Aufgrund der Krise kündigt Australiens Regierungschef einen Aufschub des Emissionshandels an. Umweltschützer sind empört.
Australien hat mit Verweis auf die schlechte Wirtschaftslage den geplanten Emissionshandel zur Reduzierung der Treibhausgase um ein Jahr verschoben.
Rauchende Schornsteine (wie hier in einem deutschen Kraftwerk) wird es in Australien auch weiterhin geben: Der Regierungschef will den für 2010 geplanten Einstieg in den Emissionshandel verschieben. (© Foto: AP)
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"Die schlimmste globale Rezession seit der Großen Depression bedeutet, dass wir unsere Maßnahmen gegen den Klimawandel anpassen - aber nicht aufgeben - müssen", sagte Regierungschef Kevin Rudd am Montag.
Der Handel soll nun statt im Juli nächsten Jahres erst 2011 beginnen. Australien ist wegen seiner großen Kohleindustrie unter den Industrieländern im Verhältnis zur Bevölkerungszahl einer der größten Klimasünder der Welt. Rudd stellte der Industrie, die seit Monaten gegen den Emissionshandel opponiert hat, weitere Erleichterungen in Aussicht.
So wird der Startpreis pro Zertifikat für eine Tonne CO2 von zehn auf sieben australische Dollar (3,90 Euro) reduziert. In Europa, wo seit 2005 mit Emissionszertifikaten gehandelt wird, schwankt der Preis pro Tonne zur Zeit um zehn Euro. Rudd versprach den Firmen auch großzügigere Zuteilungen bei der Verteilung der Emissionsrechte.
Umweltschützer kritisieren "ineffektives System"
Umweltschützer sind von diesem Verhalten empört. Rudd habe sich von der Kohleindustrie vereinnahmen lassen, sagte John Hepburn von Greenpeace. Mark Diesendorf vom Umweltforschungsinstitut der University of New South Wales warf Rudd vor, die globale Wirtschaftsflaute als Feigenblatt zu nehmen, um sich aus seinen Wahlversprechen zu stehlen. "Er will ein System durchdrücken, dass völlig ineffektiv ist, aber den Eindruck erweckt, dass er was tut", meinte er.
Die Vorsitzende des Industrieverbandes lobte Rudds Vorstoß. Die Verzögerung sei wichtig, um den Firmen mehr Sicherheit bei Investitionsentscheidungen zu geben, sagte Heather Ridout. In einer Konzession an die Umweltschützer stellte Rudd allerdings schärfere Zielvorgaben für die Reduzierung der Treibhausgase in Aussicht.
Bislang strebte die Regierung bis 2020 eine Reduzierung zwischen fünf und 15 Prozent unter das Niveau von 2000 an. Das könne auf 25 Prozent steigen, wenn andere Länder beim Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen ähnlichen Zielen zustimmen würden, sagte Rudd.
Rudd war Ende 2007 mit einem betont umwelt- und klimafreundlichen Wahlprogramm ins Amt gekommen, als erste Amtshandlung hatte er das internationale Klimaschutz-Protokoll von Kyoto ratifiziert. Der jetzt verkündete Aufschub beim Emissionshandel bedeutet auch, dass das umstrittene Projekt erst nach der nächsten Wahl Ende 2010 starten wird.
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(sueddeutsche.de/dpa/AFP/kaf/hgn)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
brauchen das Geld wohl für die Restaurierung ihrer jüngsten Klimawandel-Folgeschäden.
Endlich einmal eine vernünftige Entscheidung. Noch besser wäre gewesen, Rudd hätte diesen ganzen Unsinn, der die Wirtschaft nur Geld kostet und dem Weltklima überhaupt nichts bringt, gänzlich abgesagt.
Es wäre vernünftiger, die CO2-Emissionen direkt zu besteuern und nicht den Strom, dann würde sich der Markt automatisch die wirtschaftliche Alternative suchen. Allerdings könnten sich dann nicht Zertifikatehändler und Investoren am Klima bereichern.
Das war schon seit langem zu erwarten gewesen: Vom Lobbyismus korrumpierte Politiker nutzen die Wirtschaftskrise als Ausrede, um die ohnehin schon halbherzigen Klimaschutzmaßnahmen auszuhebeln. Ich bin gespannt, wann es in Deutschland soweit sein wird. Vermutlich nach der Bundestagswahl, wenn wir voraussichtlich eine schwarz-gelbe Regierungskoalition und damit den Bock zum Gärtner gemacht haben werden. Dann werden uns Wulff, Koch und Guido erklären, dass der Atomstrom doch so viel billiger und umweltfreundlicher ist, etc.
Dabei bietet die Wirtschaftskrise gerade jetzt die Möglichkeit von Grund auf neu anzufangen. Eine ähnlich günstige Situation wird es vermutlich erst wieder in der nächsten Wirtschaftskrise geben, die auf die jetzige folgen wird.