Einsparungen bei Kreditinstituten Bank-Jobs werden unsicher

Dunkle Wolken über den Banken: Die Pläne für eine Bankenunion kommen nicht voran, weil mancherorts noch große Risiken schlummern.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)
  • Einige Banken stehen erheblich unter Druck, zu sparen - und streichen Tausende Jobs.
  • Bei der Hypo-Vereinsbank etwa sollen weitere 1500 Stellen wegfallen.
Von Stephan Radomsky und Meike Schreiber, Frankfurt

Die Stelle bei der Bank, das war einst der Traum vieler junger Menschen: solide, auskömmlich und vor allem sicher. Nicht umsonst war vom "Bankbeamten" die Rede. Vorbei. Seit Jahren beutelt eine Strukturkrise die Finanzinstitute - und die streichen tausenderweise Stellen, zuerst in den Filialen, nun auch in den Zentralen.

Den Anfang macht dabei erneut die Hypo-Vereinsbank (HVB): Weitere etwa 1500 Jobs sollen in der Bank wegfallen, diesmal in der Verwaltung, also voraussichtlich vor allem in der Zentrale in München sowie in Hamburg. Das bestätigten Insider der Süddeutschen Zeitung. Zuvor war bereits über neue Stellenkürzungen bei dem Münchner Institut spekuliert worden. Die finalen Pläne mit den Streichungen in den Abteilungen sollten dem Aufsichtsrat nun Ende Oktober vorgelegt werden. Eine Sprecherin der Bank wollte die Pläne und Zahlen nicht kommentieren.

Die HVB ist nicht die einzige Bank, die unter erheblichem Spardruck steht. Die gesamte Branche leidet angesichts der Dauer-Niedrigzinsen unter schwindenden Erträgen und einer zugleich deutlich aufwendigeren und teureren Regulierung. Die Suche nach Sparpotenzialen führt daher schnell zu den Stellenplänen.

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"Seit der Finanzkrise hat es mehrere Wellen an Stellenstreichungen gegeben, die jetzige ist aber sicher noch nicht die letzte", sagt Dirk Müller-Tronnier, Bankenexperte bei der Beratungsgesellschaft EY. Dabei haben allein die privaten Institute nach Daten des Arbeitgeberverbandes Banken seit Beginn der Krise 2008 bereits mehr als 20 000 Jobs gestrichen, bei den Sparkassen waren es gut 11 000 - vieles davon allerdings über nicht nachbesetzte Stellen.

Die HVB spart am Personal - und zwar unter Zeitdruck

Nun könnten die großen Institute nochmals eine fünfstellige Zahl an Jobs streichen - vor allem in der Verwaltung: "Viele Dinge wie Kontoeröffnung oder Geldwäsche-Überwachung kann man in Zukunft maschinell machen, diese Entwicklung ist auch längst noch nicht zu Ende", sagt Müller-Tronnier. Denn Personalausgaben machten immer noch mehr als die Hälfte der operativen Kosten einer Bank aus.

Die HVB verschärft hier nun das Tempo - auch auf Druck der italienischen Konzernmutter Unicredit. So bestätigte Konzern-Personalchef Paolo Cornetta nun erstmals indirekt, dass es mit der neuen Strategie einen weiteren Personalabbau geben könnte: "Wir haben einen Plan aus dem vergangenen Jahr. Kann sein, dass es im Vergleich zu den Zahlen dort zusätzliche Elemente geben wird, die in Italien, Österreich und Deutschland diskutiert werden." Zuletzt hat immer wieder die Zahl von konzernweit 10 000 Jobs weniger kursiert. "Es gibt einige Möglichkeiten, die Bank schlanker aufzustellen und manche nicht kundenrelevante Funktionen auf der Ebene der Gruppe zu zentralisieren", hatte Unicredit-Chef Federico Ghizzoni dazu zuletzt gesagt und die Spekulationen so befeuert.

Dabei läuft bei der HVB noch das aktuelle Sparprogramm in der Privatkunden-Sparte. Bis Jahresende werden die Münchner etwa 240 ihrer zuvor rund 580 Filialen geschlossen und hier insgesamt rund 1500 Stellen gestrichen haben, allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen. Direkt im Anschluss würde nun das sogenannte Backoffice folgen, also zentrale Bereiche wie Risiko, Buchführung oder Rechnungsprüfung. Sie könnten durch die Regeln der neuen europäischen Bankenaufsicht in Mailand zusammengefasst werden.

Auch im Kern der Deutschen Bank wird es weniger Jobs geben

Eine noch größere Abbaurunde steht zeitgleich bei der Deutschen Bank an. Der neue Chef John Cryan hatte die Kosten gleich zu Beginn seiner Amtszeit Anfang Juli als "verschwenderisch hoch" kritisiert. Nun werden von den rund 98 000 Stellen im Konzern weltweit wohl 8000 bis 10 000 gestrichen. Die Entscheidung über die finale Zahl soll Ende Oktober fallen. Weitere 18 500 Mitarbeiter würden den Konzern zudem automatisch mit dem geplanten Verkauf der Postbank verlassen. Hinzu kommen potenziell weitere 5500 Deutsche-Bank-Mitarbeiter in der Verwaltung, die bislang nur für die Postbank arbeiten.

Aber auch im Kern der Deutschen Bank wird es weniger Jobs geben. So werden von den bisher rund 700 Filialen in Deutschland bis 2017 etwa 200 geschlossen. Zudem könnten Investmentbanker den Job verlieren, deren Geschäften die Bank nicht mehr nachgehen will. Sorgen bereitet Cryan dem Vernehmen nach auch, dass die Bank so viele Dienstleistungen in Niedriglohnländer ausgelagert hat, was sich oft viel weniger rechnet als erwartet.

Im Dauer-Sparmodus steckt auch die Commerzbank, seitdem die Nummer zwei in Deutschland 2013 angekündigt hatte, 5200 der damals 54 000 Stellen abzubauen. So strich die Bank beispielsweise erst zu Jahresanfang kurzerhand eine ganze Management-Ebene, um die Kostenziele bis Ende 2016 zu erreichen. Und auch bei den anderen großen europäischen Banken wird derzeit gekürzt, was das Zeug hält: So trimmen etwa auch bei den britischen Großbanken Barclays und Standard Chartered die neuen Chefs ihre Institute wieder stärker auf Rendite.

So mancher arbeitslose Banker wird also die Branche wechseln müssen. "Fintech-Start-ups suchen natürlich Finanzexperten", sagt Bankenexperte Müller-Tronnier. - sie könnten aber auch nicht alle einstellen. Einen Hoffnungsschimmer aber gibt es für die Finanzexperten: Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank sucht nach wie vor Fachkräfte, in den nächsten zwei Jahren sollen rund 230 Mitarbeiter dazukommen. Und die EZB-Jobs sind allein schon steuerlich so interessant, dass sie beeindrucken sollten.

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