Energiekonzern muss sparen Eon streicht in Deutschland 6000 Stellen

Eon ist Deutschlands größter Energiekonzern - doch der Atomausstieg und der Preisverfall bei Erdgas setzen ihm angeblich so stark zu, dass er massiv sparen muss. Nach SZ-Informationen will Eon alleine in Deutschland 6000 Mitarbeiter entlassen. Die Betriebsräte kündigen Streiks an.

Von Markus Balser

Dreißig Konzernbetriebsräte aus ganz Deutschland hatte die Eon-Spitze zum vertraulichen Gespräch nach Düsseldorf gebeten. Dass es in der Zentrale schlechte Nachrichten geben würde, war den Arbeitnehmervertretern klar. Doch was sie dann von der Eon-Spitze erfuhren, übertraf ihre schlimmsten Erwartungen: Bis zu 6000 Jobs wolle der Konzern allein in Deutschland streichen, kündigte das Management bei dem geheim gehaltenen Treffen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung an - deutlich mehr als bislang befürchtet.

Eon will alleine in Deutschland 6000 Mitarbeiter entlassen, weltweit sogar rund 11.000.

(Foto: dpa)

Der Konzern macht ernst mit seinem bereits angekündigten Stellenabbau. Das Unternehmen bekräftigte am Dienstag seine Pläne, weltweit bis zu 11.000 der insgesamt 80.000 Arbeitsplätze zu streichen. Doch offenbar gibt es intern längst Zweifel, ob das reicht um die gesetzten Sparziele von 9,5 Milliarden Euro bis 2015 zu erfüllen. Der Abbau könnte sogar noch größer ausfallen, verlautete am Dienstag aus Konzernkreisen.

Für Eon und die deutsche Energiewirtschaft brechen damit endgültig harte Zeiten an. Die Einschnitte bedeuten eine radikale Wende in der Konzernpolitik. Denn bis zum Jahresanfang galt der Konzern mit seiner noblen Zentrale in Düsseldorf noch als Garant für sichere Jobs und als deutsches Vorzeigeunternehmen auf dem Sprung in die Weltspitze.

Die Börse bewertete Eon in den besten Zeiten mit rund 100 Milliarden Euro. Doch seit die Bundesregierung die Energiewende entschieden vorantreibt, ist der Konzern nur noch ein Schatten der Vergangenheit. Der Börsenkurs stürzte ab. Eon wird vom Atomausstieg und dem Preisverfall bei Erdgas doppelt in die Zange genommen. Im einst sehr profitablen Gasgeschäft droht ein Milliardenverlust. Verhandlungen über Preisnachlässe mit dem mächtigen Lieferanten Gazprom blieben bislang erfolglos.

Auf Betriebsversammlungen informierte der Konzern am Dienstag seine Mitarbeiter an den größten Standorten in Essen, Hannover, München sowie bei der Handelstochter Energy Trading in Düsseldorf über die Inhalte des bislang unter Verschluss gehaltenen Umbauplans "Eon 2.0". Dem Papier der Unternehmensberatung McKinsey zufolge sollen Steuerungsfunktionen des Konzerns im Raum Düsseldorf und Essen zusammen gelegt werden. Außerdem soll das weltweite Gas- und Handelsgeschäft zusammengeführt werden.

Die deutschen Eon-Aktivitäten sollen von Essen aus gesteuert werden. Zwar bleiben alle vier großen Verwaltungsstandorte Düsseldorf, Essen, Hannover und München erhalten. Allerdings könnte der Standort Hannover um 500 bis 1000 und der Standort München um 1000 bis 1500 Stellen verkleinert werden.

Damit droht die Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften ausgerechnet in der entscheidenden Phase der Energiewende zu eskalieren. "Das werden wir uns nicht bieten lassen", sagt ein führender Betriebsrat der Süddeutschen Zeitung. Die bei Eon dominierende Gewerkschaft Verdi kündigte am Dienstag an, dass sie sich dem Vorstandsdiktat nicht ohne Weiteres fügen wird. Sie verlangt einen Beschäftigungssicherungsvertrag. Von Ende November an will die Gewerkschaftsspitze mit Eon über die Modalitäten des Umbaus verhandeln.

Auch die noch im Herbst als Befreiungsschlag gefeierte Internationalisierung von Eon gerät offenbar ins Stocken. Eon-Chef Johannes Teyssen hatte sich zuletzt intensiv um einen Einstieg seines Unternehmens beim portugiesischen Versorger Energias de Portugal (EDP) bemüht, von dem sich der portugiesische Staat trennen will. Doch Eon sei derzeit nicht in führender Position, erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Verhandlungskreisen. Konkurrenten hätten die besseren Angebote vorgelegt. Zum Verkauf stehen gut 20 Prozent an dem Unternehmen.