Ausgerechnet der öffentlichkeitsscheue Discounter Lidl heizt die Mindestlohn-Debatte an - und kassiert nicht nur Zustimmung, sondern auch kräftigen Gegenwind.
Da mag sich mancher wundern: Ausgerechnet Lidl macht sich stark für die Einführung von Mindestlöhnen im Einzelhandel. Dabei ist der viel gescholtene Discounter nicht gerade bekannt für seine arbeitnehmerfreundliche Haltung. Soll das vielleicht eine neue Kampagne sein, um das Image aufzupolieren? Keinesfalls. Der Vorstoß des Billiganbieters, der vor zwei Jahren durch Datenmissbrauch und die Bespitzelung seiner Mitarbeiter in die Schlagzeilen geriet, hat durchaus einen ernsten Hintergrund.
Lidl prescht vor - und macht sich stark für einen Mindestlohn im Einzelhandel. (© )
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Denn es gibt den klaren Trend im Einzelhandel, Mitarbeiter schlechter zu bezahlen. Knapp die Hälfte der 2,9 Millionen Beschäftigten in der Branche werden unter Tarif entlohnt. Zu den schwarzen Schafen zählen etwa der Textildiscounter Kik, aber auch die Drogeriemarktketten Schlecker und Müller, die immer häufiger Leiharbeiter einsetzen, die teilweise weniger als sieben Euro pro Stunde bekommen. Damit verschaffen sie sich einen Kostenvorteil gegenüber all jenen, die Tariflöhne von zwölf Euro und mehr zahlen, wie Lidl und auch Branchenprimus Aldi. Breitet sich das Lohndumping im Einzelhandel weiter aus, geraten auch die Kostenkalkulationen der zwei größten deutschen Discounter stärker unter Druck. "Die Firmen, die ordentliche Löhne zahlen, sind besorgt, dass sie unterboten werden", heißt es in Gewerkschaftskreisen.
Zweiklang aus Aufsehen und Widerspruch
Dass ausgerechnet der sonst eher öffentlichkeitsscheue Discounter die politische Debatte über Mindestlöhne anheizt, erregt Aufsehen in der Branche - und auch Widerspruch.
Ein Sprecher des Metro-Konzerns wies die Forderung umgehend zurück. Das Unternehmen sei offen für tarifliche Festlegungen, aber strikt gegen staatliche Mindestlöhne. Lidl reagiert mit seinem Vorstoß auf den Vorwurf, der Händler drücke die Löhne seiner Beschäftigten. Entsprechend hatte sich vor kurzem der Leiter des Instituts für Arbeit und Wirtschaft, Rudolf Hickel, in der ARD geäußert. Das Unternehmen stellte nun in einem Brief an Hickel klar: "Wir teilen Ihre Auffassung, dass im Einzelhandel unbedingt Mindestlöhne eingeführt werden müssen." Das Schreiben ist unterzeichnet von Aufsichtsratschef Klaus Gehrig.
Cornelia Haß von der Gewerkschaft Verdi begrüßte die Initiative: "Der Einzelhandel hat hier ein gravierendes Problem." Die Chancen für einen Mindestlohn in der Branche sind deshalb gar nicht so schlecht. Bevorzugt wird eine freiwillige Tarifvereinbarung, die derzeit von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite ausgehandelt wird. Sie soll auch eine Klausel über einen Mindestlohn enthalten, der bei etwa neun Euro je Stunde liegen könnte. So viel verdient eine ungelernte Verkäuferin im ersten Jahr ihrer Anstellung. Sowohl beim Handelsverband HDE als auch bei Verdi geht man davon aus, dass der Vertrag bis Frühjahr 2011 unterschriftsreif sein wird. Dann werde es "eine für alle Unternehmen des Einzelhandels verbindliche, von den Sozialpartnern festgelegte Lohnuntergrenze geben", betonte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.
Dies ist eine gute Nachricht für diejenigen, die unter Tarif bezahlt werden, weil ihre Arbeitgeber nicht Mitglied der Handelsverbände sind. Auch diese Unternehmen wären dann gezwungen, den von den Tarifparteien ausgehandelten Mindestlohn zu zahlen. Vorausgesetzt, die schwarz-gelbe Regierung willigt ein. Sind sich die Tarifparteien einig, sieht es gut aus: Bei anderen Branchen hat Arbeitsministerin Ursula von der Leyen bereits zugestimmt.
(SZ vom 18.02.2010/mel)
Großprojekte in Berlin
Schaut man sich dies an dann fallen 66% der Deutschen Unternehmen durch bei der Beurteilung nach Sozialkompetenz,
würde man diesen Kriterien die selbe Bedeutung beimessen wie bei der Umwelt glaube ich stünden viele am Pranger,
es ist der pure Kapitallismus der hier seine Spielchen treibt,geschützt vom Staat, zu DM Zeiten wurden die Gewinne in
Mill. bewertet, heute in Millarden und immer noch ist die Gier der
Besitzenden nicht gedeckt,
ein Großteil derer haben ihren Anfang in der Sozialen Marktwirtschaft, sichere Rahmenbedinungen haben ihre Anfäng gedeckt all das wird heute vergessen, Menschenwürde wird auf das notwendige reduziert, Arbeitsgesetze können heute übergangen
werden, sie werden ja auch nicht vom Gesetzgeber kontrolliert,
Falschparken, Rauchen in Kneipen, Zuschnelles Fahren darauf
konzentriert sich unsere Staatsgewalt,
es ist ein Hohn und nicht nachvollzieh bar.
Wer arbeitet, der muß davon auch leben können.
Lohn unter Tarif sorgt nicht nur für sozialen Zündstoff. Diese Form der "Entlohnung" ist menschenverachtend und erinnert an die Ausbeutung von Fabrikarbeitern zu Zeiten der industriellen Revolution.
Wir leben in einem Hochpreisland, von 6 EUR in der Stunde kann man da nicht einmal das Existenzminimum bestreiten.
im prinzip müsste man als einfacher mensch LIDL hochachtung zollen, aber der nachteil wäre für andere handelsgruppen, dass die vielleicht bei dieser lohnpolitik net mithalten können.
tja, dann würde es noch mehr pleiten im einzelhandel geben...oder?
man sehe, LIDL denkt schon zwei schritte im voraus!
Soviel ich weiß gehört doch ''kik'' auch zur Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) oder nicht? Kann mir das jemand bestätigen oder dementieren.
Mindestlohn ist schwachsinnig und verhindert nur den freien Wettbewerb. Nicht nur in D, sondern v.a. mit dem Ausland. Lidl macht den Vorschlag nur, weil sie eine gute PR wollen.
Paging