Entscheidung des Derivateverbands ISDA Kreditausfallversicherungen für Griechenland werden fällig

Der Internationale Derivateverband ISDA stuft den Forderungsverzicht der privaten Gläubiger gegenüber Griechenland als "Kreditereignis" ein. Damit müssen nun Kreditausfallversicherungen in Höhe von drei Milliarden Dollar ausgezahlt werden, mit denen sich Käufer von griechischen Staatsanleihen abgesichert hatten.

Nach dem griechischen Schuldenschnitt werden die komplexen Kreditausfallversicherungen fällig. Der Internationale Derivateverband ISDA stellte am Freitagabend wie erwartet ein sogenanntes Kreditereignis fest.

Mit diesem Begriff ist ein Zahlungsausfall gemeint, der die Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps/CDS) auslöst, mit denen sich bestimmte Halter von griechischen Staatsanleihen abgesichert haben. Einer Statistik eines darauf spezialisierten US-Clearinghauses zufolge geht es dabei um ein Volumen von maximal rund 3,2 Milliarden Dollar.

Die ISDA begründete diesen Schritt auf ihrer Website folgendermaßen: Trotz einer hohen freiwilligen Beteiligungsquote wolle Athen alle Halter von Anleihen nach griechischem Recht zum Forderungsverzicht zwingen. Zu diesem Zweck hatte Griechenland vorsorglich bereits ein Gesetz verabschiedet, das die Möglichkeit eröffnet, alte Anleihen rückwirkend mit Zwangsklauseln (Collective Action Clauses/CAC) auszustatten.

Die in London ansässigen International Swaps and Derivatives Association (ISDA) entscheidet, ob CDS fällig werden. Die Kreditausfallversicherungen haben während der letzten großen Finanzkrise eine entscheidende, weil verschärfende Rolle gespielt. Nachdem CDS-Titel bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 zu einem kolossalen Dominoeffekt und zur Beinah-Pleite des großen US-Versicherers AIG geführt hatten, sind ihre Auswirkungen gefürchtet.

Im Falle Griechenlands scheint ihre Rolle weniger kritisch zu sein. Zwar weiß niemand genau, welcher Investor wie viele CDS besitzt, somit sind die Folgen der ISDA-Entscheidung kaum absehbar. Analysten gehen aber davon aus, dass die CDS diesmal keine große Gefahr darstellen. Es seien wenige davon im Umlauf und die Märkte hätten schon eingepreist, dass die Versicherungen greifen. Die amerikanischen Börsen reagieren jedenfalls gelassen auf die Entscheidung der ISDA - eine Panik wie nach der Lehman-Pleite 2008 war nicht zu spüren.