Wulf Bernotat, Chef des Versorgers Eon, pflegt sein Image als knallharter Manager. Das könnte ihm bald zum Verhängnis werden.
Begreift er, dass er übertrieben hat? Wulf Bernotat, der Vorstandschef von Eon, des größten europäischen Energiekonzerns, war am Dienstag bei der Präsentation glänzender Geschäftszahlen für seine Verhältnisse zurückhaltend.
Anzeige
Er werde sich "mit aller Kraft" für den Dialog zwischen der Energieindustrie, der Politik und der Gesellschaft einsetzen. "Wir müssen die entscheidenden Fragen der zukünftigen Energieversorgung gemeinsam lösen", sagte er. So versöhnlich hatte sich der 59-Jährige schon lange nicht mehr ausgedrückt.
Was früher der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann war oder der Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser, ist inzwischen Bernotat. Mit einer Salve von Interviews hatte er sich zuletzt in die Reihe der Manager gestellt, die wegen hoher Gehälter oder maßloser Abfindungen als die Verkörperung einer profitgierigen Kaste galten.
Womöglich ist dem Mann mit der wuchtigen Gestalt nicht klar, wie seine Worte wirken. Aber wenn er in der Bild-Zeitung erklärt, Strom sei in Deutschland "viel zu billig", stößt er auf Unverständnis.
Wenn er für Eon hohe Gewinne meldet, gleichzeitig jedoch Preiserhöhungen ankündigt und den Kunden empfiehlt, sie könnten zu einem billigeren Stromanbieter wechseln, erzeugt er Kopfschütteln.
Der promovierte Jurist aus Göttingen, der sein gesamtes Berufsleben in der Energieindustrie verbracht hat, die meiste Zeit davon beim Ölmulti Shell, musste sich nie mit einer Wettbewerbssituation, wie sie in anderen Branchen üblich ist, auseinandersetzen.
Die Macht der großen Vier
Richtig ist, dass Eon ein privates Unternehmen ist, das maximalen Gewinn schaffen muss. Ebenso richtig ist aber auch, dass ein Energiemanager es sich mit Politikern besser nicht verscherzt.
Wenn die aber nach Verstaatlichung und Entflechtung der Versorger rufen, hat dies auch mit Managern wie Bernotat zu tun. Richtig ist allerdings auch, dass die Liberalisierung der Stromkonzerne, die 1935 unter staatliche Kontrolle gerieten, vor neun Jahren nur halbherzig geschah.
Der Staat hätte den Konzernen damals die Leitungsnetze wegnehmen und sie getrennt privatisieren sollen. Mitsamt ihren Netzen können Eon, RWE, Vattenfall und EnBW, die 80 Prozent der Stromerzeugung und -verteilung beherrschen, den Zugang neuer Wettbewerber erschweren.
Die deutschen Strompreise fallen daher nicht wie geplant. Sie steigen und gehören zu den höchsten in der EU. Der Eon-Konzern verdiente so viel Geld, dass er Anfang dieses Jahres die kaum vorstellbare Summe von 42 Milliarden Euro für den Kauf eines spanischen Energie-Versorgers ausgeben wollte.
Das Scheitern dieser Übernahme wirft einen Schatten auf Bernotat und seine strategischen Fähigkeiten. Er gilt im Konzern seitdem als geschwächt. Sein potentieller Nachfolger Johannes Theyssen wurde bereits im Frühjahr in eine wichtige Vorstandsposition gehoben.
Auch die anderen Stromkonzerne sehen Bernotat zunehmend kritisch. Unter Regie des Konkurrenten RWE arbeitet die Stromindustrie inzwischen daran, eine starke Führungsfigur für den Branchenverband zu finden, die die Interessen dieser Industrie behutsamer vertritt als ihr inoffizieller Sprecher.
(SZ vom 14.11.2007/sms)
Sorgt er doch zuverlässig dafür, daß die dringend notwendige Zerschlagung des Oligopols immer konkretere Formen annimmt.
Weiter so, Berno! ;-)
@plyfix:"Wenn sich Gewinnerzielung in diesem Fall verbietet, warum sollte sich ein Unternehmen dem Wettbvewerb stellen?"
Welchem Wettbewerb ?
"Warum sollte ein Unternehmen überhaupt Energieversorgung betreiben wollen?"
Vielleicht,um Energie zu liefern?
"Warum wollen unsere Politiker denn, daß staatliche Betriebe privatisiert werden? Damit sie Gewinn abwerfen, auch für den Staat! "
In erster Linie werfen die Unternehmen Gewinne für die Anteilseigner,noch nicht einmal für die Belegschaft,ab.Der Staat,soweit er nicht selbst Anteilseigner ist,partizipiert nur über die Steuern.
Warum einige Politiker die Privatisierung wollen -ich lasse die mal die zynischen Begründungen wie Alterssicherung über spätere Beraterverträge weg- ist klar.
Einiges,was früher durch den Staat geleistet wurde ,kann durch die Privatwirtschaft besser bewältigt werden,aber nicht alles,was die Privatwirtschaft in Ihrem Sinne "besser" kann ,nämlich Gewinne erwirtschaften (was die Industrie in unserem Witschaftssystem soll ),eignet sich für die Hände der nur dem Profit verpflichteten Privatwirtschaft.
Das gilt nicht nur für die Energieversorgung,sondern auch für die Bahn,die z.B. nicht einfach Strecken stilllegenlassen kann ,weil es zu unrentabel wäre, entlegene Orte zu bedienen.
... , aber muß es immer "maximaler" Gewinn sein?
Es kann nicht alles maximal und steigend sein. Das ist das Prinzip vom wohlbekannten Schneeballsystem, wo immer mal ein großer Bums kommt.
Warum kann man nicht mal zufrieden sein mit einem florierenden gewinnabwerfenden System? Warum muß es immer "mehr mehr mehr" sein?
Ständiger Steigerung funktioniert nur, wenn andere immer mehr irgendwo zurückstecken. Wenn das so weiter geht, gibts halt wieder mal irgendwann einen ganz großen Bum und das Häus'chen bricht 'sammen. Dann kann man wieder ganz kleine Brötchen backen und ist froh für tgl. Brötchen im wörtlichen Sinne. ;-)
Wenn sich Gewinnerzielung in diesem Fall verbietet, warum sollte sich ein Unternehmen dem Wettbvewerb stellen? Warum sollte ein Unternehmen überhaupt Energieversorgung betreiben wollen? Warum wollen unsere Politiker denn, daß staatliche Betriebe privatisiert werden? Damit sie Gewinn abwerfen, auch für den Staat! Und das machen die Stromversorger!
Es liegt weder an Rückgrat noch an Moral, es liegt einfach daran, daß die Politker nicht auf die Einnhmen durch die Energieversorger verzichten können. Sehen Sie sich doch mal an, wer z. B. an den regionalen E.ON-Tochtergesellschaften beteiligt ist. Das sind meistens zu über 30 % Kommunen. Die kriegen also auch 30% der Dividenden! Was sollen die denn ohne das Geld machen? Glaubt irgendwer ernsthaft, die wollen darauf verzichten? Vorne schreinen sie also über die zu hohen Preise und hinten halten sie die Hände auf und kassieren! Was ist mit den Politikern, die in den Aufsichtsräten sitzen? Verzichten die auf ihre Tantiemen? Fordern die E.ON auf, die Preise zu senken? Nein, die fordern Bernotat auf, den Gewinn zu erhöhen!
OK, also liegt es doch irgendwo an Moral, aber an fehlender Moral der Politiker.
Paging