Werbesprache sollte simpel und gefühlsansprechend sein. Ikeas Corporate Language ist vorbildlich - die von der Deutschen Bank eine Katastrophe, sagt Armin Reins, Werbe-Experte und Erfinder der Corporate Language. *)
sueddeutsche.de: Wie wichtig ist Werbung für ein Unternehmen?
Die Baumarktgruppe Hornbach spricht mit ihrer Corporate Language die Gefühle der Kunden an. (© )
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Armin Reins: Überlebenswichtig, denn letztendlich sind die meisten Produkte identisch und mit Werbung mache ich dem Verbraucher klar, dass mein Produkt besser ist als das der Konkurrenz. Die wenigen Marken, an die sie sich erinnern können, die bleiben ihnen wegen den Slogans im Kopf.
sueddeutsche.de: Was macht eine erfolgreiche Werbung aus?
Reins: Am Anfang ist das Bild, am Ende bleibt das Wort. Über den Reiz des Bildes werde ich auf die Anzeige aufmerksam gemacht - dann möchte ich mehr wissen und lese die Überschrift, den Slogan oder den Text.
sueddeutsche.de: Und die Sprache muss kess und witzig sein?
Reins: Nicht unbedingt - das hängt von der Zielgruppe ab. Eine gute Werbesprache schafft es, den Markenkern in einem Satz ganz simpel zu erklären, so dass sie dem Menschen im Kopf haften bleibt. Dafür muss die Sprache gefühlsbewegend und bildhaft sein.
sueddeutsche.de: Das ist alles?
Reins: Eine Marke ist eine Marke, weil sie immer wieder gleich auftritt. Viele Marken sprechen in unterschiedlichen Sprachen, mal laut mal leise, mal teuer, mal emotional, dadurch können sie sich nicht etablieren. Die Aufgabe der Werbesprache eines Unternehmens ist, dass sie durch Kontinuität besticht und somit unverwechselbar ist - das ist die Corporate Language einer Firma.
sueddeutsche.de: Nennen Sie uns doch mal ein Beispiel ...
Reins: Ikea. Die haben sich das "Du" gesichert. Da spricht man vom One-Word-Capital, dass bedeutet, dass sich eine Marke mit einem Wort identifiziert. So dass der Verbraucher mit dem Wort sofort diese Marke verbindet. Ikea will mit dem "Du" sagen, dass es eine junge, moderne und unkomplizierte Marke ist - denn junge, moderne Menschen duzen sich.
sueddeutsche.de: Und einen mißglückten Versuch?
Reins: Die Deutsche Bank. Sie spricht von "Leistung aus Leidenschaft" und versucht gefühlvoll zu sein. Doch auf der Webseite spiegelt sich das nicht wieder: Dort ist von Leidenschaft nichts zu spüren. Das geht wieder nur um Zahlen. Oder die Deutsche Telekom. Sie nutzt viel das Denglisch, die Vermischung aus Englisch und Deutsch, und tritt damit uneinheitlich auf.
sueddeutsche.de: Die charakteristische Unternehmenssprache also nicht nur in der Werbeanzeige?
Reins: Eine Corporate Language muss sich durch alles ziehen: Das geht vom Slogan, über den Internet-Auftritt und dem Call-Center: alle müssen die charakteristische Sprache des Unternehmens sprechen, welche die Gefühle der Verbraucher anspricht.
sueddeutsche.de: Ikea redet die Leute in einer Mahnung dann mit Du an?
Reins: Wo der Spaß aufhört, fängt das Sie dann wieder an.
*) Armin Reins ist Gastprofessor für Kommunikationsdesign an der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig und hat zugleich eine Agentur für Sprache. Er hat das Buch: "Corporate Language. Wie Sprache über Erfolg oder Misserfolg von Marken und Unternehmen entscheidet" herausgegeben.
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Die Werbung in den letzten Jahren wird in meinen Augen immer dämlicher. Da sind diese absolut albernen, nichtssagenden englisch-sprachigen Werbetexte: "Come in and find out" "Freedem of Speech", "Feel The difference" und so weiter. Nervend, sonst gar nix. Bei mir erzeugen sie mehr Abneigung als Kauflust. Ungefähr nach dem Motto - wenn die Produkte so sind wie die Werbung - nein danke. Wirklich originelle Werbung, die auch lange hängenbleibt ist selten. Zum Beispiel die einer großen Baumarktkette, in der sich ein Mann ein Loch in die Hand bohrt, trotzdem unbeirrt weiterwerkelt. Selbst die "Sauwerbung", die sich in den Märkten so durchzieht, dass es nicht mehr "Eingang" sondern "Schweingang" ausgeschildert war. DAS ist originell und humorvoll. Grauenhaft die Radiowerbung, wo alte Hits von schlechten Sängern mit unsäglichen Texten "gesungen" werden. Negativwerbung bis zum Geht-nicht-mehr. Ich stelle mir da immer vor, dass ich wirklich lieber arbeitslos bin als mit so einem Mist mein Geld zu verdienen. Aber die Werbebranche hielt sich ja schon immer für den Nabel der Welt. Das merkt jeder, der mit Menschen Kontakt hat, die in einem dieser Unternehmen arbeiten. Von Produktinformation über Markenwerbung zur Volksvera......
"wie wichtig ist Werbung" wird der Werber gefragt... da muß man sich schon zum Weiterlesen zwingen.
Und dann? Fragt man einen Stabhochspringer wie wichtig Stabhochspringen ist, er würde womöglich kurz stutzen. Nicht so der Werber. Werbung ist nicht nur wichtig, sondern überlebenswichtig, mit überschlag quasi.
An dieser Stelle könnte man vermuten, der Frager hätte eine Falle gestellt, in die der Werber getappt ist. Aber da kommt nichts mehr.
Werbung nervt jeden außer dem Werber selbst. Je konsequenter betrieben, desto mehr.
Zum Glück spricht der Experte mit überschlag nur von den paar Firmen, die die qulitativ hochwertigen Medien mit ihrer großartigen Werbung finanzieren.
Die normalen Mittelständler haben gottlob weder das Geld noch die krude Phantasie ihre Mitarbeiter und deren Sprache zu vereinheitlichen.
Kennt jemand sein Buch? Kann man es zum Kauf empfehlen?
Grundsätzlich finde ich es aber auch wichtig, dass Positionen mit Aussenwirkung in einer Unternehmung auch die gleich Sprache sprechen.Das bedeutet meiner Meinung nach nicht, dass ich den Leuten die Sätze entsprechend vorlege, aber das gewisse technische Eigenschaften von Produkten immer gleich genannt werden.
Wir hatten bei uns in der Firma nämlich so ein Problem, dass der Aussendienst Produkteigenschaften selber benannt hat trotz Vorgaben. Auf der ersten Messe war das Erstaunen der Geschäftsleitung groß, dass eine Eigenschaft des Produktes auf 18 Arten genannt werden kann, davon 12 falsche titulierungen.
Schönen Tag noch
Tobias
Vielleicht hat der Mann recht, dass man so die Gewinne maximiert. Aber diese Aussage ist einfach ein Horror!
Was wollen Sie schon von einem Stückchen über Sprache(!) erwarten, in welchem dieser Lapsus steht: "spiegelt sich das nicht wieder"? Das kann doch gar nichts Tiefgründiges widerspiegeln, oooder?
Paging