Der Ex-Chef des Modelabels Hugo Boss, Bruno Sälzer, steht offenbar vor einem Wechsel zu Escada. Er passt so gar nicht zur madamigen Damenmode.
Bruno Sälzer an die Spitze von Escada? Das klingt ungefähr so, als wechselte Puma-Chef Jochen Zeitz in die Geschäftsführung des Schweizer Elegantschuh-Herstellers Bally. Ausgerechnet Sälzer, der den Modekonzern Hugo Boss vom graumäusigen Manageruniform-Schneider zur coolen Lifestyle-Marke ummodelte, soll sich mit dem madamigen Label Escada mitsamt seinem altbackenen Goldknopf-Image anfreunden können? Andererseits: Wer wenn nicht Sälzer könnte einen Hauch jenes "Spirits von Metzingen'', den er so gern beschwor, auch in München zur Entfaltung bringen?
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Noch stehen jede Menge Fragezeichen hinter der Personalspekulation, die natürlich keiner der Beteiligten offiziell bestätigen will. Aber Sinn ergäbe es schon, dass der Finanzinvestor Apax groß in den krisengeplagten Münchner Modekonzern einsteigen möchte, dessen Aktien gerade billigst zu kaufen sind, und einen maßgeschneiderten Aufräumer gleich mitbringt. Praktischerweise ist Sälzer von Juli an wieder zu haben, nachdem er sich mit dem Finanzinvestor Permira überworfen und Mitte Februar seinen Job in Metzingen quittiert hat.
Die neuen Mehrheitseigentümer, denen seit vergangenem Herbst 90 Prozent am Metzinger Modekonzern gehören, haben sich erst einmal eine dicke Sonderdividende von 350 Millionen Euro gesichert, was Sälzer nicht behagte. Im Übrigen "stimmte die Chemie'' einfach nicht zwischen dem Boss von Boss und Permira. Mag sein, dass die "Heuschrecken'' von Apax für Sälzer chemisch weniger bedenklich sind.
Nüchterner Analytiker
Der 50-jährige Schwabe Sälzer ist nicht nur ehemaliger Karatemeister und nach wie vor bekennender Langstreckenläufer: "Ich renne nur auf Zeit.'' Ausdauer zeigte er auch in seinem Managerjob an der Spitze von Hugo Boss, den er sechs Jahre lang innehatte. Er baute die 2001 eingeführte Damenkollektion vom anfänglichen Flop zum erfolgreichen Umsatz- und Gewinnbringer um, trennte sich von der wenig lukrativen Luxusmarke Baldessarini und sorgte mit dem Angebot von Accessoires wie Schuhen, Taschen und Schmuck für schwungvolle neue Geschäfte. So stieg der Umsatz des Modekonzerns mit 6000 Mitarbeitern von einer Milliarde in Bruno Sälzers erstem Boss-Jahr auf 1,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.
Sälzer, dem studierten Betriebswirt, eilt der Ruf des nüchternen Zahlenmenschen voraus, der mit Rohertragsmargen und Ebit-Kennziffern geradezu lustvoll jongliert. Wohl nicht zufällig belegte er mit gerade mal zwei weiteren Kommilitonen im Hauptstudium die "Theorie stochastischer Prozesse'', die mathematische Beschreibung von zeitlich geordneten, zufälligen Vorgängen.
Zeitlich geordnet und zufällig stünde Sälzer also nun schon parat, sollte einem neuen Escada-Großaktionär der Sinn nach einem Management-Austausch stehen. Allerdings müsste sich Sälzer dann marketingtechnisch etwas Neues einfallen lassen. Seit Jahren trug der Boss von Boss demonstrativ nur die firmeneigene Ware am Leib. Das wird bei Escada schon mal nicht funktionieren: Die Münchner machen ausschließlich Damenmode.
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(SZ vom 27.3.2008/jkf)