Entwicklungspolitik Ruanda sponsort den FC Arsenal

Viehbauern beim Weiden ihrer Herde außerhalb des Akagera National Park im Osten Ruandas.

(Foto: AFP)
  • Der englische Fußball-Erstligist FC Arsenal hat den afrikanischen Staat Ruanda als offiziellen Tourismus-Partner gewonnen.
  • Der Vertrag mit den Gunners hat eine Laufzeit von drei Jahren.
  • Der vorsichtige Versuch Ruandas, sein Image auf internationaler Ebene zu verändern, wird vielerorts als Provokation empfunden.
Von Bernd Dörries

Es gibt Gegenden in Afrika, da steht man mitten in einer Wüste plötzlich vor einer kleinen Hütte mit einem Generator und einem Fernseher, auf dem die englische Premier-League übertragen wird. Fußball ist alles in vielen afrikanischen Ländern, und die englische Liga die einzig relevante Größe. Gäbe es offizielle Statistiken, läge womöglich der FC Arsenal ganz vorne in der Gunst der meisten Afrikaner; in jedem noch so kleinen Dorf rennen die Kinder mit dem roten Trikot des Klubs herum, nicht mit dem der weit erfolgreicheren Rivalen aus Manchester.

Es ist ein seltsames Phänomen, das wahrscheinlich daher rührt, dass Arsenal besonders viele afrikanische Spieler hatte, als die Liga ihre internationale Expansion begann. Umgekehrt wird die Liebe nur bedingt erwidert: Die Mannschaft war zuletzt 1993 auf dem Kontinent, spielte ein paar Partien in Südafrika und ließ sich mit Nelson Mandela ablichten. Danach machte man einen Bogen um Afrika und die Millionen Fans.

Jetzt kommt Afrika eben nach London. Ende vergangener Woche schloss die staatliche Entwicklungsgesellschaft Ruandas einen Sponsorenvertrag mit Arsenal ab. Für geschätzte 35 Millionen Euro darf das Land drei Jahre lang "Visit Rwanda" auf die Ärmel der Trikots drucken lassen und so um Investoren und Touristen werben.

Ruanda ist auf einem guten Weg

Es klingt nach einem guten Plan, das Land gehört zu den sichersten und schönsten in Afrika, hat traumhafte Seen und eine wachsende Population von Berggorillas. Etwa 400 Millionen Dollar nahm Ruanda zuletzt durch den Tourismus ein, bis 2025 soll sich die Summe verdoppeln. Seit Jahrzehnten fordern die westlichen Regierungen afrikanische Länder dazu auf, ihre eigenen Industrien aufzubauen, eigene Einnahmequellen zu schaffen. Ruanda ist auf einem guten Weg; in der Hauptstadt Kigali gibt es ein modernes Kongresszentrum, in wenigen Wochen eröffnet ein Volkswagenwerk.

Es ist ein Bild von Afrika, abseits von Hunger und Krieg, das in Europa nicht so oft vorkommt. Und offenbar nicht vorkommen darf: Afrika hat arm und schrecklich zu sein. Der vorsichtige Versuch Ruandas, das Image auf internationaler Ebene zu verändern, wird vielerorts als Provokation empfunden. So lassen sich die wütenden Reaktionen zusammenfassen, die vor allem aus der Politik in Großbritannien kommen und in den Niederlanden. "Das ist absolut erstaunlich", sagte der Abgeordnete Andrew Bridgen von den Konservativen. "Die britischen Steuerzahler werden schockiert sein, wenn sie erfahren, dass ein Land, das dermaßen von Großbritannien unterstützt wird, sein Geld in einen unermesslich reichen Fußballverein pumpt. Das ist ein Eigentor für die Entwicklungshilfe."

Die Boulevardpresse rechnete gleich nach, dass Ruanda jährlich fast 70 Millionen Euro aus dem britischen Haushalt bekommt und nun die Hälfte für Trikotwerbung ausgibt. In Holland, einem der großen Geberländer, fordern die Grünen eine Untersuchung, wie ein Land sein Geld in Fußball stecken könne, wo es doch eigentlich die Unterernährung bekämpfen sollte. Es sind immer noch die edlen Spender, die entscheiden, was gut und was schlecht ist für Afrika.

Positive wirtschaftliche Entwicklung vs. schwierige Menschenrechtsbilanz

"Jeder, der unseren Vertrag mit Arsenal kritisiert, weil wir ein armes Land und Empfänger von Hilfsgeld sind, will entweder, dass wir arm bleiben, oder versteht nicht, dass in jeder Branche die Kosten für Marketing ein normaler Teil der Geschäftsausgaben sind", sagt Clare Akamanzi, die Geschäftsführerin der staatlichen Entwicklungsagentur.

Ruanda ist kein einfaches Land in Afrika: Einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung steht eine eher schwierige Menschenrechtsbilanz gegenüber. Präsident Paul Kagame, ein eingefleischter Arsenal-Fan, forderte schon 2012 den glücklosen Langzeit-Coach Arsène Wenger zum Rücktritt auf. In Ruanda umgekehrt den Rücktritt des Langzeit-Präsidenten zu fordern ist keine gute Idee. So ein Land habe nichts auf dem Ärmel eines Fußballvereins zu suchen, heißt es nun vor allem in England - wo die Fußballklubs oft russischen Oligarchen gehören oder Scheichs vom Golf. Deren dubioses Geld ist gerne gesehen, für Afrika gelten andere Standards. Dort darf es offenbar nur Hunger und Armut geben.

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