Einstieg bei Green Mountain Coffee Coca-Cola will Gewinne sprudeln lassen

Coca-Cola-Dosen warten in einer britischen Dosenfabrik auf den Abtransport

Die Verbraucher sollen zu Hause aus Pulver Cola machen: Coca-Cola verbündet sich mit einem Hersteller von Kaffeekapseln - und möchte dessen profitable Methode auf den Softdrink-Markt übertragen.

Von Jannis Brühl

So ist Kaffee richtig profitabel: Die Kapselmaschine ist für die Verbraucher erst mal relativ günstig. Doch die Kaffeekapseln, die die Kunden wieder und wieder nachkaufen müssen, sind für den Hersteller eine Geldmaschine. So verdient Green Mountain Coffee sein Geld, eine Firma aus dem US-Bundesstaat Vermont. Jetzt steigt Coca-Cola Company bei dem Kapselkonzern ein. 1,25 Milliarden Dollar hat der Softdrink-Konzern gezahlt, um zehn Prozent an Green Mountain zu übernehmen. zugleich kooperiert Coca-Cola mit dem Unternehmen und will ihn für ein Experiment benutzen.

Denn das Geschäft mit den Kapseln boomt und macht es Herstellern klassischer Filterkaffee-Systeme schwer. Umweltschützer argumentieren vergeblich, dass die neue Technik einen Müllberg hinterlässt. Nestlé, dessen Produkt Nespresso nach eigenen Angaben Marktführer ist, verweist darauf, dass die Kapseln des Konzerns aus Aluminium bestehen und deswegen leicht recycelt werden könnten.

Green Mountain Coffee ist mit seinem Kaffeekapsel-Brühsystem "Keurig" auf dem US-Markt erfolgreich, verkauft mehrere Milliarden Kapseln jedes Jahr. Am Mittwoch meldete das Unternehmen für das letzte Vierteljahr 2013 einen Bruttogewinn von 464 Millionen Dollar, zehn Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Mit der gemeinsamen Erfahrung wollen die Unternehmen ein neues Feld erschließen: Das System "Keurig Cold" verwendet ebenfalls Kapseln, damit sollen Kunden zu Hause ihre eigenen Softdrinks mischen. "Keurig kann für Kaltgetränke das tun, was es für Kaffee und Tee schon getan hat", schwärmt Green-Mountain-Chef Brian Kelley, der bis Ende 2012 selbst Manager bei Coca-Cola war.

"Keurig Cold" wird derzeit entwickelt und soll frühestens Ende des Jahres auf den Markt kommen. Die Kooperation ist zunächst auf zehn Jahre angelegt.

Streit mit Scarlett, Kritik aus der Finanzwelt

Der Deal ist vor allem ein Angriff auf Sodastream. Das israelische Unternehmen stellt Sprudeltechnik und Sirup zum Selbermischen her. Es hat ohnehin schon Ärger mit Coca-Cola. Den Super-Bowl-Spot mit Sodastream-Werbeträgerin Scarlett Johansson wollte der Sender Fox nicht senden - weil sie sich darin über Coca-Cola lustig machte. Johansson war wegen des Spots auch in eine Debatte über israelische Besatzungspolitik geraten. Nach acht Jahren als Oxfam-Botschafterin trat sie von dem Ehrenamt zurück. Die Organisation wirft Sodastream vor, Rechte von Palästinensern zu verletzen, weil das Unternehmen auch in den besetzten Gebieten produzieren lässt (die israelische Zeitung Haaretz hat darüber mit palästinensischen Angestellten gesprochen).

Auch das Geschäftsmodell von Green Mountain hat Gegner, und zwar in der Finanzwelt. Denn wie viele Kapseln der börsennotierte Konzern wirklich verkauft, gilt als nicht völlig transparent. Angaben des Unternehmens und Berechnungen von Analysten widersprechen sich. Kritiker wie Pulitzer-Preisträger Jesse Eisinger vom Investigativportal Propublica fragen, ob es das Unternehmen mit der Buchführung nicht so genau nimmt und Verkäufe besser darstellt, als sie sind. Die Börsenaufsicht untersucht die Firma seit drei Jahren, bisher allerdings ohne Ergebnis.

David Einhorn, ebenso erfolgreicher wie aggressiver Hedgefonds-Manager, bezichtigt Green Mountain gar öffentlich, seine Bilanzen zu frisieren. In einer mehr als 100 Folien langen Präsentation attackierte er schon 2011 das Geschäftsmodell des Unternehmens. Er hat viel Geld gegen die Aktie des Unternehmens gewettet. Auch mit Apple hat er sich schon angelegt.

Egal ob Einhorn recht hat oder nicht: Er dürfte derzeit leiden. Denn der Einstieg von Coca-Cola versaut ihm im Moment seine Wette. Er trieb den Kurs von Green Mountain nachbörslich um 55 Prozent in die Höhe. Der Kurs des Rivalen Sodastream fiel um mehr als sieben Prozent.