Energie-Agentur Solar boomt

Ein Mitarbeiter prüft eine Photovoltaik-Anlage: Keine Technologie wächst so stark wie Sonnenenergie.

(Foto: Michael Reichel/dpa)

Die Internationale Energie-Agentur erwartet einen massiven Zuwachs bei erneuerbaren Energien.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Wie man sich täuschen kann, das weiß die Internationale Energie-Agentur (IEA) ziemlich genau. Vor fünf Jahren sagte sie einen ständig wachsenden Anteil erneuerbarer Energien voraus. In den Jahren 2031 bis 2035, so prognostizierten die Experten der Pariser Behörde, würden weltweit jährlich knapp 170 Gigawatt ans Netz gehen. Recht hatten sie, nur der Zeitpunkt war falsch: Schon 2016 war die Marke erreicht. Es geht eben alles viel schneller.

Das sagt nun auch die neue Prognose voraus, die IEA hat sie am Mittwoch vorgelegt. Allein bis 2022 werde die globale Kapazität erneuerbarer Energien um weitere 920 Gigawatt zulegen, erwartet sie nun. "Das entspricht der Hälfte der globalen Kohlekraft-Kapazitäten", sagt IEA-Chef Fatih Birol. "Und die brauchten für die Errichtung 80 Jahre." Schon im vergangenen Jahr liefen zwei Drittel aller neu installierten Kraftwerke mit erneuerbarer Energie, vor allem von der Sonne. "Was wir erleben, ist die Geburt einer neuen Ära der Photovoltaik", sagt Birol. Keine Öko-Technologie werde in den nächsten Jahren so stark wachsen, wie die Sonnenenergie.

Weltweit sind die Kosten neuer Solarmodule in den vergangenen Jahren massiv gefallen. Auch eine Studie des Mercator Forschungszentrums zu globalen Gemeingütern (MCC) war unlängst zu dem Ergebnis gekommen, dass deshalb die Solarenergie in Szenarien des Weltklimarats um das Dreifache unterschätzt wurde - bis 2050 könnte ihr Anteil am globalen Energieverbrauch bei 30 bis 50 Prozent liegen.

Nimmt man andere erneuerbare Quellen hinzu, also Wasserkraft, Windenergie oder Geothermie, erwartet die IEA nun für 2022 einen globalen Ökostrom-Anteil von 30 Prozent. Mit mehr als 8000 Terawattstunden würde sie damit ausreichen, um China, Indien und Deutschland komplett zu versorgen. China und Indien zählen zugleich zu den größten Wachstumsmärkten. Allein im vergangenen Jahr entstand fast jede zweite neue Solaranlage in China. Pekings Solarziel für 2020 ist damit schon 2017 übertroffen.

Ungeachtet aller politischen Unwägbarkeiten bleiben die USA Wachstumsmarkt Nummer zwei. Zwar setzt sich dort Präsident Donald Trump für die Kohle ein - investiert wird aber in Sonne und Wind. Das liegt auch an Steueranreizen, die bisher noch fortbestehen, zudem fördern einige Bundesstaaten weiterhin den Ausbau. Nur in der EU sieht die Sache schlechter aus. Während sich der Boom andernorts beschleunigt, erwartet die IEA hier ein um 40 Prozent schwächeres Wachstum als zwischen 2012 und 2017. Aber vielleicht irrt sie ja noch mal.