Mit dem Euro lassen sich die Preise international besser vergleichen. Zum Teil extreme Unterschiede.
(SZ vom 27.12.) - Schnäppchenjäger werden es im neuen Jahr leichter haben: Vom 1. Januar an sind die Preise für Waren und Dienstleistungen im gesamten Eurogebiet in einer einzigen Währung ausgezeichnet, und nationale Preisunterschiede fallen leicht ins Auge.
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Diese neue Transparenz eröffnet Käufern, die bereit sind, über die Staatsgrenzen zu fahren, sehr gute Möglichkeiten zum Sparen: Die Preisunterschiede, die zwischen den einzelnen Euro-Mitgliedsstaaten bestehen, sind nach wie vor groß.
Untersuchungen der Europäischen Kommission über die Preise für Unterhaltungselektronik und frische Lebensmittel zeigen, dass der Preis für einen Fernseher oder einen Videorekorder in einem Euro-Staat bis zu 45 Prozent höher sein kann als in einem anderen.
So kostet ein Fernseher, der in Athen für etwa 587 Euro zu haben ist, in Lissabon satte 1391 Euro. Bei Lebensmitteln reichen die Preisunterschiede sogar bis zum Dreifachen. Dabei ist kein Land für alle Produkte die billigste oder die teuerste Einkaufsadresse.
Tomaten beispielsweise werden in Deutschland für 115 Prozent, in Spanien für 58 Prozent des europäischen Durchschnittspreises angeboten. Der Preis für einen tragbaren CD-Player beträgt in Deutschland 79 Prozent, in Spanien jedoch 123 Prozent des europäischen Durchschnittspreises.
Sonderregelung bei Autos
Daran lässt sich auch erkennen, dass die unterschiedliche Höhe des Einkommensniveaus in den Mitgliedstaaten nicht der einzige Grund für die verschieden hohen Preise ist: Neben dem Einkommen bestimmen weitere Faktoren das Preisniveau - beispielsweise die Vorliebe für bestimmte Produkte und Markennamen, die sich bei den Konsumenten von Land zu Land unterscheidet.
Auch diverse Abgaben, die nur in einzelnen Ländern verlangt werden, sowie die verschieden hohen Mehrwertsteuersätze, die von 15 Prozent in Luxemburg bis zu 25 Prozent in Schweden reichen, sind für die Preisdifferenzen verantwortlich.
Grundsätzlich bezahlt jeder EU-Bürger die Mehrwertsteuer des Landes, in dem er einen Gegenstand oder eine Dienstleistung für private Zwecke erwirbt; Zollabgaben werden beim Überschreiten der Binnengrenzen nicht fällig.
Eine Sonderregelung besteht für Motorräder, Boote und Autos, die weniger als 6000 Kilometer gefahren sind und deren Inbetriebnahme noch keine sechs Monate zurückliegt: Diese Fahrzeuge können im Land der Wahl gekauft werden, die Mehrwertsteuer des Kauflandes wird aber vom Preis abgezogen und entfällt; dafür muss die Steuer im Zulassungsland bezahlt werden.
Der deutsche Fiskus erhebt mit 16 Prozent einen der europaweit niedrigsten Mehrwertsteuersätze. Da zudem die Herstellerpreise vor Steuern für Kraftfahrzeuge in Deutschland zu den höchsten zählen, ist der Neuwagenkauf in bestimmten europäischen Ländern für Deutsche besonders vorteilhaft (Tabelle).
Taktik der Produzenten
In Griechenland, Finnland, Spanien, den Niederlanden und Dänemark - letzteres nimmt allerdings nicht an der Währungsunion teil - sind die Neuwagenpreise vor Steuern besonders günstig.
Dies ist unter anderem auf die Preispolitik der Hersteller zurückzuführen: Wegen der hohen Abgaben, die in diesen Ländern bei der Zulassung eines Fahrzeugs anfallen, setzen die meisten Hersteller ihre Listenpreise niedrig an, um erschwingliche Endpreise anbieten zu können.
Eine Untersuchung der Europäischen Kommission vom Mai 2001 stellt für den Neuwagenkauf Preisunterschiede vor Steuern bis zu 50 Prozent fest. Der Import funktioniert weitgehend unproblematisch, da in der Europäischen Union hergestellte Kraftfahrzeuge in jedem Mitgliedsland ohne weitere technische Prüfung zugelassen werden.
Manche heimischen Reparaturwerkstätten allerdings lassen sich - aus Protest - mit der Reparatur besonders lange Zeit, wenn das Auto billig im Ausland erworben wurde.
Wie groß ist der Preisdruck?
Noch sind sich die Fachleute nicht einig darüber, in welchem Ausmaß die neue Preistransparenz zu einem Anstieg der Einkäufe jenseits der eigenen Grenze führen wird. Aus diesem Grund gibt es auch noch keine Antwort auf die Frage, wie groß der Druck auf die Hersteller sein wird, ihre Preise in der Euro-Zone anzugleichen.
Noch lassen sich viele Menschen von einem Kauf jenseits ihrer heimischen Grenzen abschrecken, da sie Reisekosten, Sprachprobleme, Schwierigkeiten bei einer eventuell nötigen Reklamation sowie die noch immer hohen Kosten für Auslandsüberweisungen fürchten.
Langfristig erwartet Anke de Villepin, Sprecherin der Euro-Verbraucherberatung in Kehl, jedoch eine Zunahme der grenzüberschreitenden Einkäufe - vor allem, wenn vom Juli 2003 an Auslandsüberweisungen nur noch so viel kosten dürfen wie die Überweisung im Inland.
Nicht alle ändern Preispolitik
Eine Sprecherin des Möbelherstellers Ikea, dessen Preise sich von Land zu Land stark unterscheiden, sagte, Ikea werde seine Preispolitik nicht ändern. Man werde an der Erfolgsstrategie festhalten, in jedem Land der billigste Möbelanbieter zu sein und sich deshalb weiterhin am jeweils zweitgünstigsten Anbieter orientieren. Es bleibt also vorerst offen, ob Schnäppchenjäger sich beeilen sollten.
Drogeriekette wird abgewickelt