Entschädigungen nach Fukushima-Katastrophe Rückkehr auf lange Sicht unmöglich

Angesichts des Streits fordern Umweltschützer nun ein weltweites Umdenken bei der Haftung für Atomunfälle. Es dürfe für Unternehmen keine Grenze für Entschädigungen bei Katastrophen mehr geben, so der deutsche Greenpeace-Experte Tobias Riedl. Auch Zulieferer der Anlagen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die Atomkatastrophe in Japan zeige, dass die Nuklearindustrie davor geschützt werde, die wahren Kosten der Technik zu tragen. In Japan hafte der Steuerzahler für Tepco. Es gebe für die Betroffenen keine Möglichkeiten, gegen Tepco-Manager oder Zulieferer wie den US-Konzern General Electric (GE) vorzugehen.

Dabei geht es um kaum vorstellbare Summen. Der Fukushima-Betreiber Tepco hatte die Kosten für die Aufräumarbeiten und Entschädigungen nach der Atomkatastrophe selbst auf umgerechnet 97 Milliarden Euro geschätzt. Die Dekontaminierung verstrahlter Gebiete und die Entschädigung derer, die durch das Unglück ihre Arbeitsplätze oder ihr Zuhause verloren haben, werde voraussichtlich das Doppelte der im April veranschlagten Summe kosten, erklärte Tepco Ende 2012. Das wären rund zwei Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts.

Für Tausende aus der Katastrophenregion bleibt die Rückkehr auf lange Sicht versperrt: Eine Fläche von 30.000 Quadratkilometern ist auf Jahrzehnte hinaus verstrahlt. Während die Allgemeinheit für die Kosten aufkäme, seien die Ausrüster des Kraftwerks nicht nur vor Regressforderungen geschützt, klagt Greenpeace. Die Atomfirmen verdienten auch noch an den Folgen des Unfalls. Die japanische Regierung hat bereits 25 Milliarden Euro in die de facto verstaatlichte Stromfirma Tepco gesteckt, die als Monopolist den Großraum Tokio versorgt. Für Entschädigungen und Dekontamination hatte sie schon früher 50 Milliarden Euro bereitgestellt. Dagegen könnten Firmen wie GE, Toshiba oder Hitachi, die wichtige Vertragspartner von Fukushima gewesen seien, weitermachen wie bisher, so das Papier. Die Zulieferer könnten im Gegenteil sogar von der Katastrophe profitieren und seien in die Aufräumarbeiten eingebunden.

Dass sich ein ganzes Heer von Mitarbeitern um die Entschädigungen kümmert, macht die Sache für die Betroffenen offenbar nicht leichter. 12.000 sind es bei Tepco. Yukiko Kameya hat ihre Erfahrungen gemacht mit der Entschädigungsbürokratie der Atomfirma. Rechnungen für Benzin und neue Kleidung auf der Flucht habe der Konzern sehen wollen. "Wenn Sie um Ihr Leben gerannt wären, hätten Sie das aufgehoben?", fragte Kameya den Tepco-Beschäftigten. Die Antwort? Schweigen.