Ermittlungen wegen Betrugs bei Onecoin Krimi ums Kryptogeld

Im Zusammenhang mit der Kryptowährung Onecoin ermittelt die Staatsanwaltschaft auch in Deutschland.

(Foto: Logo; Illustration Jessy Asmus)
  • Zehntausende Anleger haben Geld in die Internetwährung Onecoin gesteckt. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen Vertreter einer Firma im Münsterland, es geht um Betrug und mehr als 300 Millionen Euro.
  • Verbraucherschützer hatten mehrfach vor Onecoin gewarnt, weil Anleger sich stark abhängig von der Betreiberfirma machten.
Von Meike Schreiber und Jan Willmroth, Frankfurt, und Lukas Zdrzalek

Der Traum vom schnellen Reichtum, für etliche Anleger steht ein einziges Wort dafür, mit gerade einmal sieben Buchstaben: Onecoin. Das ist der Name einer Digitalwährung, die ihre Erfinder mit einem großen Versprechen verbinden: Wir werden das nächste große Ding, sind besser als andere digitale Währungen wie etwa Bitcoin. Millionen Anleger weltweit glaubten dieses Versprechen, allein in Deutschland investierten mehrere Zehntausend Sparer Hunderte Millionen Euro. Jetzt wird aus dem Traum vom schnellen Geld ein Wirtschaftskrimi.

Nach SZ-Recherchen ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld gegen sieben Vertreter aus dem Onecoin-Umfeld, unter anderem wegen Betrugs. Der Verdacht: Die versprochenen Gewinne sollen nicht realisierbar sein. Die Behörde bestätigte die Informationen. Bei den Verdächtigen handelt es sich größtenteils um Verantwortliche der Firma IMS International Marketing Services, die vom kleinen Städtchen Greven im Münsterland aus für Onecoin Überweisungen abwickelte. Zudem läuft ein Verfahren, weil die Verdächtigen gegen das Gesetz über die Beaufsichtigung von Zahlungsdiensten verstoßen haben sollen.

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Der Fall sei vor Monaten ins Rollen gekommen, weil eine Bank die Firma IMS wegen Geldwäschevorwürfen angezeigt habe, heißt es aus Bielefeld. Zusätzlich zur dortigen Staatsanwaltschaft ermittelt auch das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Künftig könnte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen noch ausweiten, sagte ein Sprecher der Behörde. Onecoin ist die Erfindung einer Dame mit schillerndem Lebenslauf. Im Jahr 2014 schuf die gebürtige Bulgarin Ruja Ignatova die angebliche Digitalwährung, das System dahinter, die großen Versprechen. Ignatova studierte Rechtswissenschaften in Oxford und Konstanz, beriet Firmen für McKinsey und verwaltete einen der größten Investmentfonds Bulgariens. Vor bald drei Jahren krönte man sie in ihrem Heimatland gar zur Wirtschaftsfrau des Jahres. Sie hatte Onecoin damit beworben, einfacher handhabbar zu sein als andere Digitalgelder wie beispielsweise Bitcoin, das nur etwas für Computernerds sei.

Verbraucherschützer hatten mehrfach vor Onecoin gewarnt, weil Anleger die virtuell geschöpften Münzen nur auf der Onecoin-Webseite erwerben und verkaufen konnten. Der Preis des Digitalgeldes bildet sich also nicht wie bei anderen Währungen an unabhängigen Börsen. Sparer machten sich somit stark abhängig von der Onecoin-Betreiberfirma. Zudem blieb stets unklar, ob und wofür die Nutzer mit dem virtuellen Geld überhaupt bezahlen können.

Innerhalb eines Jahres flossen etwa 360 Millionen Euro von deutschen Kunden auf die IMS-Konten

Auch die Finanzaufseher der Bafin wurden ob der Geschäfte mit Onecoins misstrauisch. Vor wenigen Wochen reagierte die Bonner Behörde, nachdem sie das Gebaren der IMS und der verschiedenen Onecoin-Unternehmen monatelang untersucht hatte. Zuerst sperrte sie Anfang April die noch offenen Konten der IMS und untersagte ihr Finanzgeschäfte im Auftrag der Onecoin Limited mit Sitz in Dubai. Wenige Wochen später verbot sie mehreren Onecoin-Firmen sämtliche Geschäfte mit der Digitalwährung in Deutschland. Die Firma IMS im Münsterland fungierte wohl als Überweisungszentrale für Onecoin-Gelder von deutschen Anlegern: Alle paar Monate eröffnete sie offenbar mindestens ein neues Konto bei einer anderen Bank, auch bei großen deutschen Instituten. Anleger, die in Onecoin investieren wollten, überwiesen ihr Geld an die Firma im Münsterland. Der Finanzaufsicht zufolge leitete die IMS die Gelder an nicht näher deklarierte "Dritte insbesondere auch außerhalb Deutschlands". Zwischen Dezember 2015 und Dezember 2016 flossen etwa 360 Millionen Euro von deutschen Kunden auf die IMS-Konten. Übrig sind nach Bafin-Angaben noch etwa 29 Millionen Euro.

Einige Beschuldigte teilten über ihren Hamburger Anwalt Stephan Schulenberg mit: "Nach derzeitiger Aktenlage wird der Vorwurf des Betruges nicht weiter verfolgt." Die Staatsanwaltschaft erhöbe im Kern gegen seine Mandanten nur den Vorwurf, gegen das Gesetz über die Beaufsichtigung von Zahlungsdiensten verstoßen zu haben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erwiderte: "Wir ermitteln weiterhin umfassend, auch wegen Betrugsverdachts". Die Onecoin-Betreiberfirma selbst reagierte bis Redaktionsschluss nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

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