Europäische Standorte in Gefahr Opel braucht schnell Geld

General Motors setzt die Regierungen unter Druck: Anfang April gehe der Europatochter das Kapital aus. Deren Chef Forster warnt bereits: "Wir haben drei Werke zu viel."

Von C. Busse, M. Kuntz und U. Schäfer

Die Lage bei Opel wird immer bedrohlicher. Carl-Peter Forster, Europa-Chef des US-Konzerns General Motors, sagte am Dienstag in Genf, Opel habe in Europa drei Werke zu viel. Der Vizechef von General Motors (GM), Fritz Henderson, warnte, der Europatochter des Autobauers könne schon Anfang April das Geld ausgehen.

GM erhöht den Druck auf die Beschäftigten. Derzeit hätte der Konzern deutliche Überkapazitäten, sagt Europachef Forster (im Bild die Opel-Produktion in Eisenach).

(Foto: Foto: AP)

"Jeder Tag zählt", sagt Henderson vor Journalisten auf dem Genfer Autosalon. GM Europe drohe "ein Zusammenbruch der Liquidität", wenn die europäischen Regierungen dem Unternehmen nicht ausreichende Hilfen gewährten. "Wir versuchen, am Leben zu bleiben. Aber es gibt keine Garantie dafür, dass wir am Leben bleiben", sagte Henderson.

Erhöhter Druck

General Motors befindet sich nicht nur in Gesprächen mit der Bundesregierung, sondern verhandelt auch mit den Regierungen in Großbritannien, Spanien, Polen und anderen Staaten über mögliche Hilfen für seine Autofabriken. In Spanien hat die zuständige Provinzregierung sich bereit erklärt, Hilfen von 200 Millionen Euro bereit zustellen.

Der Europa-Chef von General Motors, Carl-Peter Forster, forderte ebenfalls eine schnelle Entscheidung der Politik: "Wir brauchen Unterstützung von der deutschen Regierung. Wir haben keine Reserven. Diese Krise ist zu tief, um sie ohne Hilfe zu überstehen." Zugleich sei es notwendig, dass alle Staaten in Europa, in denen GM Standorte hat, sich die Kosten der Sanierung teilen. "Die britische Regierung kann nicht erwarten, dass die deutsche Regierung die Last ganz allein trägt", so Forster.

GM erhöhte damit den Druck auf die Bundesregierung, aber auch auf die anderen europäischen Länder, in denen der Konzern Werke hat. Am Tag zuvor waren die Opel-Spitze in Berlin mit dem Wunsch abgeblitzt, dass die Bundesregierung dem Unternehmen schnell mit bis zu 3,3 Milliarden Euro beispringt. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte nach dem Gespräch mitgeteilt, die Regierung werde sich bei der Prüfung, ob Opel staatliches Geld erhält, genug Zeit lassen.

Harte Einschnitte

Am Dienstag verlautete aus Regierungskreisen, es könne mehrere Wochen dauern, bis die Regierung über das 184-seitige Sanierungskonzept entscheiden werde. Vor allem Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) mahnt zur Vorsicht: "Es macht keinen Sinn, dass wir Opel Geld zur Verfügung stellen, das möglicherweise ganz irgendwo anders landet, nämlich in den USA."

Die Manager von GM mahnen dagegen zur Eile. Man wisse heute mehr über die Krise als vor drei Monaten, und daher sei es sehr unwahrscheinlich, dass General Motors - wie in den Vereinigten Staten - ständig mit neuen Forderungen an die Regierung herantreten müsse. Man werde nur Tage brauchen, allenfalls wenige Wochen, um alle Fragen der deutschen Regierung zu beantworten, heißt es. GM hat in den USA bereits Hilfen in Milliardenhöhe erhalten.

Henderson und Forster machten aber auch deutlich, dass die Krise des Autobauers nur dann überwunden werden kann, wenn die Beschäftigten zu harten Einschnitten bereit sind. Derzeit haben Opel und die Schwestermarke Vauxhall Überkapazitäten von 30 Prozent und damit drei Werke mehr als benötigt, sagt Forster, der zuvor lange Opel-Chef war. Die beste Lösung wäre daher, ganze Anlagen zu schließen.

GM: Kampf um Finanzhilfen

Allerdings werden Forster zufolge auch Alternativen erwogen, um die Kapazitäten zu reduzieren. Opel beschäftigt in den deutschen Werken Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern gut 25.000 Mitarbeiter. Daneben gehören zum Europageschäft von GM Werke im belgischen Antwerpen, in Großbritannien (Vauxhall), Schweden (Saab) und Spanien. Insgesamt beschäftigt Opel in Europa 55.000 Mitarbeitern. Forster mahnt die Arbeitnehmer, sie sollten zu Opfern bereit sein, um Werksschließungen zu vermeiden. Derzeit sei nicht sicher, ob die Beschäftigten dazu bereit seien.

GM ist mittlerweile bereit, eine Mehrheit an seiner deutschen Tochter zu verkaufen. Das sei ein Teil der Bemühungen, um Finanzhilfen von den europäischen Regierungen zu erhalten, sagte Henderson. Bisher habe der Konzern aus Detroit noch nicht nach möglichen Käufern gesucht. Vorrang hätten derzeit die Bemühungen um Hilfen der Regierungen.

Opel-Chef Hans Demant erklärte, er wolle den Autobauer in eine Aktiengesellschaft umwandeln und so von General Motors abgrenzen. Er sei davon überzeugt, dass "Opel weitere 100 Jahre bestehen und in Deutschland Autos bauen wird", sagte Demant der Deutschen Welle. Das Rettungskonzept, das Opel in Berlin vorgelegt hat, sehe die Gründung einer solchen Aktiengesellschaft vor.

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