Erfolgreicher Torwand-Schütze bei Media Markt "Ich hatte den Dreh direkt gut raus"

Wer beim Torwandschießen trifft, erhält den Einkauf umsonst, so lockte Media Markt Kunden. Dann kam Dany Ward und traf. Und traf. Und traf. Im Gespräch erzählt er, wie er einer Frau zu teuren Tablets verhalf und mit Media Markt aneinander geriet.

Von Nakissa Salavati

Mit "verrücktem Torwandschießen" warb Media Markt in einigen Filialen: Wer trifft, bekommt den Einkauf erstattet, so das Angebot. Mit Dany Ward aus Aachen hatte die Elektronikkette wohl nicht gerechnet. Der Fußballtrainer lud seinen Einkaufswagen unter anderem mit einem Flachbildschirm, einer Kaffeemaschine, einem Wasserkocher und iPod-Zubehör voll - und versenkte anschließend den Ball sechs Mal. Es wäre bestimmt nicht der letzte Treffer gewesen. Aber dem Geschäftsführer der Filiale wurde es dann doch zu viel.

Herr Ward, wie sind Sie im Media Markt so berüchtigt geworden?

Ich bin ja nur zu Media Markt wegen der Aktion. Sonst kaufe ich lieber bei Saturn, da kann ich besser parken. Ich bin Co-Trainer beim Fußballverein Arminia Eilendorf, wir veranstalten ein Sommerfest mit Tombola. Da eignet sich so etwas wie eine Kaffeemaschine gut als Preis. Deswegen habe ich also bei Media Markt Großeinkauf gemacht und die Artikel einzeln bonieren lassen. So hatte ich größere Chancen, zu treffen. Tja, von den fünf Schüssen habe ich sagenhafte drei Mal getroffen und etwa 250 Euro zurück bekommen. Mit denen habe ich dann für mich eine iPod-Ladestation und Blu-rays gekauft - und wieder zwei Mal getroffen.

Hat das außer Ihnen noch jemand geschafft?

Nein, ich war der Einzige. Deswegen hat mich dann eine Kundin gefragt, ob ich für sie schieße. Der Media-Markt-Mitarbeiter hat es auch erlaubt. Sie hatte mehrere Tablet-Computer für 2400 Euro auf einer Quittung! Ich meinte zu ihr: "Seien Sie nicht traurig, wenn's nicht klappt. Das ist nicht so einfach." Ich habe mein Sakko ausgezogen und war echt aufgeregt. Aber ich habe den Ball toll versenkt. Sie hat mich umarmt, alle haben gejubelt. Leute haben sie gefragt: Was bekommt der Schütze? Sie meinte, die Geräte seien für ihre Firma, sie könne mir nichts geben. Ich wollte gar nichts, fand's einfach gut, dass ich ihr die Freude machen konnte.

Aber dann wurde Ihnen das Schießen verboten.

Mein Erfolg machte die Runde und mein Vetter fragte: "Wollen wir nicht einen Trockner kaufen? Wenn du triffst, ist super, ich kaufe ihn aber sowieso." Wir waren dann zu viert und haben unter anderem noch fünf reduzierte Navigationsgeräte für je 25 Euro gekauft. Dann kam uns der Geschäftsführer entgegen und meinte, wir seien wie eine Bande, das sei kriminell. Ich würde fremden Leuten meine Hilfe anbieten, um Reibach zu machen. Keiner von uns dürfe an die Torwand, wir seien gesperrt. Der Ton des Geschäftsführers war echt unverschämt.

Eine Sprecherin von Media Markt sagte SZ.de, Sie hätten "Mengen gekauft, die nicht mehr haushaltsüblich sind". Der Geschäftsführer habe den Verdacht gehabt, sie hätten die Produkte wiederverkaufen wollen.

Das ist lächerlich. Wir verkaufen doch keine Elektronikgeräte weiter. Er hat uns angeboten, die Geräte wieder umzutauschen, aber die brauchten wir ja wirklich. Und angesprochen habe ich auch niemanden, ob ich für ihn schießen darf.

Der Geschäftsführer der Filiale hat als Friedensangbot vorgeschlagen, Ihnen nochmal eine Torwand aufzustellen. Wenn Sie dann treffen, wird der Betrag gespendet. Machen Sie mit?

Für karitative Zwecke würde ich tausend Mal am Tag schießen. Aber hier will sich Media Markt wohl in ein gutes Licht stellen. Ich habe darauf also gar nicht reagiert. Ich werde eh keinen Fuß mehr in den Laden setzen.

Verraten Sie mal - wie geht das, so oft treffen?

Erst einmal spiele ich Fußball, seit ich laufen kann. Beim Schuss muss man das Ziel fokussieren, zum Ball schauen, zum Loch gucken und dann mit einer vernünftigen Geschwindigkeit und einem strammen Schuss - eine Mischung aus Spann- und Innenseite - versuchen, den Ball reinzukriegen. Die Wand war auch etwas weiter entfernt, ich brauchte also sowohl Technik als auch Kraft. Und toi, toi, toi: Ich hatte den Dreh direkt ganz gut raus.