Elektronikkonzern aus Japan Sharp baut Luxus-Erdbeeren in Dubai an

Sharp steht für TV-Geräte, Solarzellen - und künftig auch für Erdbeeren. Im Emirat Dubai will der krisengeplagte Elektronikkonzern die Reichen und Schönen mit süßen Früchten versorgen. In einem Testlabor gaukelt Sharp den Setzlingen japanische Bedingungen vor.

Von Tobias Dorfer

Erdbeeren aus Japan sind der letzte Schrei in Dubai. Vor allem die Reichen in dem Emirat können nicht genug davon bekommen - und das ist ein Problem: Japanische Erdbeeren gelten nicht nur als besonders süß, sondern auch als besonders empfindlich, was den Transport per Schiff nicht gerade erleichtert.

Das soll sich ab 2015 ändern. Denn der krisengeplagte japanische Sharp-Konzern wittert ein gutes Geschäft und steigt ins Erdbeer-Business ein. Ausgerechnet Sharp, der zuletzt mäßig erfolgreiche Hersteller von Fernsehgeräten und Solarzellen, investiert in den Anbau von Früchten?

Derzeit baut der Elektronikkonzern in dem Emirat für 100.000 Dollar eine Testfabrik. Spezielle Einstellungen von Licht, Temperatur und Feuchtigkeit sollen den japanischen Setzlingen im Gewächshaus in Dubai heimatliche Bedingungen vorgaukeln - in der Hoffnung, dass die Erdbeeren am Ende genauso gut schmecken wie die aus Japan.

Wie die Zeitung Asahi Shimbun berichtet, soll der Prozess komplett aus Japan gesteuert werden. 3000 Erdbeeren pro Monat will Sharp während der Testphase ernten, heißt es in einem BBC-Bericht. Viel ist das nicht, doch im Jahr 2015 soll die Massenproduktion starten. "Wenn es uns gelingt, die schwer zu kultivierenden Erdbeeren zu züchten, können wir die Technologie auch auf andere Früchte anwenden", sagte ein Sharp-Verantwortlicher der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo.

Sharp soll von der Pleite bedroht gewesen sein

Sharp braucht dringend neue Ertragsquellen. Denn derzeit macht das Unternehmen einen wichtigen Teil seines Umsatzes in einem schwierigen Geschäftsumfeld. In der Herstellung von Fernsehgeräten wurde Sharp längst von den südkoreanischen Massenproduzenten LG und Samsung überholt. Nur jeder zwanzigste Flachbildfernseher trägt heute noch das Sharp-Logo. Zum Vergleich: Marktführer Samsung kommt auf 28,5 Prozent. Auch im Solargeschäft, der zweiten wichtigen Stütze des Unternehmens, wird Sharp von Billigherstellern bedrängt. Die Fabriken des Konzerns sind weit davon entfernt, ausgelastet zu sein. Da hilft es auch nichts, dass Sharp Displays für Apples iPhone herstellt.

Um die Jahreswende machten sogar Pleite-Gerüchte um Sharp die Runde. Die Kapitaldecke der Japaner schmolz immer mehr zusammen, die Schulden stiegen in bedenkliche Höhen, im Moment liegen sie noch immer bei etwa 1,1 Billionen Yen (8,3 Milliarden Euro) In letzter Minute konnte der Traditionshersteller durch frisches Geld mehrerer Banken und einem Einstieg des Konkurrenten Samsung, der etwa 86 Millionen Euro einbrachte, gerettet werden. Trotzdem musste Sharp für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Rekordverlust von mehr als 146 Milliarden Yen (1,1 Milliarden Euro) melden.

Für Entwarnung ist es zu früh

Mit einem harten Sparprogramm, dem Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen und dem Verkauf ausländischer Geschäftsstellen soll Sharp nun wieder auf Kurs gebracht werden. Dass sich die Situation von Sharp zuletzt wieder gebessert hat, liegt aber vor allem am zuletzt schwächeren Yen, der Exporte aus Japan günstiger und Produkte von Sharp auf dem Weltmarkt attraktiver macht. Außerdem setzt Sharp auf Kooperationen mit dem neuen Anteilseigner Samsung, für dessen Smartphones und TV-Geräte man Bildschirme liefern will.

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass sich Sharp mit einer Kapitalerhöhung und dem Verkauf weiterer Anteile noch mehr frisches Geld besorgen will. Für Entwarnung ist es jedoch zu früh. Fachleute fragen sich, ob die Japaner künftig genug Geld für Forschung und Entwicklung aufbringen können.

Denn vor allem braucht Sharp: neue Ideen. Und wenn es Erdbeeren für Dubai sind.