Erweiterung der Währungsunion EU lässt Lettland in den Euro

Erweitern statt auseinanderbrechen: Die EU wird dem Antrag Lettlands auf Aufnahme in die Währungsunion wohl zustimmen. Damit übernimmt eines der ärmsten Länder Europas den Euro - auch als Signal an die globalen Finanzmärkte.

Drei Jahre nach Beginn der Schuldenkrise und immer wieder aufflammenden Spekulationen über ein Auseinanderbrechen des Euro wird die Währungsgemeinschaft nun nicht schrumpfen, sondern wachsen. Die EU-Kommission wird die Aufnahme Lettlands als 18. Mitglied der Euro-Zone voraussichtlich an diesem Mittwoch empfehlen.

"Die Entscheidung zu Lettland ist positiv", sagte ein EU-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Lettland erfülle alle Voraussetzungen für einen Euro-Beitritt. Deshalb werde die EU-Kommission am Mittwoch in ihrem Bericht empfehlen, dass Lettland die Gemeinschaftswährung Anfang 2014 einführen könne. Die Berliner Zeitung berichtete ebenfalls über die positive Entscheidung und berief sich auf den Bericht der Kommission.

Lettland war selbst im Sog der weltweiten Finanzkrise Ende 2008 angeschlagen und fast zahlungsunfähig. Ein Finanzcrash konnte nur mit Hilfe internationaler Kreditzusagen über 7,5 Milliarden Euro abgewendet werden. Das Land zog daraufhin eines der härtesten Sparprogramme in Europa durch. Die Wirtschaftsleistung des Landes brach um ein Fünftel ein. Das war der Preis, um die Euro-Vorgaben zu erfüllen: Das Land reduzierte sein Haushaltsdefizit laut Frühjahrsprognose der EU-Kommission unter die erforderliche Marke von drei Prozent des BIP auf nunmehr 1,2 Prozent. Der Schuldenquote beträgt etwa 41 Prozent der Wirtschaftsleistung, was ebenfalls deutlich unter dem EU-Grenzwert von 60 Prozent liegt.

Trotz eines Wirtschaftswachstums von zuletzt etwa fünf Prozent gehört Lettland aber neben Bulgarien und Rumänien zu den ärmsten Ländern in Europa. Der Beitritt des Baltikum-Landes zur Euro-Zone gilt auch als ein politisch gewolltes Signal, mit dem Vertrauen an Investoren ausgestrahlt werden soll.

Die Euro-Mitgliedschaft von Lettland muss von den Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel Ende Juni beschlossen werden. Auch das Europa-Parlament hat ein Wort mitzureden. Die formelle Aufnahme als 18. Mitglied der Währungsgemeinschaft muss dann im Juli von den Euro-Finanzministern besiegelt werden.

Krise hin oder her, der Euro ist nach wie vor begehrt in Osteuropa. Als nächster Beitrittskandidat gilt Lettlands Nachbarstaat Litauen, der 2015 beitreten will. Als erstes der drei baltischen Länder hatte Estland den Euro 2011 eingeführt.