Europäische Zentralbank EZB beharrt auf Niedrig-Leitzins

EZB-Chef Mario Draghi: Am Zins ändert er nichts.

(Foto: Bloomberg)
  • Der EZB-Rat beschließt, den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent zu belassen.
  • Die Notenbank versucht, mit mehr als einer Billion Euro bis September 2016 die Konjunktur anzukurbeln. "Wenn nötig", könne sie das Programm ausweiten, sagte EZB-Chef Draghi.

Zinsentscheid in Frankfurt

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer Politik der extrem niedrigen Zinsen fest. Wie erwartet beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt, den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent zu belassen. Das teilte die Notenbank mit.

Damit bleibt Zentralbankgeld für Geschäftsbanken extrem günstig. Seit März versuchen die Währungshüter, die Konjunktur und den Preisauftrieb zusätzlich mit einem gewaltigen Kaufprogramm anzuschieben: Monatlich 60 Milliarden Euro sollen in Staatsanleihen und andere Vermögenswerte investiert werden, insgesamt 1,1 Billionen Euro bis September 2016. Auf einer Pressekonferenz sagte EZB-Chef Mario Draghi heute, auch darüber hinaus könne noch Geld fließen, "wenn es nötig ist". Eine sofortige Lockerung der EZB-Geldpolitik sei allerdings derzeit kein Thema.

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Bis zum 28. August hat die EZB in diesem Rahmen bereits Staatsanleihen im Gesamtvolumen von rund 289,5 Milliarden Euro erworben. Das frische Geld kommt im Idealfall über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an. Das soll Investitionen und Konsum anschieben und so die Konjunktur in Schwung bringen und die Inflation anheizen.

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Zugleich senkte die EZB ihre Prognose für die Inflationsrate der Euro-Zone in diesem Jahr von 0,3 auf 0,1 Prozent. "Wir könnten in den nächsten Monaten negative Inflationszahlen sehen", sagte Draghi. Ob dies bereits eine Deflation sei, also ein ein konjunkturschädliches Sinken der Preise, ließ er offen. Nach Einschätzung des EZB-Rats handele es sich dabei aber eher um vorrübergehende Effekte, die durch den niedrigen Ölpreis verursacht wurden.

Trotz schwacher Weltkonjunktur rechnet die Zentralbank mit einem leichten Aufschwung in der Euro-Zone. Allerdings habe sich die Wirtschaft in einigen Schwellenländern abgekühlt. Deshalb dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Euro-Raum in diesem Jahr nur noch um 1,4 Prozent zulegen, in den nächsten Jahren soll dieser Wert wieder steigen.