Die teure Energie treibt Umweltminister Gabriel um: Angesichts des rasanten Anstiegs des Ölpreises hat er sich für die Einführung von Energie-Sozialtarifen für Menschen mit geringem Einkommen ausgesprochen.
In anderen europäischen Ländern gebe es bereits bis zu einem bestimmten Energieverbrauch niedrige oder kostenfreie Tarife für ärmere Haushalte, sagte Sigmar Gabriel am Montag in Berlin. Man werde daher darüber reden müssen, "warum das bei uns so schwer umsetzbar ist".
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Der SPD-Politiker forderte zugleich eine Entkopplung des Gaspreises vom Ölpreis. Lange Zeit habe Deutschland von der Verkopplung profitiert, nun sei aber das Gegenteil eingetreten.
"Darum meine ich, dass es Sinn macht, diese Verkopplung aufzugeben." Allerdings sei dies Sache derjenigen, die die Verträge aushandelten. Die Politik habe hier kaum Einflussmöglichkeiten.
40 Prozent Erhöhung im Herbst
Gabriel wies die Äußerung von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zurück, der vom Umweltministerium erwartete Anstieg der Gaspreise um weitere bis zu 40 Prozent sei eine Spekulation. Gabriels Staatssekretär Michael Müller hatte am Wochenende erklärt, angesichts der Ölpreis-Explosion könne es im Herbst über die bereits bekanntgewordenen 25 Prozent hinaus noch einmal zu einer Gaspreiserhöhung um bis zu 40 Prozent in Deutschland kommen.
Der Ölpreis war Ende vergangener Woche um knapp neun Prozent auf einen neuen Rekord von mehr als 139 Dollar je Barrel geklettert, was weltweit Besorgnis und Ratlosigkeit ausgelöst hatte. Experten rechnen für Juli in den USA mit einem Sprung auf über 150 Dollar.
Gabriel sagte dazu lediglich, aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung sei mit steigenden Energie- und Rohstoffpreisen zu rechnen. Diese Feststellung gehöre zur Ehrlichkeit gegenüber der Bevölkerung hinzu. "Deswegen muss man weg von der Droge Öl, von der Droge Gas", fügte er hinzu. Zum einen sei ein effizienter Umgang mit diesen Energieträgern notwendig, zum anderen müsse verstärkt auf erneuerbare Energien gesetzt werden. Beides wolle die Bundesregierung mit ihrem am Freitag im Bundestag verabschiedeten Klimapaket erreichen.
Kritik aus den eigenen Reihen
Gabriels Vorschlag ist in der Koalition umstritten. "Ich bin für bezahlbare Energie für alle", sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Union, Ralf Brauksiepe, der Frankfurter Rundschau . Den von Sozialdemokraten geforderten Sozialtarif für Energie lehne er daher ab. Ausnahmen für einzelne Gruppen bei Energiepreisen müssten schließlich durch andere bezahlt werden, betonte Brauksiepe. "Wir müssen darauf achten, die Lasten für die Leistungsträger dieser Gesellschaft nicht immer weiter in die Höhe zu treiben."
SPD-Wirtschaftspolitiker Rainer Wend rief seine Partei auf, nicht mit falschen Versprechungen an die Öffentlichkeit zu gehen.
"Nur scheinbar klug"
Sozialtarife bei Strom, Gas oder Fernwärme seien eine "populistische, aber nur scheinbar plausible und kluge Idee". Wer neue Sozialleistungen verteilen wolle, solle dies über das Steuersystem oder die Sozialkassen machen.
Gegen steigende Energiekosten helfe nur eines, sagte Wend der Frankfurter Rundschau: "Wir müssen die Förderung alternativer Energien und der Einsparung massiv ausbauen."
Unterdessen hat die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, die Koppelung der Gas- an die Ölpreise kritisiert. "Man hat diese Regelung Anfang der sechziger Jahre eingeführt. Damals machte es noch Sinn, um die Pipelines zu bauen und zu investieren. Man wollte verhindern, dass Gas ein billiges Konkurrenzprodukt zum Öl wird. Das ist heute nicht mehr zeitgemäß", sagte sie am Montag im ARD-Morgenmagazin.
"Der Gaspreis sollte sich frei am Markt entwickeln. Wir wollen ja mehr Wettbewerb. Deswegen, denke ich, sollten wir diese Ölpreisbindung aufheben", forderte Kemfert.
Der bayerische Minister für Bundes- und Europangelegenheiten, Markus Söder, sprach sich angesichts der Preisentwicklung für eine konsequentere Wettbewerbskontrolle aus. Zugleich forderte er im Deutschlandradio Kultur einen Ausbau der regenerativen Energien.
Es dränge sich der Eindruck auf, dass nicht alle Teuerungen nur auf eine Energieknappheit zurückzuführen seien, sagte der CSU-Politiker. Ebenso hätten die Preissteigerungen wohl mit der Geschäftspolitik der Konzerne zu tun.
Natürlich seien auch der weltweit steigende Bedarf an Energie und die Knappheit der Ressourcen verantwortlich: "Deswegen ist es im Übrigen auch so wichtig, wenn man mal langfristig denkt, dass wir in Deutschland den Anteil der regenerativen Energien steigern und uns damit weitgehend unabhängig machen."
(sueddeutsche.de/Reuters/dpa/mel/hgn)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Ich kann der Idee einer "vergünstigten Energie-Grundausstattung" als Denkansatz auch tatsächlich etwas Gutes abgewinnen.
Zumindest wenn mit dieser Grundausstattung Jeder bedacht würde - und die die Kosten auf jene Verbraucher aufgeschlagen würden, welche weit über diese Grundausstattung hinaus Energie verbrauchen.
An einem gewissen "Grundsockel" an Energieverbrauch wird man in der Tat nicht viel sparen können. Hier entstehen in folge steigender Energiekosten in der Tat soziale Härten die so oder so von der Allgemeinheit finanziert werden müssen.
Warum diese soziale Härten nicht von jenen Leuten finanzieren lassen, welche besonders viel Energie verbrauchen? Ist doch zumindest sinnvoller als vollkommen verhaltensunabhängig Bürger dafür "zu bestrafen" daß sie mehr Geld in der Lohntüte haben.
Das schöne an progressiven Energiekosten wäre ja im Grunde der Anreiz für die Betroffenen diese Mehrkosten durch Investitionen in Energiesparmaßnahmen zu vermeiden.
Aber diesen Weg wird man von einer SPD wohl nicht erwarten dürfen. Da feiert wohl tatsächlich nur der Populismus freudige Urständ.
Mal sehen wann auch in Deutschland ein Kandidat den Wählern "steuerfreies Benzin" verspricht wie vor kurzem Hillary...
...weg von der DROGE ? Gas...
Bitte klärt einen zukünftigen Energy Junkie auf, Süchtige begehen bekanntlich auch einen Mord um Ihre Sucht zu befriedigen -
Und ganz wichtig, seit wann gehören Oel und Gas zu den Betäubungmitteln und inwieweit
mache ich mich strafbar wenn ich dies oder eine Droge davon konsumiere um im Winter nicht zu frieren mein Badewasser warm zu halten oder einfach nur die Droge Kaffee nicht kalt konsumieren will...
Mit primitivstem Populismus versucht die sich zur Splitterpartei entwickelnde SPD Stimmen zu gewinnen. Statt die Angst vor höheren Gastarifen spekulativ anzuheizen, sollte man mit Abschaffung der Ökosteuer und des Soli sowie Senkung der Mehrwertsteuer Signale setzen.
Das mit den Sozialtarifen ist doch mehr als naiv! Wie wäre es, Supermärkte, Gaststätten und Tankstellen zu verpflichteten, für Minderbemittelte soziale Preise für Lebensmittel Speisen, Getränke und Benzin einzuführen? Bezahlen müssten das ohnehin Arbeitnehmer und Steuerzahler mit immer mehr Bürokratie, höheren Steuern und Abgaben.
Im Extremfall könnte auch daran gedacht werden, von Mercedes, BMW oder Audi günstigere Preise für sozial Schwache anzubieten. Hat dieser Personenkreis nicht auch ein Recht auf mehr Sicherheit oder Freude am Fahren?
@ fair-play:
Da geben Sie aber ein schönes Stichwort mit dieser Erkenntnis!
IhrZitat: "....dann bleibt Energie FÜR ALLE bezahlbar !!!"
Und woher kommt denn Ihr "energetisches Freibier" FÜR ALLE???
Wächst das jetzt "nachhaltig" auf den Bäumen. oder den Äckern oder den Wiesen oder schwimmt es im Meer oder wird's erträumt?
Oder kommt es gar von der Atommafia? Da schaudert's mich ja!!!
Macht mir die Steckdosen weg, ich will keinen Strom mehr haben!!!
wenn das mit Energiesucht stimmt, dann bedeutet dies, dass 90 Proz. der Menschen in diesem Land berauscht sind. Für Konzepte reichen wenige Könner, für die Umsetzung brauchen wir uns alle. Ob das im Rausch klappen wird? Eher nicht. Nein, was jetzt so alles hochkommen wird an Beschreibungen, kann gleich in den Papierkorb. Weder gesellschaftliche Umorientierung noch technische Flankierung werden die Prozesse der nächsten Dekade in menschenwürdige Bahnen bringen. Es darf gebetet werden, dass das alles möglichst gewaltfrei bleibt. Sicher: das kann als negatives Rumgeunke aufgefasst werden. Würde ich auch so machen. Und ehrlich wäre ich auch froh, wenn das nur mein Geunke ist. Es darf jedoch gedacht werden, dass es das Modell der kommenden Jahre gut beschreibt. Muss das jetzt auch in den Papierkorb?
Paging