Erweiterung der Wasserstraße Ägypten will Suezkanal ausbauen

Der mehr als 160 Kilometer lange Suezkanal zwischen Rotem Meer und Mittelmeer wurde bereits 1869 eröffnet. Gebaut wurde er vom Franzosen Ferdinand de Lesseps

(Foto: Bloomberg)

Die ägyptischen Behörden haben einen Ausbau des Suezkanals angekündigt. Die neue Passage soll den Kanal entlasten. Das vier Milliarden Dollar teure Vorhaben will das nordafrikanische Land alleine stemmen - in Höchstgeschwindigkeit.

  • Die ägyptischen Behörden wollen den Suezkanal auf 72 Kilometern Länge durch eine neue Trasse entlasten.
  • Ägypten will das vier Milliarden Dollar teure Mammutprojekt im Alleingang stemmen.
  • Die Behörden erwarten eine Million neue Arbeitsplätze.

Drei Jahre Bauzeit für 72 Kilometer

Ägypten will in einem riesigen Bauprojekt den Suezkanal erweitern. Geplant ist der Bau einer zweiten, kleineren Wasserstraße parallel zur bereits existierenden Route. Der neue Kanal soll mit einer Länge von 72 Kilometern den 163 Kilometer langen Hauptkanal entlasten. Das sagte ein Mitglied der Suezkanal-Behörde in Anwesenheit des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi in der Hafenstadt Ismailia mit.

Demnach soll die Route auf 37 Kilometern eine Erweiterung des bestehenden Kanals zwischen Rotem Meer und Mittelmeer sein. Die restlichen 35 Kilometer werden demnach komplett neu ausgehoben.

Der Bau solle nach Schätzungen vier Milliarden Dollar (knapp drei Milliarden Euro) kosten und in drei Jahren realisiert werden. Ägyptens Präsident wünsche sich sogar eine Fertigstellung binnen eines Jahres, berichtete die Nachrichtenseite Al-Masry al-Youm.

Ägypter sensibel bei ausländischen Beteiligungen

Al-Sisi betonte nun bei der Vorstellung des neuen Bauvorhabens, die Finanzierung solle allein mit ägyptischen Mitteln erfolgen. "Die Ägypter sind sehr sensibel, was ausländische Beteiligungen angeht", zitiert ihn Al-Masry al-Youm. Am Projekt seien 17 Firmen beteiligt, die al-Sisi unter die Aufsicht des ägyptischen Militärs stellt.

Oh, wie teuer ist Panama!

Zum hundertsten Geburtstag gibt es Ärger: Der Panamakanal, wichtige Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik, hat Probleme. Baufirmen wollen Hunderte Millionen, Streiks drohen - und ein weiteres Land plant einen eigenen Durchstoß durch den Kontinent. Von Peter Burghardt, Buenos Aires, und Thomas Urban, Madrid mehr ...

Erst im vergangenen Jahr hatte der mittlerweile gestürzte Präsident Mohammed Mursi einen Ausbau des Suezkanals vorgestellt. Das Vorhaben geriet jedoch in die Kritik, als Pläne öffentlich wurden, nach denen Katar die Finanzierung federführend übernehmen sollte.

Das Projekt wird - ähnlich wie beim geplanten Bau eines neuen Kanals zwischen Atlantik und Pazifik quer durch Nicaragua - durch weitere Entwicklungsprogramme wie den Bau von Tunneln, Infrastruktur und Tourismuszonen begleitet. Diese Vorhaben stünden auch ausländischen Investoren offen, hieß es.

Behörden und Märkte erwarten Aufschwung

Insgesamt erwartet die Suezkanal-Behörde eine Millionen neue Arbeitsplätze durch die Bauvorhaben am Kanal. Bereits am Montag hatten die Märkte auf das zu erwartende Megaprojekten spekuliert: Der ägyptische Aktienindex EGX schloss am Montag mit 8918 Punkten - dem höchsten Wert seit sechs Jahren. "Wenn das Projekt Realität wird, wird das viele Wirtschaftssektoren wachsen lassen", sagte Handelskammermitglied Issa Fathy der Staatszeitung Al-Ahram.

Fathy geht von künftigen Einnahmen in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar durch den Kanal aus. Derzeit liefert der Suezkanal Einnahmen von etwa fünf Milliarden Dollar - und ist bereits damit wichtigster Devisen-Lieferant für Ägypten.

Ein Schiff soll kommen

Der neue Kanal zwischen Atlantik und Pazifik nimmt Form an: Ein chinesischer Investor plant eine 278 Kilometer lange künstliche Wasserstraße quer durch Nicaragua. Jetzt ist auch der genaue Streckenverlauf klar. mehr ...

Der vor 145 Jahren eröffnete Kanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und erspart der internationalen Schifffahrt auf der Route zwischen Nordatlantik und Indischem Ozean so die Umfahrung Afrikas. Er wird zurzeit einspurig befahren.