Energiewende als Milliardengeschäft Windige Versprechen

Wer sein Geld in Windparks oder Solaranlagen steckt, hofft auf große Renditen bei gutem Gewissen. Ein riskantes Kalkül: Staatsanwälte ermitteln bei immer mehr Unternehmen, die Anleger geprellt haben sollen.

Von Klaus Ott und Uwe Ritzer

Peter S. hat ganz schön viel auf dem Kerbholz. Das Vorstrafenregister des 45-jährigen Geschäftsmannes aus Nordrhein-Westfalen weist elf Einträge auf: Steuerhinterziehung, Betrug, Insolvenzverschleppung, Bankrott, Untreue und noch einiges mehr. Zeitweise war der gelernte Zimmermann, der später ins Immobiliengeschäft eingestiegen ist, sogar mit zwei Frauen verheiratet, das ist ebenfalls verboten. Doch das war noch das harmloseste Delikt, zumindest nach Ansicht der Justiz. Die Geldstrafe für die Polygamie belief sich damals auf lediglich 1800 Euro.

So jemand fühlt sich zuhause in einem Gewerbe, in dem es inzwischen offenbar vor Gaunern nur so wimmelt. In der Branche von Sonne und Wind, von Energie und Ökologie. Unter den vielen Firmen, mit denen Peter S. Reibach machte oder es versuchte, war auch eine Lichtenergiewerke AG aus Berlin. Die Aktiengesellschaft wurde im Internet als der "neue Stern am Himmel der Solarenergieunternehmen" angepriesen. Als "ewige Quelle" für Strom und Profite. Doch die Quelle versiegte recht schnell. Seit einem Jahr sitzt Peter S. in München in Untersuchungshaft, wegen mutmaßlicher Verbrechen mit gleich sechs Aktiengesellschaften. Eine von ihnen ist die Berliner Solarfirma. Dort soll Peter S. gefälscht und geschwindelt haben, zu Lasten der Aktionäre. Die Anklage liegt vor, ein Prozess steht an.

Sauberer Strom und schöne Gewinne

Aus der Energiewende ist längst ein Milliardengeschäft geworden, das Dunkelmänner anzieht. Wie beinahe überall, wo leicht Geld zu holen ist. Sauberer Strom und schöne Gewinne, solche Versprechen verleiten viele Kapitalanleger dazu, ihr Erspartes Öko-Firmen anzuvertrauen. Noch dazu, wenn der Staat die alternative Energiebranche per Gesetz so kräftig unterstützt wie kaum einen anderen Wirtschaftszweig. Allein in diesem Jahr fließen 18,5 Milliarden Euro, so viel wie noch nie, von den Verbrauchern an die Betreiber von Windparks, Solaranlagen und Biogaskraftwerken. Der Erlöse könnten weiter steigen. Hier zu investieren, gilt als sicherer Tipp. Und es beruhigt ja auch das eigene Gewissen, Gutes zu tun für die Umwelt und die kommenden Generationen. Doch längst nicht jedes Unternehmen, das sich einen grünen Anstrich gibt, verdient Vertrauen. Landauf, landab sind Polizisten und Staatsanwälte wegen Betrug und ähnlicher Delikte im Einsatz.

Der neueste Verdacht richtet sich gegen die Windreich AG aus Baden-Württemberg, die sich selbst als größten Anbieter von Windenergieparks in der Nordsee bezeichnet, weit vor Konzernen wie RWE, EnBW und Vattenfall. Marktanteil des Unternehmens aus dem Süden der Republik bei den Windrädern vor der norddeutschen Küste nach eigenen Angaben: 35,3 Prozent. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft glaubt, dass nicht alle Zahlen der Aktiengesellschaft stimmen, und ermittelt wegen Bilanzmanipulation . Das Unternehmen weist alle Vorwürfe zurück.

Ermittlungen bei großen Öko-Gesellschaften wie jetzt bei Windreich und länger schon bei Solar Millenium, bei Klitschen wie der Lichtenergiewerke AG und ähnlichen Firmen; das überrascht Branchenkenner überhaupt nicht. "Ich erlebe immer wieder dubiose Gestalten", sagt Sepp Bichler, der eine Solarfirma in Aichach bei Augsburg betreibt. Früher war Bichler einer der ersten Ökobauern in Bayern, jetzt baut er Fotovoltaik-Anlagen und bekommt öfters Angebote, bei anderen Unternehmen und Projekten mit einzusteigen. Ein Mal, erzählt er, sei sogar ein Preisboxer aus Hessen bei ihm aufgetaucht. Der habe keine Ahnung gehabt, aber große Sprüche geklopft, und schließlich sogar gesagt, "die Leute wollen betrogen werden". Bichler verabschiedete den Mann mit den Worten "schleich Dich!".