Damit der neue Geländewagen in Wolfsburg produziert wird, hat die Gewerkschaft eine bittere Pille geschluckt. Dennoch wird bei VW weiter Personal abgebaut werden.
Der neue VW-Geländewagen wird ab 2007 im Wolfsburger Stammwerk und nicht im Ausland gebaut. Darauf haben sich Konzernspitze und Betriebsrats in der Nacht zum Dienstag geeinigt.
Neben dem "Touran" wird bald auch der "Marrakesch" in Wolfsburg gebaut werden. (© Foto: ddp)
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Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh begrüßte, dass damit die Beschäftigung für mehr als 1000 Mitarbeiter gesichert werden konnte. Wie Volkswagen mitteilte, wurden in den Verhandlungen die Herstellungskosten um rund 850 Euro pro Fahrzeug gesenkt.
Außerdem wurde der Bau von zwei weiteren Modellen in den Werken Emden und Wolfsburg vereinbart.
Verhandlungen in der Nacht
Der kompakte Geländewagen wird nun in der Auto 5000 GmbH gefertigt. Deren Mitarbeiter, die bereits den "Touran" fertigen, erhalten dafür einen Monatslohn von 2556 Euro, rund 20 Prozent weniger als nach Haustarifvertrag. Damit hat sich der Vorstand gegen die Gewerkschaft durchgesetzt, die möglichst viele Beschäftigte unter dem Dach des Haustarifes halten wollte.
Über die Produktion des Geländewagens hatten Konzernvorstand und Betriebsrat die ganze Nacht verhandelt. Wegen der hohen Stückkosten in Wolfsburg hatte die Konzernführung erwogen, den Geländewagen in Portugal zu produzieren. Im dortigen Werk Palmela lägen die Kosten 1.000 Euro niedriger.
VW-Markenchef Wolfgang Bernhard nannte es entscheidend, dass der kompakte Geländewagen nun zu wettbewerbsfähigen Bedingungen gefertigt und exportiert werden könne. Einer der Hauptmärkte für das Auto sind die USA.
Zusage auch für Emden
Bernhard sagte zudem die Fertigung eines weiteren Modells ab 2008 in Emden zu. Dazu soll den Angaben zufolge der Haustarifvertrag des Werkes geändert werden. Voraussetzung sei das "Erreichen der Wirtschaftlichkeit des Fahrzeugs".
Es gilt als sicher, dass auch an dieser Stelle Personalkosten gespart werden sollen. Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte vor mehreren Wochen darauf hingewiesen, dass der Export des Modells Passat aus Emden in die USA Verluste einfahre.
Unternehmensleitung und Betriebsrat beschlossen außerdem, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Wolfsburg weiter zu verbessern, um auf dieser Basis ein zusätzliches Modell am Stammsitz herzustellen. Entscheidungen dazu stünden aber noch aus.
Schlechte Auslastung
Bisher leidet Wolfsburg unter der schlechten Auslastung von nur rund 70 Prozent. Dennoch wird bisher keine zusätzliche Produktion in das niedersächsische Werk verlagert, weil die Personalkosten zu hoch sind.
Zur Produktion des kleinen SUV soll nach Konzernangaben die bestehende Belegschaft der Auto 5000 GmbH durch rund 1.000 Auszubildende der Abschlussjahrgänge 2006 und 2007 verstärkt werden. Die Auszubildenden werden laut VW zu den Konditionen der Auto 5000 eingestellt, erhalten jedoch bei Personalbedarf der Volkswagen AG dort eine Wiedereinstellungszusage.
Mit der Übernahme von Auszubildenden nicht in den Haustarif sondern durch die Auto 5000 GmbH wird erstmals der Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung aufgeweicht. Den hatte im Herbst vergangenen Jahres noch der damalige und inzwischen zurückgetretene Personalvorstand Peter Hartz mit der IG Metall ausgehandelt. Die jetzt gefundene Einigung dürfte zugleich bei allen künftigen Produktionsentscheidungen des Konzerns die Richtschnur für eine Vergabe an die deutschen Werke sein.
Weiterhin Jobabbau
Die Einigung bedeutet einen weiteren Schritt auf dem Weg von Pischetsrieder zur Senkung der Kosten um sieben Milliarden Euro bis 2008. VW will aber weiter über Vorruhestand und Abfindungen mehrere tausend Jobs streichen, vor allem in Wolfsburg. Ein Scheitern der Geländewagen-Verhandlungen hätte den Personalüberhang noch vergrößert.
Die Marke VW steckt in den roten Zahlen, soll aber noch dieses Jahr wieder über die Gewinnschwelle kommen.
(sueddeutsche.de/AP/AFP)
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