Erstmals nationale Umsatzzahlen Amazon beherrscht ein Viertel des deutschen Versandhandels

Das Amazon-Logistikzentrum in Pforzheim: wachsende Umsätze in Deutschland

(Foto: dpa)

Wie dominant ist Amazon? Bisher machte der Konzern aus nationalen Zahlen ein Staatsgeheimnis. Jetzt erklärt er zum ersten Mal, wie viel die Deutschen auf Amazon ausgeben: 6,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr - Tendenz stark steigend.

Erstmals wird klar, wie wichtig Deutschland wirklich für Amazon ist. 8,7 Milliarden Dollar, umgerechnet 6,8 Milliarden Euro, hat der Online-Versandhändler hierzulande im vergangenen Jahr erlöst. Das ist jeder siebte Dollar. Das amerikanische Unternehmen hat in seiner Jahresbilanz 2012 für die US-Börsenaufsicht SEC erstmals konkrete Beträge für Deutschland als eigenen Markt genannt. In den Jahren zuvor hatte Amazon lediglich vage angegeben, der deutsche, japanische und britische Markt machten jeweils 11 bis 15 Prozent der Umsätze aus.

Der Jahresbericht wurde schon vor wenigen Tagen bei der SEC eingereicht, doch der kleine Eintrag am unteren Ende des Dokuments war bisher nur Insidern aufgefallen. Dort sind die drei Staaten aufgelistet. In Deutschland verdient Amazon demnach mehr als in Japan (7,8 Milliarden Dollar) und im Vereinigten Königreich (6,5 Milliarden). Weltweit machte Amazon 2012 mehr als 61 Milliarden Dollar Umsatz. Weil das Unternehmen aggressiv - und teuer - expandiert, stand unterm Strich ein leichter Verlust.

Auch für die beiden Jahre zuvor veröffentlichte das Unternehmen nun Zahlen für Deutschland. Das Unternehmen steigerte demnach seine Umsätze im Land in zwei Jahren um fast die Hälfte.

Mit 6,8 Milliarden Euro Umsatz gehört Amazon nun ein Viertel des deutschen Markts der Versandhändler. Der Bundesverband des deutschen Versandhandels geht für 2012 von einem gesamten Handelsvolumen von mehr als 27 Milliarden Euro aus. Der Markt soll weiter wachsen - davon dürfte der größte Marktteilnehmer Amazon am meisten profitieren. Während die meisten Kunden vom Service der Amerikaner begeistert sind, sind andere Händler weniger glücklich mit dieser Marktmacht.

Bisher war Amazon immer geheimniskrämerisch gewesen, wenn es um Zahlen für nationale Märkte ging. In den Jahresberichten wurden Einnahmen und Verluste lediglich grob nach "Nordamerika" und "International" aufgeschlüsselt sowie nach zwei ebenfalls allgemeinen Kategorien: "Medien", wozu Bücher und Filme zählen, und "Elektronik und andere allgemeine Waren".