Eons Abschied von Atom, Kohle und Gas Ende der Dinos

Ein Geschäftsmodell aus der Vergangenheit: Ein Braunkohlekraftwerk hinter Windrädern (denen die Zukunft gehört)

(Foto: dpa)
  • Der hoch verschuldete Energiekonzern Eon greift unter dem Druck der Energiewende zu radikalen Maßnahmen. Das Unternehmen steigt aus der Atomkraft und der konventionellen Energieerzeugung aus Kohle und Gas komplett aus.
  • Künftig will sich Eon auf erneuerbare Energien und Energienetze konzentrieren.
  • Auch den Konzernen RWE, Vattenfall und EnBW drohen ähnlich radikale Einschnitte.
Kommentar von Markus Balser

Sie galten als ziemlich träge und wenig intelligent. Doch ihre Größe machte sie zu unangefochtenen Herrschern ihrer Zeit. Doch dann kamen die Dinosaurier vor Millionen Jahren in Existenznot. Die Welt war für Wesen ihrer Dimension ein unwirtlicher Ort geworden. Am Ende verschwanden sie.

Deutschlands Energiekonzerne, immer wieder als Artgenossen der Dinos geschmäht, droht ein ähnliches Schicksal. Der größte deutsche Energiekonzern Eon machte am Sonntagabend deutlich, wie sehr die Branchenkrise durch Atomausstieg und Energiewende die Konzerne in die Enge treibt. Der Düsseldorfer Konzern baut radikal um, trennt sich von Atomkraftwerken, Kohle und Gas - dem gesamten Kraftwerksgeschäft also. Künftig sieht Eon erneuerbare Energien und Netze als Kern des Geschäfts.

Die Krise der Versorger ist existenzbedrohend

Eon ist dabei nur der Vorbote einer noch weiter reichenden Entwicklung. Denn auch den anderen drei großen Versorgern drohen ähnlich radikale Einschnitte. Die Krise der Stromkonzerne nahm zuletzt bereits existenzbedrohende Züge an. Die Folge: Die einst mächtigen Riesen stehen vor einem Schrumpfkurs. Vattenfall will seine deutsche Tochter wenigstens teilweise verkaufen. EnBW denkt wie Eon über eine Zukunft als Netzkonzern mit grüner Stromerzeugung, aber ohne Kraftwerke nach. Bei RWE folgt ein Sparprogramm dem nächsten. Die Kraftwerke werfen kaum noch Gewinne ab. Und die Zeiten dürften wegen fallender Strompreise noch schwieriger werden.

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Kaum Flexibilität, Mangel an Visionen, starres Festhalten an alten Strukturen: Einen Großteil ihrer Misere haben Konzerne wie Eon selbst zu verantworten. Dass sie sich vom Kraftwerksgeschäft trennen, ist konsequent. Denn die Zukunft der Energieversorgung liegt zumindest hierzulande in kleinteiligen Anlagen. Solardächer auf Gebäuden, kleine Blockkraftwerke für Siedlungen, übers Land verteilte Stromerzeugung per Wind und Gas - große Kohlekraftwerke haben wie Atommeiler keine Zukunft.

Wer bezahlt jetzt eigentlich die Folgekosten des Atomausstiegs?

Das Ende der Dinosaurier führt aber auch zu einem neuen Problem. Denn es wird immer fraglicher, wie die Konzerne ihrer größten Verantwortung der kommenden Jahre gerecht werden können: Die Folgen des Atomausstiegs zu finanzieren. Mit ihrem Geschäftsmodell geraten auch die Milliardenrückstellungen für den Rückbau von Kernkraftwerken und die Endlagersuche in Gefahr, die sie aus ihren jahrelang hohen Gewinnen bilden mussten. Die Politik muss wachsam bleiben.