Ernährungsreport So isst Deutschland

Landwirtschaftsminister Schmidt zeigt sich besorgt über die wachsende Zahl von übergewichtigen Menschen. Er fordert daher speziellen Schulunterricht.

Von Markus Balser, Berlin

Wie sich die Deutschen ernähren? Die Bundesregierung wollte es im Herbst genauer wissen und gab dazu eine Studie in Auftrag. Am Dienstag veröffentlichte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) den ersten Ernährungsreport. Die Erkenntnisse liefern manche Überraschung: Auf den Tisch kommt trotz Kritik an den Produktionsbedingungen und Studien zu gesundheitlichen Risiken nach wie vor besonders viel Fleisch. Demnach essen 83 Prozent der Deutschen mehrmals pro Woche Fleisch und Wurst. Nur drei Prozent ernähren sich vegetarisch. Für die Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums im Oktober 1000 Bundesbürger befragt.

Der Befund falle bei der Qualität der Ernährung besser aus als erwartet, sagte Schmidt. "Die Mehrheit der Deutschen ernährt sich gesund." Das Ernährungsbewusstsein von Frauen ist allerdings besser als das der Männer. Das zeige sich daran, dass 85 Prozent der befragten Frauen täglich Obst und Gemüse essen. Bei den Männern sind es nur 66 Prozent. Immerhin fast 80 Prozent der Deutschen kochen nach eigenen Angaben gerne. Allerdings setzen nur 41 Prozent der Haushalte das auch wirklich in die Tat um.

Der überwiegenden Mehrheit der Deutschen gelingt es der Studie zufolge zwar, sich im Alltag gesund zu ernähren. "Die wachsende Zahl der übergewichtigen Menschen und die hohe Zahl übergewichtiger Kinder machen aber auch deutlich, dass wir ein Wissens- und Kompetenzdefizit haben, wenn es um gesunde und ausgewogene Ernährung geht", räumt Schmidt ein. Die Wertschätzung für Lebensmittel besonders bei Kindern und Jugendlichen sei "unterdurchschnittlich" ausgeprägt. Schmidt sprach sich für eine feste Verankerung des Themas Ernährung in der Schule aus - "am besten als eigenes Schulfach". Er sei dazu mit der Kultusministerkonferenz im Gespräch, sagte der CSU-Politiker. Den Deutschen ist nach eigenen Aussagen das Wohl der Tiere wichtig. 45 Prozent sind "auf jeden Fall", 44 Prozent "eher" bereit, mehr für Fleisch auszugeben, wenn die Tiere artgerecht gehalten wurden. Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner riet bei der Interpretation der Daten allerdings zur Vorsicht. Befragte zeigten häufiger die Bereitschaft zu höheren Kosten. Fraglich sei, ob sich dies beim Einkauf dann wirklich umsetzen lasse.