Er warf einer der mächtigsten Manager in der deutschen Medienbranche. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Untreue gegen Matthias Ruzicka erhoben. Der tiefe Fall eines Sunnyboys.
Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat gegen einen der einst mächtigsten Manager in der deutschen Werbebranche Anklage erhoben. Alexander Ruzicka, ehedem Geschäftsführer des Konzerns Aegis Media, und drei weitere Beschuldigte Anklage sollen beim Handel mit TV-Spots mehr als 50 Millionen Euro abgezweigt haben. Daraus könnte ein Musterprozess über fragwürdige Praktiken in der Medienbranche werden.
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Ruzicka, 46, leidenschaftlicher Jäger und Liebhaber teurer Autos, darf seit längerem nicht mehr zur Flinte greifen und selbst am Steuer sitzen.
Er sitzt seit Oktober vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft nach Angaben aus Justizkreisen beim Landgericht in Hessens Hauptstadt eine umfangreiche Anklageschrift gegen Ruzicka und drei Kompagnons wegen Veruntreuung von Firmenvermögen eingereicht. Das Gericht muss nun entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird.
Ursprünglich war von 30 Millionen Euro Schaden die Rede, die Ruzicka und seine Partner bei Aegis Media angerichtet hätten. Inzwischen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass mehr als 50 Millionen Euro beiseite geschafft worden seien. Ruzicka hat bei seinen Vernehmungen die Vorwürfe bestritten. Sein Anwalt wollte sich auf Anfrage nicht äußern.
Aegis Media zählt mit drei Milliarden Euro Jahresumsatz zu den führenden Unternehmen in der deutschen Werbebranche. Der in Wiesbaden ansässige Konzern platziert im Auftrag von Kunden aus Industrie und Wirtschaft Anzeigen und Spots in der Presse und im Fernsehen.
Ruzicka war als Geschäftsführer für Zentraleuropa und Afrika zuständig. Die Konzernführung von Aegis bemüht sich um Aufklärung und kooperiert mit der Staatsanwaltschaft.
Die Staatsanwaltschaft wirft Ruzicka und weiteren ehemaligen Aegis-Managern vor, sogenannte "Freispots" auf eigene Rechnung verkauft zu haben. TV-Sender wie Sat 1, RTL und Pro Sieben gewähren Mediaagenturen wie Aegis für die Vermittlung großer Aufträge Rabatte in Form von kostenlosen Werbezeiten.
Die Agenturen können diese Werbezeiten, die als "Freispots" bezeichnet werden, dann auf eigene Rechnung verkaufen oder für die Akquisition neuer Kunden nutzen.
Illegaler Verkauf von TV-Spots?
Die Staatsanwaltschaft will beweisen, dass Ruzicka und dessen Kompagnons solche Spots, die Aegis zugestanden hätten, über Tarnfirmen zu eigenen Gunsten vermarktet hätten.
Was der ehemalige Werbemanager und dessen Partner getrieben haben sollen, könnte Aufschluss geben über manche Praktiken in Teilen der Branche. Seit langem wird in der Medien- und Werbeszene geraunt, beim Handel mit TV-Spots gehe es nicht immer mit rechten Dingen zu.
Von "Kick backs" ist die Rede; von heimlichen Rückzahlungen, mit denen sich Sender und Mediaagenturen lukrative Aufträge sichern wollten. Die Staatsanwaltschaft hegt den Verdacht, frühere, inzwischen geschasste Mitarbeiter von Aegis könnten Geschäftspartner aus Industrie und Wirtschaft bestochen haben, um deren Werbeetats verwalten zu dürfen.
Es spreche viel dafür, dass beim illegalen Verkauf von TV-Spots einige Mittel als Schwarzgeld abgezweigt und anschließend für Schmiergeldzahlungen genutzt worden seien, da man solche Ausgaben nicht offiziell verbuchen könne. Das ist allerdings nicht Gegenstand der jetzt vorgelegten Anklage. Die Strafverfolger wollen entsprechenden Spuren aber nachgehen.
"Sollte es überhaupt solche Vorfälle gegeben haben, dann kämen als Beteiligte nur Ruzicka und seine Clique in Betracht", sagt Aegis-Anwalt Eckart C. Hild. Der Konzern habe unmittelbar nach der Durchsuchungsaktion der Staatsanwaltschaft im Fall Ruzicka im September 2006 die internen Richtlinien überprüft und die Mitarbeiter ausdrücklich darauf hingewiesen, dass "es nicht einmal ansatzweise zu illegalen Handlungen" kommen dürfe.
(SZ vom 27.07.2007)
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Alexander, Matthias oder doch Andreas ... ???
Oder doch alle Drei? ;-)