Die Bundeskanzlerin zeigt sich zufrieden: Bahn und Lokführer hätten vernünftig gehandelt. Sie appelliert zugleich an die Tarifpartner, ihr Wort zu halten.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Einigung der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags begrüßt. Die Kanzlerin lobte, am Ende habe sich Vernunft und Kompromissbereitschaft durchgesetzt, wie Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Montag in Berlin sagte.

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Gleichzeitig richtete Merkel den dringenden Appell an die Kontrahenten, die letzten Feinheiten an der Vereinbarung vorzunehmen.

Merkel rief die Verhandlungspartner nach den Worten Stegs dazu auf, wie angekündigt bis Ende des Monats alles unter Dach und Fach zu bringen.

Ausdrücklich dankte Merkel Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), der dezent immer wieder dafür gesorgt habe, dass die Gesprächsfäden nicht abrissen. Tiefensee habe unauffällig, aber sehr bestimmt im Hintergrund gewirkt. Dies sei für das Ergebnis mit ausschlaggebend gewesen, sagte Steg im Namen der Kanzlerin.

Versöhnlich zeigte sich auch GDL-Chef Manfred Schell: "Damit, denke ich, ist der Dampf vom Kessel", sagte er im ZDF-Morgenmagazin. Nach Vereinbarung der Eckpunkte für den Tarifvertrag werde man diesen nun bis Ende Januar zu Ende bringen. "Die Bahn ist gut beraten und hat auch die innere Einstellung, ebenfalls keinen neuen Streit vom Zaun zu brechen, dass damit endlich Ruhe einkehrt", sagte Schell. Der Durchbruch sei in einem Dreiergespräch mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee erreicht worden. Das Ergebnis sei befriedigend für die GDL-Mitglieder.

Noch gebe es einige Punkte, über die es "Gezerre" geben werde, ergänzte Schell auf N24. Dazu zählte er die Ausgestaltung der Lohntabellen und Arbeitszeiten. Aber ein Arbeitskampf sei darüber nicht zu erwarten. "Die Eckpunkte stehen", sagte er. "Die sind der eigenständige Tarifvertrag, die eine Stunde Arbeitszeit, die wir ab Februar 2009 dann nicht mehr leisten müssen, und auch die elf Prozent (mehr Gehalt), die sich aus mehreren Schritten zusammensetzen. Das alles steht. Und ich denke, das waren die Knackpunkte."

DGB-Chef Michael Sommer hat den Durchbruch in den Bahn-Tarifverhandlungen als einen "beachtenswerten Startschuss für die Tarifrunde 2008" bezeichnet. Gleichzeitig kritisierte er die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

Der DGB stehe nach wie vor für die Tarifeinheit, wird Sommer von der Neuen Osnabrücker Zeitung zitiert. "Deswegen bedauern wir den tarifpolitischen Kurs der GDL." Das ausgehandelte Ergebnis lasse sich wohl nur damit erklären, "dass notwendige strukturelle Verbesserungen für die Lokführer und aktuelle Lohnerhöhungen parallel umgesetzt werden", sagte Sommer.

Die Bahn und die GDL hatten sich am Samstag nach monatelangem Tarifkampf auf einen eigenständigen Vertrag für Lokführer und eine Lohnerhöhung von elf Prozent geeinigt. Neue Streiks seien mit 99-prozentiger Sicherheit ausgeschlossen, verkündete GDL-Chef Manfred Schell anschließend. Die Lokführer erhalten neben der Lohnerhöhung eine Einmalzahlung von 800 Euro und müssen nur noch 40 statt 41 Stunden in der Woche arbeiten.

Wirtschaftlich vertretbares Ergebnis

"Die GDL hat sicher gewonnen, auch wenn sie nicht alles erreicht hat", sagte Geißler der Passauer Neuen Presse laut Vorabbericht. Für die Bahn sei das Ergebnis wirtschaftlich vertretbar. Der eigenständige Tarifvertrag und die erkennbare Lohnerhöhung für die Lokführer seien dringend notwendig, sagte Geißler. "Bisher waren sie unterbezahlt", sagte er. Die neue Tarifstruktur sei ein Pilotprojekt für ähnliche Fälle in der Zukunft, wenn es darum gehe, berechtigte Interessen einer spezialisierten Berufsgruppe mit besonderer Verantwortung zu berücksichtigen.

Die Konkurrenzgewerkschaften Transnet und GDBA hielten sich mit einer Bewertung zurück. Sie hatten im Juli mit der Bahn einen Tarifvertrag geschlossen. Danach erhalten die Beschäftigten 4,5 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 600 Euro. Bestandteil dieses Tarifwerks ist eine Revisionsklausel, die die Gewerkschaften anwenden können, wenn die Bahn mit einer anderen Organisation bessere Konditionen vereinbart.

Der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn bewertete die Einigung zwischen Bahn und GDL positiv. "Das Ende dieses schrecklichen Gerangels ist eine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Deutschland", wird der Präsident des Ifo-Instituts München in der Bild-Zeitung zitiert. Gleichzeitig forderte der Wirtschaftsexperte eine schnelle Einigung auf ein gemeinschaftliches Tarifvertragswerk. "Jetzt müssen sich alle Bahngewerkschaften zusammenraufen, damit es keine zersplitterten englischen Verhältnisse gibt."

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(sueddeutsche/AP/dpa/mah/sma/hgn)