"Noch nie haben weltweit so viele Leute auf die Schweiz geblickt" - Für Österreich und die Schweiz ist der wirtschaftliche Nutzen durch die Fußball-EM 2008 klein, aber der Image-Gewinn unbezahlbar.
Im Zürcher Kaufhaus Globus liegen die "EM-Stückli" - Fußballer im Keksformat - zwei Tage vor dem Anpfiff bereits parat. "Die Holländer sind auch schon da", sagt Kathrin Nägeli von der Jungfraubahn Holding. Doch den großen Reibach macht bei der Euro 2008 wohl nur einer: der mächtige europäische Fußballverband Uefa.
Blick auf den Lago Maggiore bei Ascona. (© Foto: dpa)
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Gewinner ist die Tourismusbranche
Für die beiden Gastgeberländer Schweiz und Österreich halten sich die wirtschaftlichen Vorteile in Grenzen. Gleichwohl sind Wirtschaft und Regierung beider Alpenstaaten hochzufrieden, dass ihre Länder diesmal der Austragungsort der EM sind. Unmittelbarer Gewinner ist in erster Linie die Tourismusbranche.
Die Schweiz etwa erwartet sich drei Millionen zusätzliche Besucher aus dem Ausland - weit mehr als bei jedem anderen Ereignis in der Geschichte des Landes. An den Spieltagen rechnen die Austragungsorte Basel, Zürich, Bern und Genf mit etwa 100.000 Besuchern. Die Gastronomie, so das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Basel, werde im Jahr 2008 die einzige Branche der Eidgenossenschaft sein, die mit vier Prozent stärker wachse als im vergangenen Jahr.
Campingplätze statt teurer Hotels
Verhaltener sieht es schon in der Hotellerie aus. So bevölkern die vielen Holländer im Berner Oberland keineswegs die teuren Hotels, sondern vor allem die Campingplätze, wie Nägeli erzählt. Im Augenblick gibt es in Interlaken und anderen Feriengebieten noch reichlich freie Hotelzimmer. Für die Jungfraubahn, eine der größten Touristenattraktionen der Schweiz, rechnet Nägeli während der Meisterschaft trotz aller Sonderangebote sogar mit einem geringeren Geschäft als saisonüblich: "Die Besuchergruppen aus Asien machen in diesen drei Wochen einen Bogen um die Schweiz."
Insgesamt prognostiziert die Tourismusorganisation der Schweiz 0,8 bis 1,1 Prozent zusätzliche Übernachtungen aufgrund der Euro 2008. "Das ist schön, aber bezogen auf die total 76 Millionen Logiernächte nicht gewaltig", kommentiert Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus.
Eine im Auftrag der Regierung erstellte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Bruttowertschöpfung bei 400 bis 550 Millionen Euro liegt. Das entspricht lediglich 0,14 bis 0,18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dem stehen Zusatzausgaben für Sicherheit oder Infrastruktur bei Bund, Kantonen und Gastgeberstädten in Höhe von etwa 110 Millionen Euro gegenüber.
"Alles Erbsenzählerei"
Glänzend sieht die Rechnung nur für den Veranstalter der Meisterschaft aus: Eintrittskarten, Werbeverträge, Übertragungsrechte und Ähnliches dürften ihr 1,25 Milliarden Euro in die Kasse spülen - 45 Prozent mehr als beim letzten EM-Turnier. An Kosten für Stadionmieten, Zahlungen an die Austragungsstädte oder für Marketing stehen diesen Einnahmen schätzungsweise 420 Millionen Euro gegenüber.
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