Finstere Aussichten: Europa ächzt unter dem drastischen Konjunkturabschwung - und im kommenden Jahr soll sich die Lage sogar noch zuspitzen.

Angst und Sorge macht sich breit. Nicht nur Deutschland ist von dem Konjunktureinbruch massiv belastet, auch in anderen europäischen Ländern ist die wirtschaftliche Lage beängstigend. Besonders schlimm trifft es Irland. Der Inselstaat steht vor der schärfsten Rezession seit rund 60 Jahren. Das Finanzministerium bestätigte, dass die Wirtschaft des Landes 2009 zwischen drei und vier Prozent schrumpfen dürfte. Damit schraubte Finanzminister Brian Lenihan seine Einschätzung deutlich zurück. Im Oktober hatte er nur einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,75 Prozent vorhergesagt. "Wir haben in Irland noch nie ein Schrumpfen von vier Prozent gehabt", sagte Dermot O'Leary, Chefvolkswirt bei Goodbody Stockbrokers.

Zahlen, die Angst machen: In zahlreichen Ländern geben die wirtschaftlichen Daten Grund zur Sorge. (© Foto: ddp)

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Wegen des Platzens der Immobilienblase kämpft Irland schon länger als andere Länder der Euro-Zone gegen den Abschwung. Noch Ende der 90er Jahre galt der "keltische Tiger" mit zweistelligen Wachstumsraten als Vorzeigekandidat.

Russland: Wirtschaft in der Rezession

Auch in Russland stoppt die Finanzkrise den jahrelang anhaltenden Aufschwung. Erstmals seit zehn Jahren ist die russische Wirtschaft wieder in die Rezession gefallen. "Sie hat bereits begonnen", sagte der stellvertretende Wirtschaftsminister Andrej Klepach - und erteilte einem verfrühten Optimismus eine deutliche Absage: "Ich fürchte, sie wird in den nächsten zwei Quartalen nicht vorüber sein."

Seit 1998 war die russische Wirtschaft kontinuierlich gewachsen. Sie profitierte dabei von steigenden Preisen für Rohöl, dem Exportschlager Nummer Eins aus Russland. Wegen des weltweiten Abschwungs und des damit einhergehenden Nachfragerückgangs sind die Ölpreise aber um mehr als 70 Prozent gefallen.

Massive Probleme in Island

Noch im dritten Quartal war Russlands Wirtschaft um 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen. Das allerdings war bereits das geringste Plus seit mehr als drei Jahren. Experten gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt sowohl im Schlussquartal als auch im ersten Quartal 2009 schrumpfen wird. Für das gesamte Jahr 2008 erwartet die Regierung bislang noch ein Wachstum von 6,8 Prozent. Es werde voraussichtlich aber schwächer ausfallen, sagte der stellvertretende Wirtschaftsminister Klepach.

Massive Probleme hat auch Island. Dort ist die Wirtschaft im dritten Quartal nach dem Kollaps des Bankensystems regelrecht eingebrochen. Die Wirtschaftsleistung sank im Vergleich zum Frühjahr um 3,4 Prozent, teilte das Statistikamt mit. Verglichen mit dem Vorjahr lag das Minus bei 0,8 Prozent. Im zweiten Quartal hatte die Wirtschaft der Nordatlantikinsel noch um 4,7 Prozent zum Vorquartal und um 4,8 Prozent auf Jahressicht zugelegt.

Island hatte in den vergangenen Jahren von einem massiv angewachsenen Bankensektor profitiert. Im Zuge der Finanzkrise brachen jedoch die Geschäfte der größten isländischen Kreditinstitute ein. Das brachte das Land an den Rand des Staatsbankrotts. Inzwischen wurden die Banken verstaatlicht. Island musste mit milliardenschweren Krediten des Internationalen Währungsfonds und der nordischen Länder gerettet werden.

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(sueddeutsche.de/Reuters/tob/hgn)