Euro-Krise Schäuble und Tsipras reißen alte Wunden auf

Der IWF muss sich an Griechenland-Hilfen beteiligen, meint Schäuble.

(Foto: Ruben Sprich/Reuters)

Im Schweizer Bergdorf Davos treffen alle Beteiligten der Griechenland-Krise aufeinander. Sofort wird wieder diskutiert.

Von Bastian Brinkmann, Davos

Immer wieder wird diese Frage gestellt. Mal im griechischen Parlament, mal von Ministerpräsident Alexis Tsipras im Abendfernsehen - und eben nun wieder vom Moderator einer Podiumsdiskussion auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos: Warum muss sich die griechische Regierung mit dem Internationalen Währungsfonds rumschlagen, dem scharfen Aufpasser aus Washington? Könnten sich nicht die Europäer unter sich zusammenraufen und diese Griechenland-Krise endlich ohne den IWF regeln? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ließ den Moderator in Davos gar nicht ausreden. "Nein", rief Schäuble und schüttelte den Kopf. Er zeigte ins Publikum, da saß Christine Lagarde, die IWF-Chefin, was sie nach Schäubles Willen auch bleiben soll.

Zu Beginn der Euro-Krise war Lagarde Finanzministerin in Frankreich. Damals waren sie beide nicht dafür, den IWF am Griechenlandpaket zu beteiligen, erzählt Schäuble. Entschieden habe das Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Und sie hatte recht", sagt Schäuble. "Das ist ja immer so, dass Regierungschefs recht haben." Finanzminister hätten nur recht, wenn sie das gleiche wie ihre Chefs sagen würden.

"Keine Snobs"

Alexis Tsipras ist so ein Chef - und er sieht die Sache ein bisschen anders. Tsipras saß neben Schäuble auf dem Podium und ließ sich die Sätze des Finanzministers ins Griechische übersetzen. Die Beteiligung des IWF zu hinterfragen, das müsse doch wohl erlaubt sein. "Wir sind deswegen doch keine Snobs", sagte er. Aber okay, nach langer Debatte habe man sich ja geeinigt: Der IWF bleibt dabei, dem habe Athen zugestimmt. Tsipras schob aber noch nach, dass es zwischen den beteiligten Institutionen immer wieder Meinungsverschiedenheiten gebe, wie es nun weitergehen soll. Das mache die Sache nicht einfacher, so die Botschaft, wenn Europäische Zentralbank, EU-Kommission, die Euro-Finanzminister und eben der IWF mitreden und Kompromissen zustimmen müssen.

Im Schweizer Bergdorf Davos treffen alle Beteiligten der Griechenland-Krise aufeinander. Athen und die Gläubiger streiten derzeit vor allem darüber, wie stark die Regierung die Renten kürzen muss. Tsipras und seine Syriza-Minister wollen nur die künftigen Renten kürzen, die bestehenden Zahlungen dagegen einfrieren und nicht erneut senken. Damit das klappt, müssten zudem die Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern steigen. Das würde allerdings die Arbeitskosten in Griechenland erhöhen - besonders der IWF sieht das überhaupt nicht gerne.

Im Wall Street Journal platzierte die griechische Regierung vor Beginn der Konferenz eine Botschaft an die Gläubiger: Die Verhandlungen würden hart, zitiert ein Artikel griechische Regierungsquellen. "Ein Sturm zieht auf", sagte ein ranghoher Beamter.

Damit Griechenland weitere Notkredite bekommt, muss der IWF zwingend dabei bleiben, betonte Schäuble. Sollte das geändert werden, müsste er wieder zum Bundestag gehen und neu abstimmen lassen - und das gehe gar nicht, sagte Schäuble. "Jeder würde mich fragen, ob ich verrückt geworden bin. Ich würde mit einer brennenden Kerze in einen Raum voll Dynamit gehen."

Tsipras erwiderte, er sei natürlich nicht dafür, eine brennende Kerze in einen solchen Raum zu tragen. Stattdessen müsse man das Dynamit loswerden - und dann die Kerze anzünden.

Wenn es um die Flüchtlinge geht, näherten sich der Ministerpräsident und der Finanzminister rhetorisch an. Schäuble forderte "Solidarität mit denjenigen Ländern, die Außengrenzen haben". Milliarden Euro müssten in die Herkunftsregionen der Asylsuchenden fließen, um den Druck auf die EU-Außengrenze zu senken, sagte er. Das Wort Marshallplan mag Schäuble dafür eigentlich nicht benutzen. "Aber von mir aus nennen wir es so." Das Ganze müsse schnell passieren, er habe den anderen europäischen Finanzministern schon öfter vorgeschlagen, als Koalition der Willigen direkt loszulegen. Deutschland sei in der Lage, mehr Geld auszugeben. "Wir haben mehr finanziellen Spielraum als die anderen, das ist wahr."