Europas Nordländer treiben die Energiewende voran. Doch die Verbraucher bangen - sie fürchten steigende Preise.
Was Inchincoosh mit Hamburg zu tun hat? Eine ganze Menge, findet Irlands Energieminister Eamon Ryan. Denn an der stürmischen Südwestküste Irlands vor dem kleinen Ort in der Grafschaft Kerry entsteht derzeit einer der größten Windparks des Landes. Die ersten Turbinen sind schon da. Tausende Haushalte sollen die Rotoren bald mit Strom versorgen - wenn viel Wind bläst, könnte aber auch der Rest Europas vom rauen irischen Sturm profitieren, findet Ryan. Bis aufs deutsche Festland soll der Strom bald fließen, wenn das Riesenprojekt Realität wird, das Ryan und acht Ministerkollegen planen: Ein Tausende Kilometer langes Hightech-Stromnetz auf dem Grund der Nordsee. Kosten: Rund 30 Milliarden Euro.
Für rund 30 Milliarden Euro soll ein Tausende Kilometer langes Hightech-Stromnetz auf dem Grund der Nordsee entstehen. (© Foto: dpa)
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Experten gehen davon aus, dass der Milliardenplan trotz hoher Kosten schon bald realisiert wird. Denn die Zeit drängt. Überall vor Europas Küsten entstehen große Windfarmen. Allein Deutschland will 40 Meereskraftwerke bauen lassen. "Der Anteil der Erneuerbaren Energien wird in den nächsten Jahren deutlich ausgebaut. Das Stromnetz ist dafür noch nicht gerüstet", warnt Claudia Kemfert, Klima- und Energieexpertin und Leiterin der Abteilung Klima und Energie beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. "Ein Nordsee-Netz ist dringend nötig", sagt Kemfert. Deutsche Windanlagen müssten schon heute zeitweise vom Markt genommen werden, weil das Netz den Strom in Spitzenzeiten nicht aufnehmen könne. Nur ein rascher Netzausbau könne Abhilfe schaffen.
Die Meeresallianz - ein Meilenstein
Die Bundesregierung selbst wertet die Meeresallianz als Meilenstein. "Wir stehen vor wichtigen Aufgaben: Es geht um eine grundlegende Umgestaltung und Modernisierung der Stromnetze, ja der Energiesysteme insgesamt", erklärte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nach Bekanntwerden des Milliardenvorhabens. "Wir wollen dazu beitragen, dass uns möglichst schnell der Sprung in das regenerative Zeitalter gelingt". Auf Netzanbindung und Netzintegration komme es an, damit der Windstrom zu den Verbrauchern gelange und Hochsee-Windparks zum Erfolg würden.
Doch die Pläne der Politik dürften nicht nur Freunde finden. Europas Energiebranche stellt der Plan vor große Herausforderungen. Denn für Branchengrößen wie Eon oder RWE könnten ihre teuren fossilen Meiler schneller an Bedeutung verlieren, als ihnen lieb ist. "Die Kohlekraftwerke, die jetzt im Bau sind, werden wir wohl nicht mehr brauchen", sagt Energieökonomin Kemfert. Die Energiewirtschaft beginne mit dem Projekt, sich von Grund auf zu ändern.
Noch sind die großen Energiekonzerne und Netzbetreiber in die politischen Pläne kaum involviert. Doch wenn die Gespräche auf politischer Ebene noch in diesem Monat beginnen, wird es auch darum gehen, wer die hohen Kosten des Supernetzes tragen soll. Verbraucherschützer warnen bereits vor steigenden Strompreisen für Kunden. Kemfert gibt dagegen Entwarnung: "Der Strompreis wird nicht steigen", erwartet die DIW-Forscherin.
Zwar würden sich Versorger und Netzbetreiber Investitionen von Stromkunden zurückholen. Gleichzeitig aber werde der Wettbewerb auf dem Strommarkt in den nächsten Jahren härter. "Das wird Steigerungen auffangen", ist sich Kemfert sicher. Zudem falle bei der Strom-Erzeugung aus Wind kein Kohlendioxid an, und gerade dafür müssen die Versorger immer mehr zahlen. "Strom aus Kohlekraftwerken wird in den nächsten zehn Jahren um mindestens 15 Prozent teurer, weil die Stromkonzerne immer teurere CO2-Zertifikate kaufen müssen."
(SZ vom 07.01.2010/mel)
- Professur (w2) - Energietechnik– Georg-Simon-Ohm-Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Nürnberg, Nürnberg
- Projektmanager (m/w) Bau / Energie / Facility– AMEOS Gruppe, Zürich oder Ameos-Region in Deutschland oder Österreich
- Referent Controlling (m/w)– Thüga Aktiengesellschaft, München
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"Es gibt aber kein Verbot für ineffiziente Altkraftwerke, da bei den meisten braun- und Steinkohlekraftwerken die Abschreibungen höher sind als die Brennstoffkosten."
Ich dachte, dafür gibt´s den Handel mit CO2 Zertifikaten? Wenn so ein BKKW zuviel CO2 emmitiert, müssen Zertifikate nachgekauft werden, welche die Betriebskosten ja erhöhen.
Beste Grüsse Balldieb
Minimix ein Windrad holt nur einen Teil der kinetischen Energie aus dem Wind, der seine überstrichene Fläche durchströmt. Und wenn Sie die überstrichene Fläche des Rotors mal mit der gigantischen Querschnittsfläche des Luftstroms vergleichen, können Sie Ihre Sorgen in den Griff kriegen.
Der Wind wird durch die derzeitige Erwärmung der Atmosphäre sicher nicht weniger ;)
"Die Kohlekraftwerke, die jetzt im Bau sind, werden wir wohl nicht mehr brauchen"
Sicher brauchen wir die. Müssten nur vollständig abgeschriebene Altkraftwerke im Gegenzug stillgelegt oder noch besser, in die "Dritte Welt" exportiert werden. Beim PKW baut man alle 3-4 Jahre ne neue Steuerstufe, schafft Plaketten und Fahrverbote. Es gibt aber kein Verbot für ineffiziente Altkraftwerke, da bei den meisten braun- und Steinkohlekraftwerken die Abschreibungen höher sind als die Brennstoffkosten. Also werden alte Kraftwerke bis zum letzten Moment "getreten", aber alte PKW mit Strafsteuern belegt und müssen ggf. verschrottet/verkauft werden.
Ein Mindestwirkungsgrad bzw. eine maximale CO2 Emission je kWh elektrisch würden Wunder bewirken, dummerweise aber auch die Milliardengewinne der Energiekonzerne schmelzen lassen.
Bei der Werbung für Windparks wird häufig darauf hingewiesen, dass zwischen den einzelnen Windrädern ein bestimmter Abstand eingehalten werden muss, weil diese sich sonst gegenseitig "den Wind nehmen". Ist eigentlich logisch: der Wind kann seine Energie nur 1mal abgeben, dann ist sie verpufft.
Es wird höchste Zeit nachzufragen, ob die gigantischen Windräder auf Hoher See nicht ebenfalls unser Klima spürbar beeinflussen !!! Könnte ja sein, dass dies neutral oder vielleicht sogar einen positiven Einfluss hat. Aber was ist, wenn wir dadurch massiv die wetterbildenden Luftströmungen negativ beeinflussen ???
Nun jetzt hat man Angst um steigende Preise, warum will man die Investionen innerhalb von 3 Jahren herausholen,dann ja. Aber es gibt die EU und den Staat der wird den Verbrauchern bestimmt helfen,dass ihm nicht das Fell ueber die Ohren gezogen wird,wetten ? Es sollte auch hier so sein das der Strommarkt transparennt bleibt,eine Hoffnung die bei uns bestimmt,in der FDP auf Zustimmung trifft,es sei denn es gibt eine gute Parteispende die dann hilft die Bedenken beiseite zu raeumen.