Ernährung Zu hoher Zuckerkonsum kann Krankheiten auslösen

Zu hoher Zuckerkonsum und Übergewicht gelten als Auslöser verschiedener Krankheiten wie Diabetes und Herzkreislaufstörungen. Darin sind sich viele Forscher einig. Fest steht auch, dass die Deutschen zu viel Zucker essen. Im Schnitt sind es pro Person 90 Gramm pro Tag, mehr als das Dreifache dessen, was die Weltgesundheitsbehörde (WHO) als Obergrenze empfiehlt, und die liegt bei etwa sechs Teelöffeln Zucker pro Tag. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Diabetes-Erkrankungen in allen Altersklassen zu. Sechs Millionen Bundesbürger im Erwachsenenalter sind betroffen. Bis 2030 erwartet das Robert-Koch-Institut einen Anstieg auf acht Millionen.

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Doch die Zuckerlobby setzt alles daran, den Verdacht zu entkräften, dass Zucker krank machen kann. "Die Ursache vieler Zivilisationskrankheiten ist eine unausgeglichene Energiebilanz - nicht der Verzehr von Zucker", heißt es in einer Analyse der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, die sie im vergangenen Herbst an Bundestagsabgeordnete verschickte. Das Papier wirkt wie eine wissenschaftliche Untersuchung. Tatsächlich wurde es von Mitarbeitern des Zuckerverbandes und nicht von unabhängigen Forschern gefertigt, wie eine Sprecherin auf Anfrage einräumt. Vom Urteil der Weltgesundheitsorganisation hält man beim Verband nichts. "Die Empfehlung der WHO hält einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand", heißt es. Deren Studienauswahl sei einseitig und selektiv. Schuld an der Misere seien Bewegungsmangel und eine falsche Ernährung. Deshalb seien einzelne Lebensmittel aber noch lange nicht ungesund.

Die Folgen einer Fehlernährung seien für Kinder besonders schlimm

Drobinski-Weiß von der SPD hat für diese Haltung kein Verständnis. "Bei den plakativen Aussagen der Zuckerindustrie zu den Ursachen von Diabetes vermisse ich das Verantwortungsgefühl. Besonders schlimm sind die Folgen einer Fehlernährung für Kinder." Es helfe nicht, den Zuckerkonsum zu verharmlosen. Sie fordert mehr Transparenz in der Forschung, auch im Hinblick auf den Coca-Cola-Skandal. Die versteckte Finanzierung von Zucker-Forschung hat dem US-Konzern zuletzt viel Ärger eingebracht. In den USA hat Coca-Cola inzwischen seine Zuwendungen an Universitäten und andere Einrichtungen offengelegt, Angaben für Europa sollen folgen.

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Es reicht: Die Menschen essen zu viel Zucker, warnt die Weltgesundheitsorgansiation und halbiert die Empfehlung für die Tagesdosis. Vor allem in der Lebensmittelindustrie wird man das nicht gerne hören. Denn gesüßte Lebensmittel lassen sich einfach besser verkaufen - und die Kunden wissen meist gar nicht, wo sich Zucker überall versteckt. Von Silvia Liebrich mehr ...

Auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hält das Papier der Zuckerverbände für schwierig: "Geärgert hat uns vor allem die Scheinheiligkeit, sich auf uns zu beziehen und sinnentstellend aus unseren Ernährungsempfehlungen zu zitierten", sagt DDG-Geschäftsführer Dietrich Garlichs. "Die Industrie lehnt sich zurück und sagt, wir stellen nur gesunde Lebensmittel her. Das ist zynisch, weil man dem Einzelnen die Schuld gibt, wenn er nicht weiß, wie viel Zucker, Salz oder Fett gut für ihn ist." Dafür fehlt laut Garlichs aber vor allem eines: eine transparente Kennzeichnung von Zucker auf Verpackungen.

Das Marketingbudget der Industrie liegt bei mehr als drei Milliarden Euro

Einen Mangel sieht er auch bei der Aufklärung. "Es existiert keine Waffengleichheit, die Mittel der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind lächerlich im Vergleich zum Marketingbudget der Industrie." Während das Jahresbudget der Behörde bei 30 Millionen Euro liege, betrage das der Lebensmittelindustrie für Marketing mehr als drei Milliarden Euro.

Wie ungesund viele Kinderlebensmitteln tatsächlich sind, hat die Verbraucherorganisation Foodwatch im vergangenen Sommer festgestellt. 90 Prozent der knapp 300 untersuchten Produkte erfüllten nicht die WHO-Kriterien, weil sie zu viel Zucker, Salz oder Fett enthielten. Corinna Ludwig wünscht sich deshalb verständlichere Kennzeichnungen. Für ihre Tochter versucht sie nur Lebensmittel zu kaufen, die keine oder wenig Zucker enthalten. "Tatsächlich fehlt einem aber oft die Kraft, im Supermarkt ständig auch noch das Essen auf den Zuckeranteil zu prüfen."

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