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Die Totengräber

Er war der Buhmann, der böse Liberale, an dem die Schlecker-Rettung vermeintlich scheiterte: Ein Jahr danach steht Bayerns FDP-Wirtschaftsminister Martin Zeil im oberbayerischen Kloster Benediktbeuern bei einer Parteiklausur und würde alles noch einmal so machen. "Da war nichts zu retten", sagt Zeil. "Es wäre eine Verlängerung gewesen, auf Kosten des Steuerzahlers." Zeils Veto im bayerischen CSU-FDP-Kabinett hatte den Ausschlag gegeben, dass die Länderbürgschaft für eine Transfergesellschaft nicht zustande kam. Der Ärger von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) über seinen Stellvertreter Zeil war beträchtlich. "Ich würde heute nicht anders entscheiden", sagt Zeil. "Es darf keine Insolvenzen erster und zweiter Klasse geben" - keine Firmenpleiten also, bei denen der Staat nur einspringt, weil sie spektakulärer sind als andere. "Da muss man dann auch stehen, wenn es unangenehm ist." Spuren aber hat der Fall beim Wirtschaftsminister durchaus hinterlassen. Er war zur hartherzigen Symbolfigur geworden, die die Frauen von Schlecker aus ordnungspolitischen Gründen auf die Straße schickt: "Ich hatte ja manchmal das Gefühl, ich hätte Schlecker selbst in den Ruin getrieben", sagt Zeil. Er hat sich dann mindestens einmal monatlich berichten lassen, wie es den Mitarbeiterinnen weiter erging. "Es ist nicht so, dass wir blind und kalt durch die Welt gehen."

Bild: dpa

19. Januar 2013, 18:37 2013-01-19 18:37:05

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