die Häuserpreise in den USA weiter steigen und das ganze Paket damit an Wert gewinnt. Tatsächlich platzte die Blase jedoch kurz darauf und "Abacus" brach ein. Die Anleger hatten den Schaden.

Die Börsenaufsicht warf Goldman Sachs und dem verantwortlichen Banker Tourre vor, die Kunden beim Verkauf des Wertpapiers in die Irre geführt zu haben. Die Bank habe ihren Kunden verschwiegen, dass der mächtige Hedgefonds Paulson & Co. bei der Auswahl der enthaltenen Hypotheken mitgewirkt und auf ein Scheitern von "Abacus" gewettet habe. Nach Auffassung der SEC hätte Goldman den Interessenkonflikt den Käufern offenlegen müssen.

Auch eine deutsche Bank geschädigt

Zu den Geschädigten gehört auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB: Sie war eines der ersten Opfer der Finanzkrise, in deren Verlauf später die US-Investmentbank Lehman Brothers pleite ging. Die IKB verspekulierte sich am US-Hypothekenmarkt und musste vom deutschen Steuerzahler mit Milliarden gerettet werden.

In einem Zivilverfahren, das die SEC gegen Goldman Sachs eingeleitet hatte, war es zu einem Vergleich gekommen. Die Bank hatte 550 Millionen Dollar gezahlt, ohne eine Schuld anzuerkennen.