Euribor-Skandal Vier Ex-Investmentbanker der Deutschen Bank per Haftbefehl gesucht

Vier ehemalige Investmentbanker der Deutschen Bank werden per Haftbefehl gesucht - ein weiterer Angeklagter ist noch immer bei dem Geldinstitut beschäftigt.

(Foto: AP)
  • Vier ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank und ein früherer Händler der französischen Société Générale werden seit Freitag per Haftbefehl gesucht.
  • Sie gehören zu einer Gruppe Banker, gegen die im kommenden Jahr ein Prozess wegen gemeinschaftlichen Betrugs eröffnet werden soll.
  • Sie sollen über Jahre zum eigenen Vorteil am Interbanken-Zinssatz Euribor geschraubt haben.

Im Skandal um manipulierte Zinssätze werden vier ehemalige Investmentbanker der Deutschen Bank per Haftbefehl gesucht. Das für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität zuständige britische Serious Fraud Office (SFO) erwirkte am Freitag Europäische Haftbefehle gegen die Ex-Manager. Gefahndet wird auch nach einem früheren Händler der französischen Société Générale. Sie alle waren bei der Eröffnung der Anklage auf gemeinschaftlichen Betrug im Januar nicht vor dem Londoner Gericht erschienen.

Insgesamt sollen sich in London elf Banker im weltweit ersten Verfahren verantworten, in dem es um Manipulationen am europäischen Referenzzinssatz Euribor geht.

Einer der Angeklagten ist noch immer bei der Deutschen Bank beschäftigt

Der prominenteste Angeklagte im Fall, Christian Bittar, kommt von der Deutschen Bank. Der Franzose ist vor allem dadurch bekannt, dass er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte des Geldinstituts zugesprochen bekam. Er war im Januar vor dem Gericht erschienen, seine Anwälte haben die Vorwürfe jedoch zurückgewiesen. Ein weiterer Angeklagter ist noch immer bei der Deutschen Bank beschäftigt, die übrigen vier Händler sind ehemalige Mitarbeiter des britischen Bankhauses Barclays.

Der Prozess soll am 4. September 2017 beginnen und dürfte sich über drei Monate hinziehen. Die Banker sollen von 2005 bis 2009 zum eigenen Vorteil am Euribor geschraubt haben. Von solchen Interbanken-Zinssätzen hängen Geschäfte und Verträge mit einem dreistelligen Billionen-Volumen ab. Angestrengt worden waren die Ermittlungen vom SFO, das als unabhängige Abteilung der britischen Regierung nur dem Generalstaatsanwalt unterstellt ist.

Die Deutsche Bank hatte wegen der Manipulation des Euribor 2,5 Milliarden Dollar gezahlt. Insgesamt haben Banken weltweit rund neun Milliarden Dollar aufgebracht, um die Verfahren wegen Zinsmanipulationen gegen sie beizulegen. Gleichzeitig laufen Prozesse gegen 30 Einzelpersonen.

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