Euro-Krise Gefährliches Spiel in Spanien

Weiß Spaniens Regierung noch, was sie tut? Wenn sie erst vorgibt, sie würde allein mit ihren Problemen fertig werden, um dann einer direkten europäischen Kapitalspritze für ihre Banken das Wort zu reden, dann kommen Zweifel. Doch die Einsicht in Madrid kommt wohl nicht zu spät: Möglicherweise kann jetzt der Dominoeffekt gestoppt werden, vor dem Europa die größte Angst hat.

Ein Kommentar von Martin Winter, Brüssel

Ohne Vertrauen lässt sich der Euro nicht retten. Alle Hilfsinstrumente und Rettungsfonds verlieren ihre Wirkung, wenn die Menschen und die Märkte fürchten müssen, dass Regeln, die zwischen den Ländern mit der gemeinsamen Währung verabredet wurden, verbogen, missachtet oder zu zögerlich eingesetzt werden. Mit dem unverständlichen Hin und Her um die Rettung seiner unter faulen Hypothekenlasten strauchelnden Banken hat Spanien sich und der Europäischen Union geschadet. Die Märkte sind nervös wie lange nicht mehr, und unter den Europäern schwindet das Vertrauen in das Unternehmen Euro.

Nun ist das gewiss nicht allein Spaniens Schuld. Eine Rolle spielen dabei auch die Unwägbarkeiten der bevorstehenden Wahl in Griechenland sowie die Unsicherheit über den künftigen Kurs des neuen französischen Präsidenten - wenn der erst einmal die Parlamentswahlen hinter sich hat, in denen er seine Macht konsolidieren zu können hofft.

Nur Notbehelfe

Aber wenn die Regierung Spaniens, der viertgrößten Volkswirtschaft in der Euro-Zone, erst so tut, als würde sie allein mit den Problemen fertigwerden, um dann einer direkten europäischen Kapitalspritze für seine Banken das Wort zu reden, dann beschleichen einen Zweifel, ob diese Leute noch wissen, was sie tun. Mit einer direkten Kapitalspritze wären die Regeln des Rettungsfonds gebrochen worden. Es ist schon verrückt, wenn ein Land, das unter der Knute der Finanzmärkte steht, gegen eine europäische Rettung nach den dafür vorgesehenen Regeln ins Feld führt, eine stolze Nation zu sein, die sich Vorgaben von außen nicht unterwerfen werde.

Das Vertrauen der Welt war anfangs nicht sehr groß, dass die Europäer mit der Krise fertigwerden. Aber mit dem Fiskalpakt, mit der Reform der Stabilitäts- und Wachstumspolitik und mit dem Rettungsfonds konnte das Vertrauen verbessert werden. Diese Instrumente mögen nur Notbehelfe sein und nur das Schlimmste verhindern können. Aber die EU hat keine anderen und darum muss pfleglich mit ihnen umgegangen werden.

Nun hat Madrid sich dem Druck seiner Partner gebeugt und spielt nach den gemeinsamen Regeln. Spanien schlüpft um seiner Banken willen unter den Rettungsschirm.

Das kommt zwar spät, aber wohl nicht zu spät. Möglicherweise kann jetzt der Dominoeffekt gestoppt werden, vor dem Europa die größte Angst hat: Dass nämlich Spanien Italien mit sich reißt und sich der Rest der Euro-Zone dann auch nicht mehr aufrechthalten kann. Es gibt aber noch einen zweiten Dominoeffekt, der mindestens genauso gefährlich ist: Wenn für ein Land von den verabredeten Regeln abgewichen wird, dann kann man das dem zweiten und dritten nicht mehr verwehren. Der Glaube in die Kraft Europas wäre dann schnell dahin, die Krise überwinden zu können.

Im Fall Spaniens konnte das abgewehrt werden. In Griechenland steht Europa der nächste Test bevor.