Das Geschäft mit der EM läuft rund: Gut 1,3 Milliarden Euro nimmt die Uefa bei dem Turnier ein. Mehr als 90 Prozent stammen aus Fernsehrechten, Sponsoring und Lizenzgeschäften, einen kümmerlichen Anteil spielt der Kartenverkauf ein.
Franz Beckenbauer prophezeit: "Die nächsten drei Wochen schaut die ganze Welt auf Österreich und die Schweiz." Und weil dort bis zuletzt die Vorfreude immer noch nicht allzu groß war, macht er den Ausrichtern Mut: "Diese EM wird ein Renner, sie wird von selbst laufen." Das zumindest hoffen und glauben auch die Gastgeber. Sprecher beider Organisationskomitees beschwören gewisse Erfahrungswerte. "Auch in Deutschland kam die Euphorie erst mit den Spielen", verkünden sie.
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(© Foto: ddp)
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Der europäische Fußballverband Uefa stellt lieber harte Rechnungen an. Im Hauptquartier in Nyon am Genfer See wird der Gewinn dieser Fußball-Europameisterschaft kalkuliert: Rund 1,3 Milliarden Euro nimmt die Uefa bei dem Turnier ein. 93 Prozent stammen aus Fernsehrechten, Sponsoring, Lizenzgeschäften. Den Rest spielt der Kartenverkauf ein, der inzwischen zu einer folkloristischen Randerscheinung verkümmert ist - noch in England im Jahr 1996 war er die Haupteinnahmequelle. Nun, da von überall das Geld fließt, blüht auch der mäßig kontrollierte Ticket-Schwarzmarkt üppiger denn je. Schon beklagen die Händler den ersten Krisenfall, Karten aus dem Verbandskontingent von Weltmeister Italien sollen doppelt oder dreifach verkauft worden sein, an Sponsoren und Schwarzmarkthändler.
Rund 800 Millionen Euro der Gesamteinnahmen kassiert die Uefa von europäischen TV-Anstalten und Sponsoren, knapp halb soviel steuern Asiens große Sender bei: In China, Japan, Thailand, Indien, Malaysia ist die Europameisterschaft ein Knüller. Im amerikanischen Raum stößt sie indes auf wenig Interesse, und in Afrika, nun ja - da gebe es Länder, sagen Uefa-Insider, deren Fernsehrechnungen noch für die EM 1996 offen stünden, und seien es bloß einige tausend Dollar wie im Fall des Kongo.
Der Gewinn des Meisters
Die Uefa schüttet 184 Millionen Euro (knapp 15 Prozent) der Einnahmen an die 16 Endrunden-Teilnehmer aus, allein der neue Europameister darf 23 Millionen einstreichen. Rund ein Drittel des Gesamterlöses fließt in die Organisation der Europameisterschaft oder deckt eigene Betriebskosten, ein weiteres Drittel an die nationalen Verbände. Die sind gehalten, das Geld in Nachwuchsförderung und die Sportstätten zu investieren - fromme Richtlinien, deren Einhaltung seit einiger Zeit tatsächlich überprüft wird.
So grenzt die Uefa, anders als der Weltverband Fifa, den endemischen Missbrauch von Fußballentwicklungs-Millionen durch korrupte Funktionäre einigermaßen ein, Länder ohne allzu griffige Kontrollstrukturen gibt es ja auch in Europa genug. Während der saloppe Umgang mit Entwicklungsgeldern in der Fifa ein effizientes Wahlkampfinstrument für Topfunktionäre ist, war die Uefa unter ihrem langjährigen schwedischen Chef Lennart Johansson bestrebt, sich - phasenweise sogar mit öffentlichen Attacken - als seriöser Gegenentwurf zum notorisch zwielichtigen Weltverband zu positionieren.
Anfang 2007 allerdings schaffte es Michel Platini, der langjährige Zögling des Fifa-Bosses Sepp Blatter, Johansson von der Uefa-Spitze zu verdrängen. Platini, so heißt es in Nyon, gehe nun großzügiger mit den Mitteln um. Da könne ein Landesverband auch mal seine jährliche Zuwendung als Vorschusskredit abrufen. Und dass Platini einen Spitzenmann aus dem Fifa-Entwicklungsbüro Goal aus Zürich nach Nyon lotste, wird unter den nach dem Machtwechsel verbliebenen Hauptamtlichen nicht direkt als vertrauensbildende Maßnahme bewertet.
Viel Luft in Asien
Ganz hilfreich also, dass es die Uefa binnen weniger Jahre geschafft hat, die Europameisterschaft zu einer äußerst einträglichen Veranstaltung zu machen. Die Einnahmen-Liste des Turniers führt von Schweden 1992 mit umgerechnet 41 Millionen Euro über England 1996, als erstmals 16 Teams am Start waren (147 Millionen), Holland/Belgien (230 Millionen) und 2004 Portugal (852 Millionen) nun weit über die Milliardengrenze hinaus.
Überdies hat die Uefa ihre Champions League, mit deren Vermarktung sie alljährlich eine Milliarde Euro erlöst. Doch fließt der Großteil an die Klubs zurück und an die Nationalverbände. Vom EM-Gewinn sollen nun zehn bis 15 Prozent hängen bleiben. Zwar scheint der europäische TV-Markt ausgereizt zu sein, doch Asien hat viel Kapazität. Zudem erwägt Platini eine Aufstockung der EM auf 24 Teams - er will ja 2011 wiedergewählt werden, das funktioniert nur mit dem Heer der Kleinverbände. Dann aber stieße künftig jedes zweite Land ins Endturnier vor, die Fußball-Europameisterschaft darf sich auf Andorra und San Marino freuen - und die Showindustrie rundherum rückt halt ein paar Millionen mehr raus.
(SZ vom 07./08.06.2008/mel)