Ein Kommentar von Jonas Viering

Den Arbeitgebern im öffentlichen Dienst fehlt das Geld, die durchaus nachvollziehbaren Streiks lösen das Problem daher nicht.

Arbeitskampf gilt als schmutziges Wort. Zumal wenn es Kindertagesstätten sind, die im Tarifstreit der Gewerkschaft mit Kommunen und Ländern einfach schließen und damit unzählige Eltern an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen, so wie bereits am Mittwoch bei den Warnstreiks in Hannover: Das öffentliche Verständnis hält sich in engen Grenzen.

Angestellte des öffentlichen Dienstes demonstrieren am 01. Februar 2006 in Hannover. (© Foto: ddp)

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Auf diesen Ärger der Bürger hoffen auch die Arbeitgeber, die längere Arbeitszeiten durchsetzen wollen. Das aber verbiestert die Arbeitnehmer. Und so treibt das Land langsam auf einen Großkonflikt zu.

In Baden-Württemberg hat die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag das Ergebnis der Urabstimmung über Arbeitsniederlegungen verkündet, zugleich beginnt sie in anderen Ländern mit der Mitgliederbefragung. Es soll der größte Streik im öffentlichen Dienst seit 1992 werden.

Gewerkschaftliche Dramatisierung

Zwar muss hier einiges an gewerkschaftlicher Dramatisierung abgezogen werden: Von den mehr als zwei Millionen potenziell betroffenen Angestellten und Arbeitern wird sich nur ein Bruchteil beteiligen. In den meisten Städten und Gemeinden geschieht zunächst gar nichts.

Aber: Arbeitgeber und Gewerkschaft warten hier das Ergebnis der Streiks etwa in Baden-Württemberg ab. Was dort geschieht, regional begrenzt, hat also bundesweite Auswirkungen. Und wenn nur ein paar Dutzend Mitarbeiter einer Flughafenfeuerwehr die Hände ruhen lassen, darf kein Jet mehr landen, da geht es rasch um viel Geld.

Die Arbeitnehmer haben das Gefühl, ihnen wird was weggenommen. Und sie haben Recht damit. Die Tarifverdienste sind branchenübergreifend im vergangenen Jahr so wenig gestiegen wie seit zehn Jahren nicht mehr. In Kaufkraft gerechnet sind die Einkommen sogar gesunken.

Nur noch relative Sicherheit

Wenn manche Arbeitgeber auf die Sicherheit der Jobs im öffentlichen Dienst verweisen, so hat sich diese in Wirklichkeit längst relativiert. Die Müllabfuhr beispielsweise ist vielerorten schon ausgegliedert.

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