Europa in der Krise Wirtschaftsweiser Feld warnt vor neuen Turbulenzen

Viel Geld fließt nach Griechenland. Ist nun alles gut? Nein - der Wirtschaftsweise Lars Feld geht jedenfalls davon aus, dass es im Herbst "neue Nervositäten" geben könnte.

Der Freiburger Wirtschaftsweise Lars Feld warnt vor einer Zuspitzung der Staatsschuldenkrise im Euro-Raum. "Die Turbulenzen an den Finanzmärkten sind vermutlich nicht vorbei", sagte Feld der Süddeutschen Zeitung (Dienstagsausgabe). "Wir werden im Herbst neue Nervositäten erleben. Ich erwarte, dass die Zweifel der Märkte spätestens im September zurückkommen."

Investoren würden hinterfragen, "ob die Hilfen für Griechenland ausreichen und ob andere Länder genügend fiskalpolitische Disziplin üben", sagte Feld weiter.

Der Leiter des Freiburger Walter-Eucken-Instituts gehört seit 1. März dem Sachverständigenrat der Bundesregierung an und zählt damit zu den einflussreichsten Wirtschaftsberatern von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Dem Spitzenökonom zufolge zeichnet sich ab, dass der jüngste Gipfel noch keinen Durchbruch bei der Bekämpfung der Schuldenkrise gebracht hat.

"Das Paket für Griechenland reicht nicht aus, um das Land in eine stabile Finanzlage zu versetzen", sagte Feld und forderte einen durchgreifenden Schuldenerlass: "Es muss ein größerer Schuldenschnitt kommen, der private Gläubiger stärker beteiligt."

Sie sollen dem Rettungspaket zufolge bislang freiwillig nur auf 20 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

"Private Gläubiger bekommen 80 Prozent ihres Nennwertes, obwohl die Papiere am Markt nur noch 50 Prozent wert sind. Damit werden Spekulanten belohnt und subventioniert", kritisierte Feld.