Ermittlungen gegen Wladimir Jewtuschenkow Oligarch unter Hausarrest

Musste in diesem Jahr schon reichlich Opfer bringen: Der russische Oligarch Wladimir Jewtuschenkow.

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Er ist einer der reichsten Russen, sein Vermögen wird auf 7,5 Milliarden Dollar geschätzt. Jetzt steht der Oligarch und Unternehmer Wladimir Jewtuschenkow unter dem Verdacht, Geld gewaschen zu haben.

Von Julian Hans

Wirtschaftlich musste Wladimir Jewtuschenkow in diesem Jahr schon reichlich Opfer bringen. Der Konflikt mit der Ukraine und dem Westen hat den RTS-Index der größten russischen Unternehmen seit Jahresbeginn um ein Viertel gedrückt. Gemessen am Börsenwert seiner Investmentholding Sistema hat Jewtuschenkow 37 Prozent seines Vermögens eingebüßt - mehr als jeder andere. Bloomberg beziffert seinen Besitz jetzt auf 7,5 Milliarden Dollar.

Jetzt hat auch noch die Justiz ihren Arm nach dem 65-Jährigen ausgestreckt. Das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation erhebt den Vorwurf, bei der Privatisierung des zu Sistema gehörigen Ölkonzerns Bashneft sei betrogen und Geld gewaschen worden. Der Mann mit dem hageren Buchhaltergesicht steht nun vorerst für zwei Monate unter Hausarrest.

Beobachter haben diese Entwicklung vorhergesagt. "Wer verstehen will, was mit der russischen Privatwirtschaft in den kommenden Jahren passieren wird, der sollte sich anschauen, was mit Bashneft geschieht", schrieb Elmar Murtasajew, der Chefredakteur der russischen Ausgabe der Zeitschrift Forbes, bereits vor einem Monat.

Jewtuschenkow hat sich stets aus der Politik herausgehalten

Der Druck durch Steuern und Verwaltung auf die Unternehmen wachse, "und das Risiko steigt, sein Eigentum zu verlieren". Seit den Prozessen gegen Michail Chodorkowskij, den einstigen Chef des Ölkonzerns Yukos, vor mehr als zehn Jahren ist kein vergleichsweise bedeutender Unternehmer mehr ins Visier der Justiz geraten.

Bei allen Parallelen zum Fall Yukos gibt es einen Unterschied: Anders als Chodorkowskij hat sich Jewtuschenkow stets aus der Politik herausgehalten. Anfang der Neunzigerjahre hat er marode städtische Betriebe in Moskau zu einem marktwirtschaftlich arbeitenden Mischkonzern umgeformt.

Standard & Poors zählt Sistema und deren Töchter zu den transparentesten Unternehmen im Land. Neben Russlands größter Telekommunikationsgesellschaft MTS hält Sistema auch Anteile an Banken, Baufirmen, Pharmaunternehmen und dem Kaufhaus "Welt der Kinder".

Sistema-Aktien verlieren ein Viertel ihre Wertes

Die Attacken auf Bashneft dienten dazu, den Handelswert des Unternehmens zu drücken und eine feindliche Übernahme zu erleichtern, sagte der Chefanalytiker der Stiftung für nationale Energiesicherheit, Alexander Pasetschnik. Die Sistema-Aktien verloren am Mittwoch zwischenzeitlich ein Viertel ihres Wertes. "Das erinnert alles sehr an ein Yukos Nummer zwei", sagte der Vorsitzende des russischen Unternehmerverbandes Alexander Schochin.

Igor Setschin, der Chef des aus den Trümmern des Yukos-Konzerns aufgebauten Rosneft-Konzerns, ließ jegliche feindliche Absichten dementieren. Rosneft hatte kürzlich die Regierung wegen der Folgen der Sanktionen um eine Finanzspritze von 30,5 Milliarden Euro gebeten und zuvor Interesse an Bashneft bekundet.

Wird der Kuchen kleiner, werden Verteilungskämpfe härter. Chodorkowskij sagte, der Fall zeige, dass "der Präsident völlig die Kontrolle verloren hat".