Endspurt im Rennen um Opel Heftige Kritik an Magna - Fiats Chancen steigen

Innerhalb der Bundesregierung wachsen die Vorbehalte gegen den Opel-Interessenten Magna. Wirtschaftsminister Guttenberg favorisiert zunehmend das Fiat-Konzept.

Von T. Fromm, C. Hulverscheidt, T. Öchsner und H. Schwarz

Magna-Chef Stronach, AP

Der Kampf um Opel geht in die entscheidende Phase.

(Foto: Foto: ddp)

Nach den Plänen von Magna ergäbe sich in der Bilanz des Unternehmens "New Opel" ein negatives Eigenkapital von knapp vier Milliarden Euro, sagte ein CDU-Abgeordneter. In der Union wird auch die von dem Autozulieferer genannte Eigeninvestitionen von 700 Millionen Euro kritisch gesehen.

Dies sei kein eigenes Geld, heißt es. Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg habe dies in der Sitzung der Fraktion am Dienstag deutlich gemacht.

Für 200 Millionen Euro wolle Magna Bürgschaften. Die anderen 500 Millionen seien "vorrangig abgesichert", berichteten Abgeordnete. Würde das neue Unternehmen pleite gehen, müsste dann aus der Insolvenzmasse zuerst Magna Geld erhalten. Die Staatsbürgschaften, die Bund und Länder in Milliardenhöhe geben wollen, würden in diesem Fall nicht zuerst bedient werden. Das Fiat-Angebot werde deshalb zunehmend als die seriösere Offerte angesehen. Denn Magna lasse nicht erkennen, selbst ins Risiko gehen zu wollen. "Ein Investor kann nur dann mit Unterstützung durch die Bundesregierung rechnen, wenn er selbst ins Risiko geht und damit unter Beweis stellt, dass er an die langfristige Tragfähigkeit seines eigenen Konzepts glaubt", hieß es in Regierungskreisen.

Innerhalb des Bundeskabinetts gibt es somit unterschiedliche Auffassungen über die Qualität der Bieter-Konzepte. Während Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) unverändert das Magna-Modell befürworte, favorisiere Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zunehmend das Fiat-Konzept, verlautete aus Regierungskreisen.

Fiat wird positiv angerechnet, dass der italienische Autohersteller sein Autogeschäft in das neue Gemeinschaftsunternehmen einbringe. An anderer Stelle wurde allerdings darauf verwiesen, dass auch das Fiat-Modell Tücken aufweise und risikobehaftet sei.

Nach Angaben von Guttenberg ist kurzfristig ein weiterer Investor für Opel aufgetaucht. "Es gibt ein signalisiertes Interesse aus China", sagte Guttenberg am Dienstag in Berlin. Dabei handelt es sich nach Angaben aus Regierungskreisen um Beijing Automotive Industry Corp (BAIC).

Auch in Opel-Kreisen wurde dies bestätigt, der Offerte aber wenig Chancen eingeräumt. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass das Angebot nicht fristgerecht eingegangen ist. Chinesen spielen bei den Verhandlungen keine Rolle, heißt es in Regierungskreisen.

Klaus Franz, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel, sagt am Dienstag dazu, er könne sich kaum vorstellen, dass der Opel-Mutterkonzern General Motors "wertvolle Technik und das hohe Wissen" an ein chinesisches Unternehmen weiterreichen wird.

Seriöses Angebot

Die beiden Interessenten Magna und Ripplewood hatten ihre Konzepte den Arbeitnehmervertretern vorgestellt. Franz teilte mit, sein Favorit sei nach wie vor Magna, der Bieter sei in der "Pole Position". Fiat sei einer Einladung nach Rüsselsheim nicht gefolgt. "Das ist inakzeptabel und eine Provokation", sagte Franz.

Fiat-Chef Sergio Marchionne sprach am Dienstagvormittag im Kanzleramt mit Angela Merkel (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Guttenberg. Guttenberg sagte, die Italiener hätten "kein schlechtes Konzept" vorgelegt. Das Angebot sei seriös: "Aber es sind weitere Nachbesserungen notwendig." Aus Fiat-Kreisen hieß es nach den Gesprächen, man sei zuversichtlich. Die Verhandlungen seien "konstruktiv". Fiat fordere nun Staatshilfen in Höhe von sechs Milliarden Euro, statt bisher sieben Milliarden Euro, teilte Marchionne mit.

An diesem Mittwoch wollen die Kanzlerin sowie die mit dem Fall befassten Minister und Spitzenbeamten bis spät in die Nacht hinein Einzelgespräche mit allen Beteiligten führen. Am Ende der Beratungen wollen die Spitzen der großen Koalition eine Vorentscheidung treffen, welche Offerte die Bundesregierung in den Verhandlungen unterstützt. Endgültig wird über den Verkauf aber in den USA entschieden.