Empörung über EU-Verordnung "Monopolisierung des weltweiten Saatgutmarktes"

"Wir erleben eine fortschreitende Monopolisierung des weltweiten Saatgutmarktes", kritisiert auch Martin Häusling, Agrarexperte der Grünen im EU-Parlament. Er verweist auf Zahlen der Welternährungsorganisation FAO, wonach seit 1990 weltweit 75 Prozent der genetischen Vielfalt in der Landwirtschaft verloren gegangen sind. Dieser Trend werde durch das geplante Gesetz verschärft.

Bei dem Streit um die neue Saatgutverordnung geht es um viel mehr als nur ein paar Saatkörner für Hobby-Gärtner. Auf den Feldern und in den Gärten tobt ein knallharter Verdrängungswettbewerb. Agrarkonzerne, Bauern und unabhängige Pflanzenzüchter ringen um das Recht, wer Saatgut herstellen und in den Handel bringen darf.

Ein Streit, bei dem es um sehr viel Geld geht. Denn nicht jede Tomaten- oder Gurkensorte darf einfach so vermehrt und in den Handel gebracht werden. Fehlt die notwendige Zulassung, macht sich der Erzeuger strafbar. Ausgenommen sind von dieser Regel innerhalb der EU bislang eine ganze Reihe von alten Sorten, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie nicht in den Großhandel gelangen.

Flut von Patentanträgen

Eine entscheidende Rolle im Kampf um den milliardenschweren Saatgutmarkt spielen Pflanzen-Patente. Sie sind das Vehikel, mit dem Monsanto und Co. versuchen, unabhängige Pflanzenzüchter aus dem Markt zu drängen. Mit Erfolg, der Marktanteil kleiner Saatgutbetriebe schwindet. Das Europäische Patentamt (EPA) kann die Flut von Patentanträgen - auch für gentechnisch veränderte Pflanzen - kaum noch bewältigen. Der Druck auf die Behörde wächst. Kritiker fordern, Patente auf Pflanzen ganz zu verbieten. Eine Unterschriftenaktion des Netzwerks Avaaz gegen Patente auf Pflanzen haben mehr als zwei Millionen Menschen unterzeichnet. Die Liste wurde am Dienstag dem Aigner-Ministerium übergeben.

Die Europäische Kommission betreibt nach der Protestwelle Schadensbegrenzung. "Privatgärtner können auch in Zukunft ihr Saatgut wie bisher verwenden", heißt es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Eine Entwarnung ist das aber noch lange nicht, denn an einer Verschärfung der Regeln für Landwirte und Gartenbaubetriebe hält die Kommission fest. Das kritisiert auch Häusling von den Grünen. "Die Kommission muss eine Verordnung vorlegen, die Vielfalt und Unabhängigkeit sichert, statt Monopolisierung voranzutreiben."