"Ich hatte mal zwei, aber damit schaut dich keine Frau mehr an" - Blackberrys sind von Managerspielzeugen zu Mob-Werkzeugen geworden. Die Krawalle in England machen klar, dass die einstigen Statussymbole jetzt die Smartphones der Armen sind. Ihr Sicherheitssystem gerät unter Druck der Behörden, der Hersteller hat ein Problem.
Großbritannien erlebt die schlimmsten Krawalle seit drei Jahrzehnten - und glaubt man der Polizei, zählen zu den Tatwaffen in London und anderswo nicht nur Holzlatten, Brandbomben und Steine, sondern auch ein eigentlich harmloses Gerät, von dem man vor drei Jahrzehnten noch gar nicht zu träumen wagte: der Blackberry.
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Feuer in den Straßen: Auch in Liverpool kam es zu Ausschreitungen. Viele Randalierer verabreden sich über den Nachrichtendienst von Blackberry. (© dpa)
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Jenes Smartphone, das einst als Statussymbol und unverzichtbares Kommunikationsmittel aller Banker und Manager galt, ist zum Werkzeug der Krawallmacher geworden. Viele Randalierer verabreden sich über den kostenlosen Nachrichtendienst (BBM) der Blackberrys. Ihre Handlungsanweisungen sind eindeutig: "Purer Terror und Chaos und Sachen umsonst", wird in britischen Medien eine Aufforderung zur Gewalt zitiert. Und: "Werft einfach Schaufenster ein und holt euch, was ihr wollt!"
Bisher stand der Blackberry für die City of London, den Börsendistrikt. Jetzt steht er für Tottenham, das Viertel der Abgehängten.
Parlamentsabgeordnete wie David Lammy von der Labour-Partei wollen den Blackberry Messenger gar abschalten lassen. Scotland Yard versucht, an die Nachrichten heranzukommen. Und der Gerätehersteller will offenbar nicht als Unterstützer von Hooligans dastehen - das kanadische Unternehmen Research in Motion (RIM) sagte den Behörden die Zusammenarbeit zu.
Damit freilich schwächt es eines der wichtigsten Verkaufsargumente für Blackberrys. Die "Brombeere" verspricht für die Sicherheit, dass kein Dritter unerwünscht Meldungen mitliest. E-Mails und Nachrichtendienst sind verschlüsselt. Gerade das macht sie bei Unternehmen so beliebt.
Behörden stören sich deshalb seit längerem am Blackberry-Messenger. Die Aufrufe in London sind nicht der erste Fall, bei dem offizielle Stellen Einlass in die verschlüsselte Blackberry-Welt begehren. Auch die indische Regierung verlangt Zugang zu den Nachrichten - weil angeblich Terroristen mit ihrer Hilfe kommunizierten. Die Arabischen Emirate und Saudi-Arabien wollten den Dienst im vergangenen Jahr auf ihren Territorien gleich ganz abschalten. Nach Verhandlungen mit RIM nahmen sie davon Abstand.
Nun könnte das Image von Blackberry Schaden nehmen - durch die Rolle als Krawallhelfer ebenso wie durch die Offenheit gegenüber den Behörden. In sozialen Netzwerken schnellten negative Äußerungen über die Marke nach oben, teilte das Unternehmen Brandwatch mit, das solche Bewertungen misst. In der Spitze war die schlechte Resonanz im Netz rund fünfmal so hoch wie normal. Brandwatch-Geschäftsführer Giles Palmer: "Wie bei einem solchen Ereignis zu erwarten ist, umgibt Blackberry nachweislich eine negativere Stimmung. Ob es sich langfristig auswirken wird, ist aber noch unklar."
Die Vorfälle in London machen nun außerdem aller Welt klar, dass der Blackberry-Hersteller ein Absatzproblem gegenüber Apples iPhone und Googles Android-Handys hat - das einstige Managerspielzeug ist zu einem Protz-Utensil für die breite Masse geworden. "Früher hatte ich zwei Blackberrys, aber damit schaut dich ja keine Frau mehr an", sagt ein Londoner Banker, der anonym bleiben will.
Dass Blackberrys unter den Randalierern so beliebt sind, dürfte nicht in erster Linie Auslöser des Imageverlusts der Marke sein, sondern auch dessen Folge: Auf der britischen Amazon-Website sind die Preise der meisten Blackberry-Handys stark herabgesetzt. Sie werden für umgerechnet 170 Euro verramscht, anders schafft das Unternehmen seine Absatzzahlen nicht mehr. Im ersten Quartal gingen die Verkäufe auch so erstmals zurück. Ende Juli hat RIM angekündigt, 2000 Mitarbeiter feuern zu wollen, der Aktienkurs stürzte damals ab.
Smartphone der Abgehängten
Die einzige Hoffnung für das Unternehmen scheint das Playbook zu sein - der Tabletcomputer, im April eingeführt, soll Apples iPad angreifen. Nach eigenen Angaben lieferte der Konzern bis Juni 500.000 Stück davon aus.
Das Handy-Geschäft kann nur überleben, wenn der Konzern schnell neue Zielgruppen erschließt - preisbewusste Zielgruppen. In Großbritannien hat RIM damit seinen Marktanteil durchaus steigern können. Bei den 16- bis 24-Jährigen sind es 36 Prozent, Jugendliche treiben dort das ganze Wachstum. Mehr als zwei Drittel von ihnen nutzen den Blackberry-Nachrichtendienst als SMS-Ersatz.
Aus dieser Altersgruppe rekrutiert sich nun das Gros der Randalierer auf den Straßen Englands.
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(sueddeutsche.de/luk)
Mubarak-Prozess in Ägypten
Damit können die also schon eine Sache mehr als Sie. Haben Sie jetzt ihr blackberry weggeschmissen? Haha, das nützt bei Ihnen auch nix:)
........Sie denn falsch, dass Sie die Frauen weiterhin ansehen?
"Ich hatte mal zwei, aber damit schaut dich keine Frau mehr an"
??? Ich habe, hatte nie eines - mich sehen Frauen an. Auch ohne Ferrari, Porsche, Villa, etc.
Es ist bitter, dass Top-Manager, die die Unternehmen und damit die Weltwirtschaft leiten sich selbst ausschließlich über Status-Symbole definieren.
Charakter, Werte, Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft, Fähigkeit zur Empathie: Alles unwesentlich?
Offenbar ja. Kein Wunder, dass diese Welt an allen Ecken und Enden (England, Somalia, Griechenland) aus den Fugen gerät.
Wieder ein typisches Beispiel: Dieser kriminelle Mob ist zu dämlich zu allem, aber ein Smartphone können sie scheinbar noch bedienen.
"das einstige Managerspielzeug ist zu einem Protz-Utensil für die breite Masse geworden. "
Damit hat sich die Funktion nicht geändert. Nur protzen jetzt eben auch andere damit.
"Früher hatte ich zwei Blackberrys, aber damit schaut dich ja keine Frau mehr an", sagt ein Londoner Banker, der anonym bleiben will."
Schon blöd, wenn man nicht mehr zu bieten hat, als so ein Telefon. Wenigstens nährt das die Hoffnung, dass sich diese Art von Menschen nicht weiter vermehrt. Als Trost sollte man gleich ein paar außerplanmäßige Boni zahlen.
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