Tolle Treppenlifte, coole Elektro-Scooter und leckerer Kräuterlikör: konsumfreudige Senioren beleben die Wirtschaft.
Kristine Kellermann vom ,,Finanzservice 50 plus'' möchte einen gerne informieren über Themen wie ,,Sterbevorsorge'' und ,,Rürup für Spätversorger.''
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Ähm, eigentlich fühlt man sich ja noch einigermaßen fit, wer denkt denn da an Sterbe-Vorbereitungen? ,,Sie kommen auch noch in das Alter!'', ruft Frau Kellermann fröhlich. Zack. Das sitzt. Schon hat es einen erwischt, das Thema Älterwerden.
Man kann sich nicht früh genug informieren über den Lebensabend. Ehe man sich versieht, sind Gehhilfen und Sehhilfen erforderlich. Noch schmunzelt man über den ,,Wellnesskäfer'', der mit vibrierenden Füßchen den steifen Nacken lockert - bald nimmt man diese Wohltat wahrscheinlich dankbar von einem Pfleger an. Vielleicht wäre es auch schlau, sich schon einmal mit den Regeln von Bingo oder Bridge vertraut zu machen? Wenn man es recht überlegt, gibt es viele gute Gründe, als Mensch mittleren Alters eine Seniorenmesse zu besuchen.
Willkommen in der Welt der Treppenlifte, der Ginseng-Kapseln und der orthopädischen Schuhe - willkommen bei Deutschlands größter Seniorenmesse in München.
Die Veranstaltung heißt ,,Die 66'' - der Namen soll laut Veranstalter an den Evergreen von Udo Jürgens (,,Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an'') und an die legendäre ,,Route 66'' erinnern. Englisch ausgesprochen klingt der Titel ziemlich fatal, aber wie die Messe-Organisatorin Doris Lulay versichert, gehe es der Generation 50 plus um Themen wie Aktivität, Neugier und Lebensfreude. Hm. Mal schauen.
Galionsfigur Senta Berger
Die unglaublich jung wirkende Seniorin Senta Berger spricht bei der Eröffnung der Messe über Arthritis und wirbt für die Initiative ,,Stark gegen Schmerz''. Die Zuhörer, Durchschnittsalter um die 65, saugen Fruchtcocktails, probieren Biofrischkäse und nippen am Kräutertee.
Fast alle im Saal bewundern Senta Berger, für ihr Aussehen, für ihr elegantes Auftreten, für ihr Engagement. Und für ihr Alter - im Mai wird Senta Berger 66, was sie zur idealen Galionsfigur der Messe und der fitten, aktiven Alten überhaupt macht. Es gehe darum, die ,,letzten 20 Jahre - vielleicht mehr, vielleicht weniger - so gut und gesund wie möglich zu verbringen'', sagt sie - und trifft damit den zentralen Lebensinhalt der Hälfte der deutschen Bevölkerung.
In der Tat lässt sich nicht abstreiten, dass dieses Land vergreist. Die Zahl der 80-Jährigen wird sich bis 2030 verdreifachen. Mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland sind älter als 50 Jahre. Für sie hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) eine Kaufkraft von 643 Milliarden Euro ermittelt. Die Alten seien eine wachsende Konsumentenschicht, konstatierte Familienministerin Ursula von der Leyen diese Woche in Berlin bei einem Kongress zum Thema ,,Demografischer Wandel als Chance'', und sie fügte hinzu: ,,Wir brauchen ein neues, positives und aktives Bild des Alters.''
Dieses Ziel verfolgen die Firmen, die bei der Seniorenmesse in München ihre Produkte präsentieren, von Haus aus. Denn der graue Markt ist äußerst lukrativ.
Die Senioren von heute sind nicht nur viel fitter als vergleichbar alte Menschen früherer Generationen, sie sind auch aktiver und konsumfreudiger, sie reisen mehr und sind zunehmend an Produkten der Unterhaltungselektronik interessiert.
Deshalb bieten Computerfirmen Senioren-Computer an, Mobilfunkfirmen wollen Senioren-Handys verkaufen, Möbelhändler stellen elektrisch verstellbare Luxus-Fernsehsessel vor. Eine ganze Messehalle im Ausstellungszentrum ist voll mit Wohnmobilen, Ständen von Wellnesshotels und Autos.
Selbst die ehemals jugendliche Marke Smart stellt auf der Messe ihre überdachten Rollstühle aus - die neuen Smart-Modelle sind etwas geräumiger und bequemer und werden immer häufiger auch von älteren Autofahrern gekauft, denen ihr großer Wagen zu unübersichtlich wird.
Viel Beachtung bei den Besuchern finden die coolen kleinen Elektromobile - sie sind handlicher als ein Kleinwagen und schmal genug, um damit im Supermarkt herumzukurven. Stockhalter, Anhängerkupplung und Einkaufskorb kann man als Sonderausstattung dazu bestellen.
Noch dazu sehen diese Scooter so knuddelig aus, als seien sie von Daniel Düsentrieb entworfen worden. Wer eine barrierefreie Wohnung hat, wie sie auf der Messe aufgebaut ist, könnte mit seinem Scooter bis zum elektrisch verstellbaren Bett düsen, sich von einem Haus-Kran hineinheben lassen und anschließend den Nachttisch per Knopfdruck heranfahren, um an den Anti-Stress-Delphin zu kommen, der mit Infrarot-Klopfmassage gegen Verspannungen hilft.
In der Wellnesshalle findet der Senior von morgen recht erstaunliche Präparate gegen vorzeitiges Altern. Einen ,,Salzatmer'' etwa, ein Porzellangefäß, das mit Himalaya-Salzkristallen gefüllt ist. ,,Die Ostsee in der Tasche'', erklärt Verkäufer Laslo Lauko, sei für Senioren interessant, deren Lunge zu ,,Verschleimung'' neige. Vielleicht versuchen wir es lieber mit ,,Lichtkraft-Ohrkerzen'', kleinen Glimmstängeln, die man in die Ohren steckt und abfackelt, was angeblich die Nerven stärkt.
Vielleicht braucht man diese Hilfsmittelchen aber auch gar nicht, denn es gibt schließlich Allduwesen, das ultimative Mittel gegen allzuschnelles Altern. ,,Allduwesen'' ist die Abkürzung für ,,Alles, was Du brauchst, trägst Du in deinem Wesen.'' Die Kinesiologin Hildegard Maria Pratter, die ,,Allduwesen'' als abenteuerliche Mischung aus Entschlackungsratgebern, Fußreflexzonenmassage und Astrologie präsentiert, versteht ihr Konzept als westliche Antwort auf Ayurveda. Senta Berger, die bewundernswert gelassene Seniorin, drückt es etwas natürlicher aus: ,,Egal ob 30 oder 60 - Hauptsache, man ist gut zu sich selbst.''
(SZ vom 21.04.2007)
Streit um Parteispitze bei der Linken
Sehr geehrte Damen und Herren,
würden Sie in Ihrer Zeitung wirklich das bringen, was die Menschen gesund erhalten würde, dann gäbe es weniger Kranke und Dahinsichende. Es wäre an der Zeit, dass Sie sich einmal die Mühe machten und die ganzheitliche Methode der Allduwesen-Therapie durchzustudieren. Alles, was Allduwesen bietet, ist dazu angetan, den Menschen bis in hohe Alter gesund, schön, leistungsstark zu halten.
Mit freundlichen Grüßen
Hldegard Maria Pratter
Der Bericht trifft den Nagel auf den Kopf. Wenn ich in der Schweiz schaue, was hier abgeht, sind wir noch lange nicht so weit wie in Deutschland. Das Thema der aktiven, erfahrenen Generation wird erst jetzt erkannt. So kann ich den Organisatoren der "die-66" nur gratulieren. Endlich wird auch in der Schweiz mit der Messe activia - www.activia.ch - eine Messe für die interessante Generation im november durchgeführt. Lasse mich überraschen, wie die Resonanz in der Schweiz sein wird.
Wenn Rentner, eingesperrt im abgedunkelten Gasthof-Hinterzimmer überteuerte Schafwolldecken oder wirkungslose "Elixiere" etc. angedreht bekommen, hat Neuenberg sicher Nichts davon, es sei denn er ist Verkäufer von dem Zeug. Ansonsten Hat Frau Carancha fast alles Notwendige und Richtige gesagt. Eines noch: Erhaltene Rente bedeutet heute und erst recht zukünftig nicht unbedingt die "staatliche" Rente. Wenn ich nächstes Jahr in den Vorruhestand gehe, so sorgt die Firmenrente und die private Lebensversicherung (habe da eben schon früh auf meinen Vater gehört) für eine "gewisse" Sicherheit meines Alterseinkommens vor ggf. staatlichen Begehrlichkeiten in Bezug auf die "normale" Rente.
Die Leute, die heute Rentner sind, haben in ihrem Arbeitsleben jahrelang oft mehr als 40 Wochenstunden gearbeitet (es gab auch eine Zeit, in der 44 Wochenstunden gearbeitet wurden, sogar 48 waren in den fünfziger Jahren durchaus noch üblich) , und viele hatten auch - alleinerziehend - Kinder zu versorgen, wenn sie heute eine Rente beziehen, die höher ist als Neuenburgs Arbeitslohn, so bekommen sie diese Rente für eine erbrachte Lebensleistung und nicht geschenkt.
Viele Frauen, die Kinder zu erziehen hatten und deshalb mehr oder weniger lang pausieren mussten, haben heute eine so geringe Rente, dass es "grade so umgeht". Extras sind da oft nicht mehr drin.
was sollen die sonst mit ihrem Geld machen - die Rentner die ich kenne erhalten monatlich mehr als ich netto mit 40 Stunden Arbeit -- ich muss noch ein Kind ernähren -- dann sollen es wenigstens die Rentner wieder ausgeben, damit die die arbeiten zu Geld kommen!
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