Ausstaffiert mit üppigen Gewinnen will Deutschlands größter Energiekonzern Eon in Europa das ganz große Rad drehen. Doch man ist nicht überall gut auf Eon zu sprechen.

Neben einem Verkauf von Stromnetzen und Kraftwerken sieht die Strategie von Vorstandschef Wulf Bernotat milliardenschwere Ausgaben vor.

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Rund vier Fünftel der gesamten Investitionen in Höhe von 50 Milliarden Euro sollen bis 2010 außerhalb Deutschlands unter anderem in den Neubau, die Modernisierung von Anlagen und erneuerbare Energien fließen.

Bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Düsseldorf kündigte Bernotat zudem eine Erhöhung der Investitionen um 9 Milliarden Euro an. "Wir richten Eon noch klarer auf ein zusammenwachsendes Europa aus", sagte der Manager.

Weitere Zukäufe möglich

Schon heute sei Eon mit seiner Präsenz in 30 Ländern mit Abstand das europäischste Energieunternehmen. Auch auf angrenzende Wachstumsregionen wie Russland hat das Unternehmen ein Auge geworfen.

Eon sei seit geraumer Zeit dabei, sich europäisch aufzustellen, betonte Bernotat. Dabei schloss er weitere Zukäufe unter anderem auch in Spanien nicht aus, wo das Unternehmen vor einem Jahr mit dem geplanten Zukauf des Stromversorgers Endesa gescheitert war.

Ein großes Rad drehen wollen die Düsseldorfer künftig auch bei den erneuerbaren Energien, deren Aktivitäten inzwischen in einer eigenständigen Geschäftseinheit gebündelt wurden. "Wir wollen dieses Geschäft global betreiben. Unser Ziel ist es, zu den weltweit führenden Unternehmen auf diesem Gebiet zu gehören", unterstrich Bernotat. Dabei konzentriert sich Eon vor allem auf Windkraft, Bioerdgas und Biomasse.

Von einem glänzenden Geschäftsjahr 2007 mit Spitzengewinnen sollen die Aktionäre des Energieriesen erneut kräftig profitieren: Der Hauptversammlung werde vorgeschlagen, die Ausschüttung um 0,75 Euro auf 4,10 Euro je Aktie zu erhöhen.

Im Dax gehörte die Aktie am Donnerstag mit einem Plus von zeitweise von vier Prozent zu den größeren Gewinnern. Mit einem Aktiensplit von 1:3 soll die E.ON-Aktie für Kleinanleger künftig noch attraktiver werden.

Außerdem plant der Vorstand, die Anteilsscheine von Inhaber- auf Namensaktien umzuschreiben. Mit dieser Schutzmaßnahme will Eon offenbar bei massiven Aktienaufkäufen rechtzeitig informiert und gewappnet sein.

Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) kletterte 2007 auf 9,2 Milliarden Euro und erreichte damit einen Höchststand. Der Konzernüberschuss lag mit 5,1 Milliarden Euro rund neun Prozent über dem Vorjahreswert.

Eon sieht sich als Opfer einer Indiskretion

Beim Umsatz verzeichneten die Düsseldorfer einen Zuwachs von 7 Prozent auf 68,7 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet der Vorstand unter anderem durch ein verbessertes Stromgeschäft weitere Zuwächse beim operativen Ergebnis zwischen 5 und 10 Prozent.

Bernotat verteidigte unterdessen die in den vergangenen Tagen geäußerte Kritik am geplanten Verkauf der Stromnetze. Die Trennung von Erzeugung und Netz müsse eine unternehmerische Entscheidung sein.

"Und genau diese Entscheidung haben wir getroffen", sagte er. Dass Eon nach vorne geprescht war, als der Konzern in der vergangenen Woche überraschend den Verkauf der Leitungsnetze angekündigt hatte, begründete Berntat mit einer Indiskretion. Eon habe reagieren müssen.

Der Zeitpunkt "war nicht von uns gewählt und es lag uns fern, jemanden zu brüskieren". Dieser Schritt solle dazu beitragen, die derzeitige Auseinandersetzung mit der EU im Strommarkt zu beenden, betonte Bernotat.

Die Ankündigung hatte vor allem in der Bundesregierung für Missstimmung gesorgt, weil Berlin sich in Brüssel für die Energiebranche und ihre ablehnende Haltung eines Stromnetzverkaufes stark gemacht hatte. Im Bundestag verurteilte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) am Donnerstag die Vereinbarung zwischen EU und Eon.

"Wir müssen mal diese faulen Deals beenden", sagte Glos. Wenn ein Unternehmen gegen Kartellrecht verstoße, müsse es hart bestraft werden. Bernotat spielte die Verstimmung herunter: Die Kanzlerin und die übrigen Minister seien zum frühestmöglichen Zeitpunkt unterrichtet worden.

Die großen Eon-Konkurrenten RWE und EnBW wollen ihre Netze behalten, Vattenfall will einen Verkauf prüfen. Bernotat wollte zum Kraftwerksverkauf, zu möglichen Interessenten und einer privaten deutschen Netzgesellschaft keine weiteren Angaben machen. Die EU wolle zunächst einen Markttest durchführen und dann eine rechtlich bindende Entscheidung treffen.

Am Vortag war bekannt geworden, dass das Bundeskartellamt ein Missbrauchsverfahren gegen 35 Gasversorger eingeleitet hat: De Behörden haben den Verdacht, dass die großen Energieunternehmen - darunter auch Eon - ihre Marktmacht ausnutzen, um höhere Preise zu erzielen.

Auch in England gibt es Vorwürfe gegen Eon: Die britische Times berichtet, das sechs große Energiekonzern ausgerechnet "bei den ärmsten Kunden" besonders hohe Preise berechnen. Besonders eifrig dabei sei Eon: Der Vorauszahlungstarif, der vor allem von Rentnern und Ärmeren genutzt würde, sei um bis zu 45 Prozent teurer als der Internettarif. Nun will die britische Regierung einschreiten: Es soll eine Steuer auf ungerechtfertigte Gewinne geben.

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